Ja, Nein, Jein - Die richtige Vogelfütterung

Rainer Sturm pixelio.deBild: Rainer Sturm/pixelio.deDie mittlerweile in Deutschland traditionell gewordene Vogelfütterung (ganz gleich ob im Winter oder Sommer) löste schon vor einiger Zeit heftige Diskussionen unter den Naturschützern aus.
Gegner der Vogelfütterung diskutieren hierbei mit Argumenten, die sich bei genauerer Untersuchung überwiegend widerlegen lassen. Befürworter erklären, dass die Zufütterung das Überleben der Vögel erleichtere, vor allem weil der Mensch den Lebensraum der Vögel immer weiter zerstört und den Wildvögeln wichtige Nahrungsquellen entzieht. Bis vor wenigen Jahren wurde das Thema in Deutschland wissenschaftlich eher mäßig behandelt. Doch die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse besagen, dass eine durchgängige Fütterung von Vögeln nicht schädlich für Wildvögel ist, wenn sie artgerecht durchgeführt wird. Im Gegenteil, denn durch das Angebot vielfältiger und qualitativ hochwertiger Futtermittel kann die Winterfütterung bei gefährdeten Arten die Population wieder stabilisieren. Die Niederlassung einiger Vögel durch die Zufütterung hat positive Effekte auf die Fortpflanzung und Artenvielfalt. So zeigen Ergebnisse einer Untersuchung, dass eine Zufütterung generell den Legebeginn vorzieht. Das hat zur Folge, dass zum einen die Zahl der Ersatz- und Zweitbruten zunimmt und zum anderen Jungvögel mehr Zeit bis zum Winter haben, um absolut selbstständig und unabhängig zu werden.
Fazit: Eine Zufütterung kann viele positive Effekte haben, wenn diese artgerecht und richtig erfolgt. Denn bei der Fütterung von Vögeln, egal ob im Sommer oder Winter ist einiges zu beachten:


Wann soll ich füttern?

slicer pixelio.deBild: slicer/pixelio.deDie Zufütterung bei Vögeln ist im Winter eher zu empfehlen, da bei niedrigen Temperaturen die Übertragung von Salmonellen auf die Tiere verhindert oder zumindest die Gefahr einer Übertragung verringert wird. Im Sommer hingegen können die Fütterung, sowie das Anbieten von Trink- und Badewasser eine Gefahr einer Infektion darstellen. Um dies zu verhindern, sollten die Futter- und Tränkplätze regelmäßig gereinigt werden. Werden die Hygienestandards eingehalten, ist es also kein Problem die Vögel auch ganzjährig zu füttern.

Ausschlaggebend für viele Vögel an der Futterstelle ist eine frühestmögliche Fütterung, damit sich die Vögel allmählich an die neue Futterstelle gewöhnen können und vor allem im Winter darauf zurückgreifen. Zudem ist es wichtig, die Vögel in den Wintermonaten durchgängig zu füttern; fällt die Futterquelle einmal aus, kann dies zu lebensbedrohlichen Konsequenzen führen.
Mit leichten Tipps und Tricks können Sie aber auch ganz entspannt in den Skiurlaub fahren, ohne Ihre Vögel im Stich zu lassen: Mit einer Vorratsfütterung, durch ein gut gefülltes Futterhaus, Großraumsilos, Nussspender oder Fett-(Meisen-)Knödel in Stahlspiralen kann gut vorgesorgt werden.


Wie soll ich füttern?

Zunehmend werden Futtersilos (Futterspender) empfohlen, da das Futter hier nicht durch Kot verschmutzt und Krankheiten seltener übertragen werden. Doch sobald der Wind den Regen seitlich in die Öffnungen drängt, kann es zur Schimmelbildung führen. Nach wie vor ist das Futterhaus selbst bei den Vögeln sehr beliebt, da viele Arten Schwierigkeiten mit Futtersilos haben. Wenn das Futterhaus regelmäßig geleert und mit heißem Wasser ausgespült wird, und somit für die nötige Hygiene im Haus gesorgt ist, ist es wohl die geeignetste Futterstelle für unsere gefiederten Freunde. Abgesehen von Silos und Häusern kann Futter in Form von Hirsekolben frei, jedoch regengeschützt angeboten werden, ebenso Fettglocken aus Blumentöpfen oder Kokosnüssen.


Wohin mit der Futterstelle?

Achten Sie darauf, Ihre Futterstelle an einer übersichtlichen Stelle anzubringen, so dass sich keine Katzen anschleichen können und Sie die Vögel aus der Entfernung gut beobachten können. Außerdem ist es wichtig, dass Bäume oder Büsche in der Umgebung sind, welche bei Not Schutz gewähren. Besondere Vorsicht soll bei Glasscheiben in der Nähe geboten sein! Glasscheiben sind große Gefahrenquellen und sollten im besten Fall für die Vögel gekennzeichnet sein.


Wie viele Futterstellen soll ich anbieten?

Krankheitserreger wie Salmonellen und Trichomonaden treten besonders an größeren Futterstellen auf. Deshalb sind mehrere kleinere Futterstellen empfehlenswert.


Was soll ich füttern?

Cisco Ripac pixelio.deBild: Cisco Ripac/pixelio.deGute Frage! Wichtig ist zu wissen, dass ein Futterhaus keine Abfallverwertungsanlage darstellt! Vielfältige und qualitativ gute Futtermittel sind hier gefragt. Als Basisfutter kann man Futter nehmen, welches viele oder fast alle Arten fressen (z.B. Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse). Weichfutterfressern, wie z.B. Rotkehlchen oder Amseln, kann man auch Rosinen, Obst, Hafer- und Weizenflocken oder Kleie anbieten, eingebettet in geeignetes Fett. Hierbei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass diese Produkte nicht verderben.
Vorsicht bei Meisenknödeln! Diese und ähnliche Produkte sind mit Plastiknetzen eingewickelt und können Vögel schwer verletzen, wenn sie sich mit ihren Beinen darin verfangen. Besser ist es, diese Plastiknetze zu entfernen und die Knödel in Stahlspiralen oder Gittersilos anzubieten. Salzige oder zusatzstoffreiche Nahrung ist nicht geeignet. Ebenso Brot, da es im Magen aufquillt und schnell verdirbt.

So kann man sagen, dass eine Winter- bzw. ganzjährige Vogelfütterung meist nur Gutes bringt, sofern sie artgerecht abläuft. Bei verantwortungsvoller und artgerechter Fütterung kann man ohne schlechtes Gewissen Vogelfutterstationen aufstellen und sich an jeder Vogelart im Garten erfreuen.
Die Fütterung kann ein wirkungsvoller Beitrag zum Vogelschutz sein, indem sie Populationen häufiger Arten stabilisiert oder sogar Populationen seltener Arten wieder neu aufbaut und somit zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt.