Näher betrachtet: Pferdemarkt in Holland

Wir bekommen immer wieder Zuschriften von tierlieben Menschen, die uns auf Missstände hinweisen. In der letzten Zeit kamen immer wieder Fragen bezüglich Pferdemärkten, da viele Tierfreunde besorgt sind um die Pferde während den Märkten und auch um ihr Schicksal danach. Aus diesem Grund recherchierten wir und entschieden uns einen der größten und ältesten Pferdemärkte in Zuidlaren, Niederlande, mal genauer anzusehen.

IMG 6796Es ist noch dunkel, als wir auf dem Pferdemarkt in Zuidlaren eintreffen. Viele Pferde stehen schon dicht an dicht angebunden unter dem grünen Scheinwerferlicht. Die Geräuschkulisse ist enorm, denn direkt neben dem Pferdemarkt ist noch eine große Kirmes und Warenmarkt. Immer mehr Menschen und Pferde kommen auf den Markt, die Pferde haben Angst, versuchen sich loszureißen oder wiehern aufgeregt. Da sie so dicht stehen kommt es auch immer wieder zu Tritten und Bissen unter den Pferden- es herrscht eine beklemmende Atmosphäre.

IMG 2

Gleich zu Beginn fällt uns eine Tinkerstute auf: Ihre Kuppe ist eingefallen, die Knochen und Rippen stehen heraus und die Hufe sind viel zu lang. Mit dem Kopf hängend steht sie da und reagiert kaum. Unter ihrem Hals sucht ihr Fohlen bei ihr Schutz. Was Pepe mit seinen fünf Monaten schon alles erlebt hat kann man nur erahnen. Er und Mama Penny stammen laut den Pässen aus England. Wir können und wollen die Beiden dort nicht ihrem Schicksal überlassen und entscheiden sie mitzunehmen. Doch einfacher gesagt als getan. Die Beiden stehen einfach da, kein Besitzer in Sicht. Der kleine Pepe strangulierte sich fast mit seinem Strick, als er versuchte sich noch mehr bei Mama zu verstecken. Erst nach langem Warten taucht der Besitzer auf und überlässt uns Mama und Sohn.

IMG 6870Doch Zeit uns über die Beiden zu freuen bleibt nicht, direkt fallen einem die nächsten armen Geschöpfe ins Auge. Von riesig groß bis winzig klein, von viel zu dick bis vollkommen abgemagert ist alles dabei. Vor allem die Hufe vieler Pferde sehen schlimm aus, so auch bei Cindy. Doch das ist nicht der Grund warum uns die Grauschimmel-Stute ins Auge fällt. In Mitten des Chaos und um sie aufgebrachte Pferde steht sie da, den Kopf hängend, die Augen halb zu, vollkommen apathisch- Cindy hat sich schon aufgegeben. Von der Größe aktuell weder Pony Noch Pferd, die unauffällige Farbe, die verklettete Mähne und die kaputten Hufe, dazu keine Rasse oder Papiere, Cindy geht in der Menge unter. Auch sie verdient eine Chance und deshalb nehmen wir sie mit.

Gegen Mittag fängt der Markt an sich zu leeren. Privatleute, aber auch viele Schlachter haben ihre Pferde zusammen. Viele Pferde, die wir später bei der Verladung auf die Schlachtanhänger gehen sehen, haben wir zuvor überhaupt nicht auf dem Markt gesehen, wie viele der alten oder ausgemergelten Kaltblüter, die ihren letzten Weg nach Dänemark antreten. Sie scheinen schon vorher unter der Hand weggegangen zu sein.

Wir machen uns mit gemischten Gefühlen und noch fünf weiteren Pferden auf den Heimweg. Alle kamen gut auf Hof Huppenhardt an und lebten sich schnell ein, nur Cindy ist immer noch sehr skeptisch und wird wohl viel Liebe und Zeit brauchen bis sie ihr Leben wieder unbeschwert genießt, wie es sich für eine 2,5-jährige gehört.

Falls Sie Cindy oder Penny ein schönes Zuhause auf Lebzeit geben möchten, dann melden Sie sich gerne uns!