Europaweit aktiv für Tier- und Naturschutz

Tierversuche

Die Lüge heiligt die Mittel?!

Hidden crimes – “versteckte Verbrechen” war der Titel eines Filmes,  der Anfang der achtziger Jahre erstmalig die unvorstellbare Grausamkeit von Tierversuchen dokumentierte. Viele Tierversuche werden immer noch im Verborgenen durchgeführt, aber das, was an die Öffentlichkeit gelangt, bewegt und erregt die Menschen.  Ausgehend von den USA hat sich in Deutschland eine Tierversuchsgegnerlobby aufgebaut, der nicht nur Tierschützer, sondern auch Wissenschaftler und Mediziner angehören.

Liebe Tierfreunde, in diesem Artikel erwartet Sie keine Beschreibung der Grausamkeiten, obgleich es gerade in der Grundlagen- und Verhaltensforschung Tierversuche gibt, die beschrieben werden müssten, weil normale Menschen sich solche perverse Tierquälerei einfach nicht vorstellen können. Wir möchten hier vielmehr einige grundsätzliche Aspekte erörtern, die vielleicht nicht jedem bekannt sind und in Diskussionen gegen Tierversuche als Argumentationsgrundlage dienlich sein können. Wer sich zusätzlich über Tierversuche und tierversuchsfreie Testmethoden informieren möchte, findet ausführliche Beiträge auf der “Ärzte gegen Tierversuche” www.aerzte-gegen-tierversuche.de.

“Vivisektion ist das schwärzeste aller schwarzen Verbrechen, deren sich der Mensch heute gegenüber Gott und seiner Schöpfung schuldig macht.” Mahatma Gandhi Institut für Infektionsschutz, Stockholm, Schweden

Der Mensch oder das Tier?!

Oft wird bei dem Thema Tierversuche die Frage aufgeworfen, welches Leben höherwertig sei, das menschliche oder das tierische? Hierbei wird vorausgesetzt, dass Tierversuche menschliches Leben retten. Indirekt wird somit Tierversuchsgegnern unterstellt, dass ihnen Tiere wichtiger als Menschen seien. Das ist nicht nur dumm, sondern auch falsch: Tierschützer möchten natürlich, dass Menschen medizinisch versorgt und Krankheiten bekämpft werden können. Es gibt jedoch einen entscheidenden Aspekt: Wir sind davon überzeugt, dass Fachleute wie die Vereinigung “Ärzte gegen Tierversuche” e.V. Recht haben, wenn sie betonen, dass Tierversuche der falsche Weg sind. Der Vereinigung “Ärzte gegen Tierversuche” e.V. sind Mediziner angeschlossen, die aufgrund wissenschaftlicher Erfahrungen – teilweise haben sie in der Vergangenheit selber mit Tierversuchen gearbeitet – eine Forschung mit Tierversuchen ablehnen.

Erlauben Sie uns eine ganz andere Hypothese. Vielleicht wären der medizinische Fortschritt und die Bekämpfung von Krankheiten erfolgreicher, wenn nicht der Irrweg der Tierversuche dies verhindern würde. Wie viele Medikamente und Ergebnisse bleiben ohne Nutzen für den Menschen, weil sie am Modell “Tier” versagt haben? Dass Tierversuche zum Wohle der Menschheit durchgeführt würden, ist fast ausschließlich der Standpunkt derer, die sie durchführen und damit wirtschaftliche Erfolge erzielen. Die Ablehnung von Tierversuchen hat allerdings nicht nur ethische, sondern auch wissenschaftliche Gründe!

Methoden als Dogma

Das Dilemma in unserer Gesellschaft ist jedoch, dass die vermeintliche Notwendigkeit der Tierversuche von einer Medizinergeneration zur nächsten als Dogma weitergegeben wird. Schon Studenten lernen der herrschenden Meinung der Professoren zu folgen. Sie wachsen in ein unangetastetes System hinein, in dem man nur etwas wird, wenn man mit dem “Strom schwimmt”. Also werden weiterhin fleißig Versuche am Tier gemacht…
Ein anderer Standardvorwurf der Tierexperimentatoren ist uns bestimmt allen schon begegnet: Tierschützer sind emotional. Wann immer Tierexperimentatoren in die Öffentlichkeit treten, zielt spätestens ihr zweiter Satz auf die Hilfsbedürftigkeit herz- und krebskranker Kinder ab. Sie rufen ganz bewusst Emotionen hervor und erwecken den Eindruck, dass man sich entscheiden müsse… Wäre es nicht so irreführend, sollte es uns eigentlich egal sein, dass die emotionale Erpressung mehr von der Seite der Tierversuchsbefürworter und weniger durch die Tierschützer praktiziert wird. Die ethische Einstellung und das Mitgefühl für Tiere sollten sich Tierfreunde niemals abreden lassen, denn wie Albert Schweitzer sagte: “Ich aber gelobe mir mich niemals abstumpfen zu lassen und den Vorwurf der Sentimentalität niemals zu fürchten.”

Bitte lesen Sie die Packungsbeilage…

Im Jahr 2000 wurden in Europa mehr als zehn Millionen “Versuchstiere verbraucht”, davon rund 1,83 Millionen in Deutschland. Alleine der Verbrauch im Bereich der Grundlagenforschung liegt bei 37 % (679 026 Tieren). Die nebenstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die Anzahl der “verbrauchten” Tiere in den verschiedenen Bereichen, wobei längst nicht alle Tiere erfasst werden. Im Zusammenhang mit der Genforschung wird mit einem weiteren Anstieg der Zahlen gerechnet. Der Auftraggeber vieler Tierversuche ist die Pharmaindustrie. Trotz und teilweise gerade aufgrund dieser millionenfachen Tieropfer, werden alleine in Deutschland jährlich 210.000 Menschen mit Nebenwirkungen von Medikamenten ins Krankenhaus eingeliefert, 16.000 sterben an den Folgen von Medikamenten, die im Tierversuch als ungefährlich eingestuft wurden.

Unter www.aerzte-gegen-tierversuche.de finden Sie eine so genannte “Medikamentenrisikoliste”, mit einer Auswahl der Medikamente, die entweder vom Markt genommen, in ihrer Indikation stark eingeschränkt oder erheblich kritisiert wurden. Das Versprechen heiligt die Mittel…


Mit den Krankheiten und der Not der Menschen machen Wissenschaftler und Pharmakonzerne ein großes Geschäft. Immer wieder wird mit Versprechungen geworben, die bislang nicht eingehalten werden. Bis vor 20 Jahren hieß es aus der Forschung, “Tierversuche” würden uns von allen Übeln wie Krebs, Diabetes, Parkinson und Herzinfarkt befreien. Dann kam der Begriff “gentechnisch veränderte Tiere”, dank welcher die Krankheiten geheilt werden sollten. Zauberwörter wie “Gentherapie” und “embryonale Stammzellenforschung” sind der neueste Trend, durch den uns Wissenschaftler Heilung versprechen. Fazit: Bis heute ist keine Krankheit wegen dieser auf den Tierversuch fixierten Forschungsgebieten heilbar. Zivilisationskrankheiten und auch die Zahlen im Bereich der Krebserkrankungen nehmen weiterhin zu, wobei das Alter der Betroffenen stetig sinkt. In der Grundlagenforschung können auch nach 20 Jahren grausamster Versuche an Affen, keine verwertbaren Ergebnisse für die Menschen vorgelegt werden.

Verbraucherschutz?!

Neben dem großen Bereich der Medikamentenzulassung, sind für wirklich alle erdenklichen Stoffe, sei es Kunststoffe, Farben, Spülmittel etc., mit denen der Mensch in Berührung kommt bzw. die in die Umwelt gelangen, gesetzlich Versuche am Tier vorgeschrieben. Es sind überwiegend toxikologische Versuche, die anzeigen sollen, ab welcher Belastung Stoffe für den Menschen schädlich sind. So werden z.B. auch mit Nikotin seit Jahren weiterhin Versuche am Tier gemacht, obgleich wir alle längst wissen, dass Nikotin Krebs erzeugt. Aber der Gesetzgeber nutzt Tierversuche, um sich und die Produzenten mit der “Unbedenklichkeitsprüfung” bzw. durch die Kennzeichnung der möglichen Nebenwirkungen vor Schadensersatzansprüchen zu schützen.

Wo bleibt die Forschung nach den alternativen Testmethoden?

Die EU Richtlinie 86/609/EWG schreibt vor, dass, wenn weniger belastende tierversuchsfreie Methoden zur Verfügung stehen, diesen der Vorrang zu geben ist. Eine schöne Vorstellung, die bislang an der Freiheit von Wissenschaft und Forschung gescheitert ist. Denn niemand schreibt einem Forscher oder Mediziner vor, ob er eine Alternative nutzt oder nicht. Übrigens konnte dies bisher auch niemand vorschreiben, denn die Freiheit von Lehre und Wissenschaft hatte im Gegensatz zum Schutz der Tiere immer schon Verfassungsrang. Ob sich nun durch die Aufnahme des Tierschutzes in die Verfassung in Zukunft an dieser Situation etwas ändern wird, bleibt zweifelhaft. Denn: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber unabhängig von der Durchsetzung der EU Richtlinie, muss deutlich gesagt werden, dass die Forschung nach alternativen Testmethoden weder durch finanzielle, noch durch gesetzliche Maßnahmen ausreichend gefördert wird. Es werden erheblich weniger Mittel in die Entwicklung tierschonender Methoden investiert, als in Tierversuche. Im Zusammenhang mit der Zulassung für tierversuchsfreie Testmethoden stellt sich die Situation nicht weniger empörend dar. Bisherige Hürde ist der langwierige Prozess der Zulassung, wobei die Ergebnisse unsinniger Weise am Tierversuch gemessen werden. Tierversuche selber bedurften gesetzlich jedoch nie einer Bewertung.

Ethikkommissionen gewährleisten den Schutz der Tiere?

Tierexperimentatoren wollen uns doch immer wieder glauben machen, dass Tiere im Versuch nicht leiden und dass der Tierschutzaspekt gewährleistet sei… Als Kontrollinstanz verweisen sie dabei auf die so genannten Ethikkommissionen nach § 15 Tierschutzgesetz. Diese Kommissionen sollen die ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen bewerten. Im Klartext: Beantragt ein Wissenschaftler einen Tierversuch, so wird er im Rahmen des Genehmigungsverfahrens von der Kommission bewertet. Die Realität führt die Ethikkommissionen jedoch ad absurdum. Sie sind nicht paritätisch besetzt; d.h. die Tierversuchsbefürworter sind in der Mehrheit. Zudem haben sie bislang nur beratenden Charakter. Meist werden die vorgelegten Versuche grundsätzlich in der zu erwartenden Belastung für die Tiere unterschätzt und in ihrem zu erwartenden Nutzen für den Menschen überschätzt. In der Öffentlichkeit soll der Eindruck erweckt werden, dass bei den Versuchen an den Tieren der Tierschutz gewährleistet wird. Eine in sich schon absurde Vorstellung, wenn man sich nur die uns bekannten Tierversuche vorstellt, geschweige denn die Vorgänge hinter verschlossenen Labortüren, bei denen kein Journalist eine Drehgenehmigung erhält. Übrigens sind mindestens ein Drittel der Tierversuche nicht genehmigungspflichtig und die Dunkelziffer der Tierversuche, die erst gar nicht beantragt und damit auch nicht bewertet werden ist hoch.
Ein zusätzlicher Gedanke beschäftigt uns: Was, liebe Tierfreunde geschieht, wenn die kritischen Stimmen zunehmen werden und es möglicherweise sogar verstärkte gesetzliche Kontrollen und Einschränkungen bei Tierversuchen geben wird? Was geschieht, wenn es wirklich vor den Gerichten zu einer Abwägung zwischen Wissenschaft und Tierschutz kommen wird? Professor Dr. Kreiter, Gehirnforscher und bekannt für seine grausamen Versuche an Affen, gab darauf eine deutliche Antwort: “Wenn meine Arbeit in Deutschland erschwert wird, gehe ich ins Ausland!” Ist es nicht unglaublich, mit welcher Arroganz und Borniertheit sich Wissenschaftler der Moral und Ethik, ja sogar möglichen Gesetzen entziehen wollen?!