PM: ETN deckt Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in Oberberg auf

Tierschutzverein prangert Untätigkeit der Kreisverwaltung an

P1110617Neugeborene Lämmer bei Minusgraden auf der Weide, Schafe ohne Futter im tiefen Schnee, mangelnde Wasserversorgung – dieses Bild zeigt sich bei einem Schafhalter im Oberbergischen Kreis und das zuständige Veterinäramt schaut zu. Mehr noch, der Dezernent für Veterinärwesen des Kreises bezeichnet die Haltung in einer Stellungnahme als „nicht zu beanstanden“, die Tiere seien „ausreichend versorgt“. Der Europäische Tier- und Naturschutz e.V. (ETN) ist fassungslos angesichts der Untätigkeit der Behörden, denn Mitarbeiter dokumentieren nun seit vier Jahren immer wieder Verstöße gegen das Tierschutzgesetz durch den Schafhalter.

Seit vielen Jahren ist der Tierhalter dem Veterinäramt Oberberg schon bekannt, immer wieder wurden tierschutzwidrige Zustände in seiner Schafherde von Anwohnern oder dem ETN gemeldet. Doch behördliche Anordnungen, die zu nachhaltigen Verbesserungen in der Schafhaltung führen, sucht man vergebens. Schon vor mehr als zehn Jahren dokumentierte eine Anwohnerin aus dem Raum Nümbrecht erfrorene und ertrunkene Lämmer, und auch heute leiden und sterben immer wieder Tiere in der Herde durch die mangelnde Fürsorge des Schafhalters.

P1110179   KopieSo befand sich die Schafherde, samt hochträchtiger und säugender Mutterschafe, im Februar beispielsweise während eines Schneesturms auf Weiden, die keinerlei Witterungsschutz boten. Nicht einmal ein Baum war vorhanden. Gefüttert wurde nicht, die Tiere mussten sich das spärliche Gras aus dem tiefen Schnee ausgraben. Auch Wasser war nicht vorhanden, doch das Veterinäramt war der Ansicht, dass der Schnee und die Feuchtigkeit im Gras ausreichend waren, um den Durst der Tiere zu stillen.

Damit widerspricht das Amt allen gängigen Empfehlungen, die tierärztliche Vereinigungen oder Fachgremien anderer Bundesländer bisher abgegeben haben.

Jedes Jahr aufs Neue werden auch neugeborene Lämmer bei Minusgraden oder Schnee in der Herde vorgefunden, obwohl der Schafhalter angeblich einen Stall für alle Mutterschafe hat. Bei nasskaltem Winterwetter können neugeborene Lämmer binnen weniger Stunden erfrieren.

Eigene Richtlinien des Veterinäramts werden ‚nachkorrigiert‘

Bemerkenswert ist, dass das Veterinäramt Oberberg im Jahr 2016 in einem Merkblatt eigene Mindestanforderungen an die Freilandhaltung von Schafen herausgebracht hat. Darin wird für die Schafe – insbesondere für Mutterschafe und ihre Lämmer – ein Witterungsschutz gefordert, die Tiere müssen bei geschlossener Schneedecke und spärlichem Bewuchs beigefüttert werden und Wasser muss vorhanden sein. Da der Tierhalter keine einzige dieser Anforderungen erfüllte, das Veterinäramt aber nicht einschritt, sendete der ETN eine Beschwerde an den Landrat und die Fraktionen im Kreistag. „Die Antwort, die wir einen Monat später auf unsere Beschwerde erhielten, hat uns doch sehr verblüfft. Denn auf einmal galt das Merkblatt zur Freilandhaltung von Schafen nur noch für Koppelhaltungen – Hüte- und Wanderschafhaltungen wie die des betreffenden Schäfers wurden von den Anforderungen ausgenommen. In einem Brief, den wir ein Jahr zuvor vom Veterinäramt zu diesem Merkblatt erhalten haben, war von dieser Ausnahme aber nicht die Rede…,“ erinnert sich Julia Vasbender, Biologin beim ETN. Es drängt sich hier der Eindruck auf als seien die Richtlinien  nachträglich angepasst worden.

In der Stellungnahme des Kreises ist ferner von „intensiver Betreuung“ der Herde „auch nachts in kurzen Zeitabständen“ die Rede – eine Behauptung, die durch Beobachtungen des ETN und mehrere Zeugen widerlegt werden kann. Zur Untermauerung dieser Aussage werden „eigene Kontrollen“ des Veterinäramtes angeführt. Wie diese Kontrollen in der Praxis und über einen aussagekräftigen Zeitraum bzw. mit kurzen zeitlichen Abständen durchgeführt wurden, wird nicht erläutert. Insgesamt entspricht die Stellungnahme des Kreises in weiten Teilen nicht den Beobachtungen des ETN. Regelmäßig wurden Verstöße angezeigt, die aber immer wieder vom Veterinäramt mit Bemerkungen wie „Es gibt ja schlimmere Tierhaltungen“ kommentiert wurden.

Der ETN steht für „Einsatz für Tiere in Not“. Und deshalb werden wir auch hier nicht locker lassen und uns weiterhin für die Tiere einsetzen.