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Brieftaubensport

Ein mörderisches Hobby

Brieftaubensport wird als traditionelles Hobby bezeichnet, in Wirklichkeit ist es eine gewinn- und prestigebringende Tierquälerei. Tierschützer prangern seit Jahren die tierquälerischen Methoden der Züchter, die mörderischen Wettflüge und die Tötungen von Tauben im Rahmen einer „Leistungsselektion” an.

Als Nachrichtenbote benutzt

Eine Taube versucht aus beliebigen Entfernungen in ihren Heimatschlag (nicht zum Menschen!) zurückzufinden. Dieser Heimkehrtrieb und das Heimfindevermögen der Taube wurden schon sehr früh vom Menschen genutzt. Erste schriftliche Überlieferungen von der Taube als Nachrichtenübermittlerin stammen aus Ägypten und datieren auf die Zeit zwischen 2600 und 2500 v. Chr. In Europa war die Nutzung der Taube als Nachrichtenbote bis ins 20. Jahrhundert verbreitet.

Tauben als „Sportgeräte”

Schon die Bezeichnungen „Brieftaube” oder „Reisetaube” sind unzutreffend, weil diese Tauben weder Nachrichten überbringen noch freiwillig auf Reisen gehen, sondern als „Sportgeräte” zu Wettflügen eingesetzt werden. „Brieftaubensport” in Deutschland bedeutet, dass laut des nicht gemeinnützigen Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter 58.000 Züchter in ca. 7.000 Vereinen mehrere Millionen Tauben in Verschlägen halten (2005), um sie von Frühjahr bis Sommer im sogenannten „Kabinenexpress” mehrere hundert Kilometer zu bestimmten „Auflass”orten zu transportieren, von wo aus sie zum Flug in den heimatlichen Schlag genötigt werden. Die Strecken, welche die Tauben bei diesen Wettflügen zurücklegen müssen, sind immer größer geworden – mittlerweile bis zu 1.000 km. Diese Leistungen bringen dem Halter Anerkennung, Auszeichnungen, Pokale, Geld-Preise und beim Verkauf der erfolgreichen Taube zur Zucht einen finanziellen Gewinn. Fünfstellige Beträge sind keine Seltenheit. Die Rechnung aber „bezahlen” die Tauben. Viele bleiben bei diesen Wettflügen „auf der Strecke”, andere werden aufgrund mangelnder Leistung getötet. Die „Verluste” bei Wettflügen können bis zu 30 % betragen. Hunderttausende von Tauben gehen jährlich elendig zugrunde oder stranden in unseren Städten und verbleiben dort.

Leistung durch Selektion

Die Zucht der Tauben erfolgt durch rigorose „Selektion” der Nestlinge und Jungtauben. Selektion heißt Auslese durch Tötung der ungeeigneten, nicht den Leistungsanforderungen entsprechenden Tiere.

Um die Tiere zu Hochleistungen zu bewegen, werden tierquälerische Methoden angewendet, u.a. durch „psychische Motivation”. Grundlage ist Treue der Taubenpaare zueinander bzw. zu ihren Kindern/Nestern.

So werden Taubenpaare voneinander oder die Eltern von ihren Gelegen/Nestern getrennt. Die Tiere mobilisieren nun ihre ganzen Kräfte, um vom weit entfernten „Auflass”ort in den Schlag und zu ihrem Partner bzw. den Taubenkindern zurückzukehren. Die Praktiken der Brieftaubenzüchter stellen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar: § 1 – Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen; § 3 – Verbot, einem Tier Leistungen abzuverlangen, denen es nicht gewachsen ist; § 17 – Verbot, ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund zu töten.

Nicht in der Kritik: Die tierlieben Taubenhalter

Es gilt jedoch zwischen Brieftaubenzüchtern und tierlieben Taubenhaltern zu differenzieren. Es gibt Menschen, die Tauben halten, weil sie die Tiere lieben. Meist nehmen sie sich auch der verletzten Brief- und Stadttauben an und fungieren als „Auffangbecken” für die Tauben, die von den Züchtern nicht mehr gewollt sind. Grundsätzlich betrifft die Kritik die Taubenhalter, die Tauben züchten, sie auf Leistung trimmen und töten.

Wir fordern daher die Offenlegung und behördliche Kontrolle der Vorgänge innerhalb des Brieftaubensports, die Einhaltung des Tierschutzgesetzes und entsprechende Kontrollen. Das unter Strafe stehende Aussetzen von Haustieren muss auch für Brieftauben gelten.

Nicht alle erschöpften Tauben sterben auf den Wettflügen oder werden von Tierschützern aufgenommen. Immer wieder verbleiben Brief- und auch Zuchttauben in den Städten und schließen sich dort den „Stadttaubenpopulationen” an. Tierschützer fordern, dass diese Tieraussetzung von Brieftauben durch Wettflüge und die damit verbundene Zuwanderung in die Städte endlich unterbunden wird. Tierschützer stützen ihre Forderungen auf praktische Erfahrungen vor Ort sowie auf offizielle Stellungnahmen. So erklärt die Landesanstalt für Umweltschutz, Baden-Württemberg, 1995: „Den stärksten Anteil am Zuflug unserer Stadttaubenschwärme haben heute verirrte und erschöpfte Brieftauben. Dies ist alleine schon in der großen Zahl, aber auch der Streuung der verflogenen Tiere begründet.” Die Tierärztliche Hochschule Hannover schreibt 1995 in einer Veröffentlichung: „Diese Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen.”

Züchter machen massiv Front gegen Stadttauben und weisen den Vorwurf, dass sich Brieftauben in den Städten vermehren, vehement zurück. Sie behaupten, dass alle Tauben den Heimatschlag finden. Eine glatte Lüge! Beobachtet man die Stadttaubenschwärme, lassen sich häufig beringte Brieftauben ausmachen. Die zweite Generation der Brieftauben, die sich in der Stadt vermehrt haben, tragen natürlich keine Ringe mehr, aber die unterschiedlichen Farben und Kennzeichnungen der Stadttauben lassen eindeutig auf aus der Zucht stammende Tiere schließen.

Urteil: Brieftaubenhalter muss Kosten für Notbehandlung tragen

Das Amtsgericht Bruchsal hat in seiner Entscheidung 4 C 293/05 vom 3.11.2005 einem Tierschutzverein, der eine erschöpfte, abgemagerte und flugunfähige Brieftaube notfallmäßig von einem Tierarzt behandeln ließ, einen Zahlungsanspruch gegen den Brieftaubenzüchter zugesprochen. Bei dem Tier wurde neben dem schlechten Allgemeinzustand eine akut behandlungsbedürftige Beinfraktur festgestellt, weshalb die Taube sofort operiert werden musste. Der anschließend ausfindig gemachte Halter weigerte sich, die Behandlungs- und Futterkosten für das Tier zu bezahlen. Der Tierschutzverein verklagte den Brieftaubenzüchter daraufhin.

Gemäß Tierschutzgesetz

Der Tierschutzverein stützte seinen Ersatzanspruch darauf, dass die Behandlung und Versorgung auch ohne ausdrücklichen Auftrag dem wirklichen bzw. mutmaßlichen Willen des Beklagten entsprach (§§ 677, 683, 670 BGB). Gemäß § 2 Ziff. 1 Tierschutzgesetz wäre der Brieftaubenzüchter als Tierhalter selbst verpflichtet gewesen, sein Tier zu pflegen, wozu auch eine notwendige medizinische Behandlung gehört. Auch hätte der Brieftaubenzüchter normalerweise die Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit des Tieres als Flugtaube gewünscht und daher die Kosten der notwendigen Behandlung selbst aufgewandt.

Veterinärbehörde einschalten

Das Gericht folgt in der Urteilsbegründung der Auffassung des Tierschutzvereins. Demnach kann der Finder einer Brieftaube nicht davon ausgehen, dass der Eigentümer deren sofortige Tötung wünscht. Er kann die Taube daher tierärztlich versorgen lassen, entstandene Futterkosten sind ihm vom Eigentümer zu erstatten. Zusätzlich entstandene Nachbehandlungskosten wurden dem Tierschutzverein jedoch nicht zugesprochen.

Das Urteil bestätigt, dass Tierschützer, die sich eines verletzt aufgefundenen Tieres annehmen, die Kosten für die notwendige medizinische Behandlung und Versorgung des Tieres vom später ermittelten Tierhalter zurückverlangen können. Gibt es Anzeichen dafür, dass der Zustand des Tieres auf eine tierschutzwidrige Behandlung durch einen Dritten oder den Tierhalter selbst zurückzuführen ist, sollte dies gegenüber dem Tierhalter offen angesprochen und/oder im Falle eindeutiger Hinweise die zuständige Veterinärbehörde eingeschaltet werden.

Was tun, wenn Sie eine verletzte oder erschöpfte Brieftaube finden?

Grundsätzlich sollten verletzte Tiere zum Tierarzt gebracht oder örtlichen Tierschutzgruppen gemeldet werden. Der Tierarzt versorgt „Fundtiere” kostenlos. Grundsätzlich sollten Sie bei einer notwendigen Euthanasie des Tieres auf eine Betäubung bestehen, falls eine direkte Lungeninjektion vom Tierarzt geplant ist. Diese führt zum Erstickungstod und verursacht unnötige Qualen. Erschöpften Tauben hilft man schon, indem man den Tieren Wasser und Körnerfutter (Erbsen, Mais, Darisaat und Gerste) reicht. Wenn Sie des Tieres habhaft werden, sollten Sie es Tierschützern übergeben. Brieftauben haben an ihrem Fuß einen Ring, auf dem eine Nummer auf den Besitzer und die Herkunft verweist. Deutsche Brieftauben müssen zusätzlich mit einer Telefonnummer des Halters gekennzeichnet sein.

Problematisch bleibt die Unterbringung der Tauben, da Züchter die Tiere oft nicht zurücknehmen oder sie den Tieren bei der Zurücknahme den Hals umdrehen. Ein Desaster, da die Aufnahmekapazitäten für Brieftauben im Tierschutz oft ausgelastet sind, man die Tiere aber nicht dem Tod überantworten möchte. Hier kann langfristig nur eine gesetzliche Begrenzung der Zucht Abhilfe schaffen.

Foto: by  www.delpho.de