Was ist zu tun bei Tierschutzverstößen?

DSC01063Immer wieder erreichen uns Anrufe und Berichte von Menschen, die beobachten, dass ein Tier schlecht gehalten oder vernachlässigt wird. Ob bei Pferd, Rind, Hund oder Papagei, die Palette der Tierschutzverstöße ist lang. Doch den Missstand einfach nur dem nächsten Tierschutzverein zu melden reicht nicht, vielmehr muss man selbst aktiv werden. Wir sagen Ihnen, wie Sie in solchen Situationen am besten vorgehen können.

Laut Deutschem Tierschutzgesetz darf niemand einem Tier ohne Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen (§1). Ferner ist festgelegt, dass das Tier „seinen Bedürfnissen entsprechend“ gepflegt, ernährt und untergebracht sein muss; leider geht das Gesetz nicht näher auf die genauen Haltungsbedingungen ein. So bleiben die Vorschriften zur Tierhaltung, sofern nicht in anderen Verordnungen geregelt (z.B. bei verschiedenen Nutztieren und Hunden) eher schwammig und lassen von Seiten der Behörden und privater Halter viel Raum für Spekulationen. Nichtsdestotrotz sollte man sich auf das Tierschutzgesetz beziehen, wenn man denkt, eine tierschutzwidrige Tierhaltung entdeckt zu haben.

Dokumentieren Sie den Fall möglichst genau, das heißt notieren Sie sich Ihre Beobachtungen genau und machen Sie detaillierte Angaben zu Ort, Datum und Uhrzeit. Auch Fotos und Videos sind wichtig. Wenn es der Fall zulässt, kann diese Dokumentation auch über einen längeren Zeitraum erfolgen, um mehr Beweise zu sammeln. Ziehen Sie am besten auch einen Zeugen hinzu, der notfalls auch vor der Polizei bereit ist Ihre Aussage zu bestätigen und seine Eindrücke zu schildern.

Ansprechpartner

DSC02039Wenn ein Tier akut in Gefahr ist oder gequält wird, wenden Sie sich bitte sofort an die Polizei! Generell unterscheidet das Tierschutzgesetz zwischen Handlungen, die eine Straftat darstellen (§17) und Ordnungswidrigkeiten (§18). Wer ein Tier vorsätzlich „ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt“ macht sich strafbar, ebenso jemand, der ein Tier durch Unterlassen tötet oder quält (z.B. fehlende tierärztliche Behandlung, Verhungern oder Verdursten des Tieres). Bei Straftaten drohen eine Freiheits- oder Geldstrafe sowie ein Tierhalteverbot. Verschiedene andere tierquälerische Handlungen werden nach §18 demgegenüber nur als Ordnungswidrigkeiten eingestuft. Es ist nicht die Aufgabe eines Laien zu beurteilen, um welche Art von Straftat es sich handelt – wichtig ist nur, dass man handelt.

Bei offensichtlichen Misshandlungen und Tierquälereien müssen die Polizei und das Veterinäramt informiert werden. Findet man Versäumnisse in der Tierhaltung vor (kein Witterungsschutz, kein Zugang zu Wasser), kann man auch zuerst versuchen, den Besitzer der Tiere darauf anzusprechen. Manchmal bewirkt ein Gespräch schon wahre Wunder. Ist allerdings kein Umdenken von Seiten des Halters erkennbar, sollten Sie auch hier das Veterinäramt informieren.

Falls Sie Kontakt mit dem Veterinäramt aufnehmen wollen, suchen Sie am besten den direkten telefonischen Kontakt zum Amt und schreiben Sie gleichzeitig eine E-mail. Dadurch haben Sie einen Nachweis, dass das Amt tatsächlich informiert wurde. Scheuen Sie sich auch nicht mehrmals nachzuhaken und sich ggf. an Vorgesetzte zu wenden, sollte das Amt untätig bleiben. Grundsätzlich dürfen die Amtsveterinäre aus Datenschutzgründen zwar keine nähere Auskunft geben, aber ob sie sich des Falls angenommen haben oder nicht, sollte man Ihnen in den meisten Fällen sagen können. Amtsveterinäre sind verpflichtet sich um Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu kümmern, lassen Sie sich daher nicht abwimmeln.

Viele Menschen sind der Meinung, dass es bei einem Tierschutzfall ausreicht, den nächsten Tierschutzverein zu verständigen und sind entsprechend enttäuscht, wenn der Tierschutzverein dann auf das Veterinäramt verweist. Man muss sich aber vor Augen führen, dass ein Verein nicht mehr Rechte hat bei einem solchen Fall einzuschreiten als eine Privatperson. Auch ein Tierschutzverein darf ein Tier nicht beschlagnahmen, denn Vereine haben keinerlei amtliche Befugnisse. Genauso wie Privatpersonen kann ein Verein lediglich versuchen, das Gespräch zu den Tierbesitzern zu suchen und sie dazu bewegen, das Tier abzugeben oder die Haltung zu überdenken. Solch ein Gespräch kann erfolgreicher sein, wenn ein Tierschutzverein federführend ist, bei manchen Haltern ist es aber sinnvoller, wenn eine Privatperson das Gespräch sucht, da das Wort „Tierschutzverein“ oft schon eine Verteidigungshaltung bewirkt. Ferner kann ein Verein sich an das Veterinäramt wenden oder den Fall zur Anzeige bringen – alles Dinge, die eine Privatperson ebenfalls tun kann. Es ist wichtig, dass jeder, der Tierleid entdeckt, auch selbst versucht dagegen anzugehen, denn der ein oder andere Fall kann auch durch persönliches Engagement zum Guten gewendet werden.

Anonyme Anzeigen

IMG 3902Oft erreichen uns anonyme Briefe, in denen Tierschutzverstöße geschildert werden. Als Tierschützer gehen wir natürlich auch diesen Hinweisen nach, allerdings wird die Recherche und Anzeige des Falls oft dadurch erschwert, dass man keinen Ansprechpartner hat. Wenn in Briefen beispielsweise wichtige Hinweise fehlen, die für die Bewertung, ob die Haltung den gesetzlichen Bestimmungen entspricht, wichtig sind, kann man dies bei anonymen Anzeigen nicht mit dem Tierfreund besprechen. Vor allem wenn die Verstöße in direkter Nachbarschaft geschehen und Tierhaltungen von außen nur schlecht einsehbar sind, wäre eine Ansprechperson vor Ort sehr hilfreich.

Geht man einen Schritt weiter und erstattet Anzeige beim Veterinäramt oder der Staatsanwaltschaft, hilft es wenn man sich auf konkrete Zeugen berufen kann und nicht nur anonyme Hinweise anführen muss. Manchmal erreichen uns auch Hinweise zu vermeintlichen Tierschutzverstößen, die bei genauerer Betrachtung der Gesetze keine sind. Bestes Beispiel: ein anonymer Tierfreund weist uns auf einen Hund in einer Zwingerhaltung hin. Doch bei genauerer Recherche entspricht der Zwinger den gesetzlichen Anforderungen und obwohl wir las Tierschützer Zwingerhaltung nicht befürworten, sind uns die Hände gebunden. Wir können gegen den Tierhalter nicht einschreiten und würden dem Hinweisgeber gerne erklären warum – bei anonymen Hinweisen geht das aber nicht.

Also, bitte fassen sie sich ein Herz und geben Sie bei Meldungen zu Tierschutzverstößen Ihren Namen und Telefonnummer an. Selbstverständlich behandeln wir Ihre Daten vertraulich und wenn Sie es nicht wollen, benennen wir Sie auch bei Anzeigen beim Veterinäramt nicht. Doch auch Veterinärämter sind laut Datenschutzbestimmungen dazu verpflichtet, Ihren Namen geheim zu halten.

Mehr Infos zu Witterungsschutz auf Weiden finden Sie auch hier.