Projekt HundeDoc – Ein Bericht aus Berlin

Das Berliner Projekt „HundeDoc“ wird von der Stiftung SPI getragen und seit 2005 vom ETN unterstützt. Zu Beginn des Jahres 2000 wurde die Arbeit begonnen und man konzentrierte sich auf die sogenannten „Berliner Brennpunkte“. Damit sind öffentliche Plätze gemeint, an denen es regelmäßig zu Ansammlungen von meist Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit einer Vielzahl von Hunden kam, die auf für ihr Umfeld störende Weise schnorrten und sich die Zeit vertrieben. Die Hunde der Jugendlichen werden in einer mobilen Tierarztpraxis kostenlos behandelt – die vom ETN finanzierte Tierärztin Jeanette Klemmt berichtet:

2010.08 Auto HundeDoc 3 002In den vergangenen 18 Jahren – unfassbar wie lange ich das jetzt schon mache – hat sich vieles verändert, so dass die Herangehensweise angepasst werden musste. Eines bleibt aber immer gleich: Menschen umgeben sich mit Tieren und aus einer Vielzahl von Gründen brauchen sie dabei unsere Hilfe.

Nach wie vor verfolgt dieses deutschlandweit einzigartige Projekt ein sozialpädagogisches Ziel, nur wer sich in Betreuung befindet oder gewillt ist sich in eine solche zu begeben, darf das kostenlose Angebot auf tiermedizinische Grundversorgung in Anspruch nehmen. Es muss sichergestellt sein, dass es sich um Tiere handelt, die im Leben sonst keine Tierarztpraxis von innen zu sehen bekommen. Einfach nur „kein Geld“ zu haben reicht nicht als Eintrittskarte, denn finanzielle Engpässe kennt jeder von uns.

In einer perfekten Welt gäbe es zur Sozialleistung auch noch ein Haustier finanziert dazu, denn wir alle wissen wie wichtig dies für Kinder und ältere oder vereinsamte Menschen sein kann. Wir wissen aber auch, wie unüberlegt und auch manchmal egoistisch die Anschaffung eines oder mehrerer Haustiere erfolgt, und deswegen muss ganz genau hingeschaut werden, ob es sich hier nicht doch um einen Fall für den „normalen“ Tierarzt handelt. Die Gesprächseröffnung „ich beziehe Hartz IV, bin alleinerziehend und habe drei Kinder“ ist nicht immer hilfreich und zielführend. Neben den finanziellen Schwierigkeiten können auch ganz persönliche Belange zur medizinischen Unterversorgung der Tiere führen. Dazu zählen natürlich Suchterkrankungen aber auch psychosoziale Störungen, die zunehmend in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen. Sei es, weil sie häufiger auftreten, oder weil wir es uns hierzulande leisten können ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist allgemein bekannt, dass die finanzielle auch mit sozialer Verarmung einhergeht und dass wir es heute mit ganz anderen neuen Drogen zu tun haben, die neben den klassischen Drogen auch neue psychopathologische Veränderungen nach sich ziehen. Soziale Netzwerke und das mittels Smartphone jederzeit verfügbare Internet mit all seinen Vor- und Nachteilen tun ihr Übriges. Die Menschen verlieren den Überblick in dieser komplexen und gleichzeitig diffusen Welt, wo sie doch eigentlich nur Stabilität und emotionale Sicherheit bei ihrem Tier suchen. Der klassische Trebegänger genauso wie der Punk, die die große Freiheit suchen, gehören natürlich nach wie vor ebenfalls zu meiner Klientel, nur trifft man diese eben im Straßenbild seltener an.

HundeDoc verbindet Sozialarbeit und Tierschutz

2018.01.30 Mollys Welpen IMG 0103 2 copyAuf der Suche nach einem kostenlosen Tierarzt findet man im Internet „HundeDoc“ und alle möglichen Wege der Kontaktaufnahme werden genutzt. In Kooperation mit den Sozialarbeitern - sie sind das Nadelöhr durch das die Leute durch müssen - wird also „sortiert“. Früher haben die Streetworker die entsprechenden Orte aufgesucht und ich bekam die Leute zugeführt, heute findet kaum noch Streetwork statt, da wie schon erwähnt eine Verdrängung aus dem öffentlichen Raum stattgefunden hat, und sich die aufsuchende Straßenarbeit nicht mehr lohnt. Es gibt eine Vielzahl freier sozialer Träger, die sich um diese Klientel kümmern, genauso wie die Sozialdienste der Behörden. Sie alle bemühen sich nach Kräften diese Menschen mit ihren Tieren nicht unversorgt zu lassen.

Nach wie vor beinhaltet das Angebot von HundeDoc die medizinische Grundversorgung, d.h. Allgemeinuntersuchung, Impfungen, antiparasitäre Behandlungen und Prophylaxe, Beratung bzgl. Ernährung, Haltung, Erziehung, Wundversorgung und auch Kastrationen. Wird weiterführende Diagnostik benötigt, wird an die niedergelassenen Kollegen überwiesen, dort muss dann aber auch regulär gezahlt werden. Ich bemühe mich gerade bei den Langzeitpatienten bestmögliche Vorsorge zu betreiben, dazu gehören regelmäßige Kontrollen, Zahngesundheit, Ernährungsberatung, ab einem gewissen Alter auch Laboruntersuchungen. Überhaupt unterhalte ich mich sehr viel mit den Leuten, das klärt nicht nur auf, sondern schafft auch Vertrauen, wäre aber in einer normalen Praxis gar nicht zu leisten. Bei Kastrationen von Hündinnen sind mir Studenten/innen oder meine treue Langzeit-Ehrenamtliche Cata behilflich, alles andere mache ich alleine oder die Besitzer müssen schon mal mit ran.

Ein neues Tierarztmobil muss her

IMG 3429 copy2017 war ein echtes Katastrophenjahr, im Sommer mussten die Türen des Krankenwagens wegen Durchrostung ausgetauscht werden, dabei bekamen wir gleich noch den Kostenvoranschlag für die Radkästen mitgeteilt. Der Wagen ist zwölf Jahre alt und nicht für diesen Langzeitbetrieb gebaut. Im Oktober bin ich mit Motor- und Getriebeschaden auf der Stadtautobahn liegengeblieben, beides war bereits zuvor schon einmal ausgetauscht worden, (die Garantie war natürlich gerade abgelaufen). Aber ein jüngeres vergleichbares Fahrzeug war auf die Schnelle nicht verfügbar, also musste repariert werden. Und nach dieser Zwangspause und einer Woche Arbeit bin ich dann auch noch Opfer eines Trickdiebstahls geworden. Während ich hinten ein Stromkabel verstaute, wurde vorne der Rucksack mit allem, was man so privat und beruflich dabei hat an meinem Hund „Flocke“ vorbei aus dem Auto geholt. Und dann kamen auch noch die Weihnachtsgrußkarten zu spät an…. Aber kein Schatten ohne Licht: Ein ehemaliger Klient, inzwischen selbständiger Veranstaltungstechniker, spendierte HundeDoc ein neues Tablet als Dankeschön nach all den Jahren.

Und deswegen machen wir weiter solange es geht! Hoffentlich bald mit einem neuen Tierarztmobil…

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