Der Wolf in Deutschland

Wolf und Mensch: Partner und Konkurenten

Daniel Arnold pixelio.deDaniel Arnold pixelio.deDie gemeinsame Geschichte von Wolf und Mensch war anfangs durchaus positiv geprägt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bereits vor 14.000 bis 16.000 Jahren die ersten Wölfe vom Menschen aufgezogen und als Haustiere gehalten worden sind. Damit nahm die Erfolgsgeschichte des Hundes, des ersten vom Menschen domestizierten Tieres, ihren Lauf. Erst mit Beginn der Viehhaltung änderte sich die Einstellung zum Wolf grundlegend.

Bis ins frühe Mittelalter hielten sich in Mitteleuropa stabile Wolfsbestände. Mit dem Beginn der offenen Viehhaltung und der Waldweide im ausgehenden Mittelalter, bei der das Vieh vollkommen ungeschützt in den Wald getrieben wurde, nahmen die Verluste bei den wertvollen Nutztieren zu. Die Einstellung der Bevölkerung wurde zunehmend von Angst geprägt. Eine organisierte Bekämpfung des Wolfes setzte ein und erreichte im 16. und 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Mit groß angelegten Treibjagden und Prämien, die für getötete Wölfe (besonders für Jungtiere) gezahlt wurden, wurde der Wolfsbestand in weiten Teilen Mitteleuropas stark. Man zielte direkt auf die Ausrottung des Raubtieres. In Krisenzeiten wie dem 30-jährigen Krieg (1618-48) konnte sich der Wolfsbestand zwar zwischenzeitlich wieder erholen. Dennoch war der Wolf bereits um 1750 in weiten Teilen Deutschlands als Standwild verschwunden. Einzelgänger wurden in den darauffolgenden Jahrzehnten erlegt. Der wahrscheinlich letzte deutsche Wolf wurde 1845 bei Trebendorf (Muskauer Heide, Sachsen) zur Strecke gebracht. Seitdem tauchten immer wieder Wölfe, die aus dem Osten zuwanderten besonders in der Oberlausitz auf. Diese Tiere wurden ebenfalls verfolgt und ausnahmslos zur Strecke gebracht.

Auch nach Gründung der DDR, in der der Wolf ganzjährig gejagt werden durfte, wanderten gelegentlich Wölfe aus dem Osten ein. Mindestens 28 wildlebende Wölfe wurden seit 1948 geschossen. Mit Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde der Wolf in gesamt Deutschland unter Schutz gestellt. Zehn Jahre danach kamen im Jahr 2000 die ersten Wolfswelpen zur Welt.

Wenn in einer Kulturlandschaft lebende Wölfe nicht bejagt werden, reagieren sie auf den Anblick von Menschen zwar vorsichtig, aber nicht extrem scheu. Bei einer Begegnung erfolgt oft keine panische Flucht, sondern der Wolf zieht sich meist gelassen und bedacht zurück. Die ausgeprägte Vorsicht und das Misstrauen gegenüber potenziellen Feinden und Gefahren ist eine bewährte Überlebensstrategie des Wolfes. Zu direkten Begegnungen zwischen Mensch und Wolf kommt es daher selten. Meist bemerken Wölfe den Menschen frühzeitig und gehen ihm aus dem Weg. In ihrer Raumnutzung passen sie sich normalerweise an die Aktivität des Menschen an, indem sie die Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen sind, nur in der Nacht frequentieren. Im Schutze der Dunkelheit laufen sie auch unmittelbar an bewohnten Häusern vorbei, so wie man es auch von Rehen und Füchsen kennt.


Sind Wölfe eine Gefahr für Menschen?

Der Mensch zählt bekanntermaßen nicht zur natürlichen Beute von Wölfen, doch viele Menschen befürchten, dass sich das ändern könnte, wenn Wölfe sehr ausgehungert sind und keine natürlichen Beutetiere mehr finden. Diese Befürchtung ist unbegründet, denn wildlebende Wölfe sind oft sehr hungrig, ohne dass es zu Übergriffen auf Menschen kommt. Der Wolf wird im Welpenalter durch die Elterntiere, die das Futter für die Jungen herantragen, auf sein Beutespektrum geprägt, der Mensch zählt nicht dazu.

Zur realistischen Einschätzung des Gefährdungspotenzials, das von Wölfen gegenüber Menschen ausgeht, wurde im Jahr 2002 im Auftrag des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) eine Studie erstellt, in die umfassende Literatur und das Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten eingeflossen sind (The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans).

Das Resümee der NINA-Studie lautet:

  • Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen. 
  • Das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering.
  • Angriffe von Wölfen auf Menschen sind grundsätzlich ungewöhnlich und treten nicht spontan auf.
  • In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe auf Tollwut oder Habituierung (Gewöhnung) zurückzuführen.

Im Folgenden sind noch einmal die Ursachen aufgeführt, die unter Umständen zu einem Angriff eines Wolfes führen können:

1. Tollwut

In den letzten 50 Jahren sind in Europa 5 Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen durch tollwütige Wölfe bekannt geworden. Diese Seuche spielt heute bei uns keine Rolle mehr, da Deutschland seit 2008 tollwutfrei ist.

Die Situation wird in Deutschland und seinen Nachbarländern ständig beobachtet. Bei einem eventuellen erneuten Auftreten der Krankheit werden entsprechende Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung ergriffen, wie die orale Immunisierung des Fuchses als Hauptüberträger mittels Impfköder.

2. Habituierung

Wölfe, die über einen längeren Zeitraum an Menschen gewöhnt wurden, zum Beispiel durch Anfüttern, können aufdringliches und dreistes Verhalten entwickeln, was für den Menschen gefährlich werden kann. Das Füttern von wildlebenden Wölfen ist deswegen unbedingt zu vermeiden, da eine Gewöhnung des Wolfs an den Menschen zur Gefahr für beide Seiten werden kann.

3. Provokation

Wölfe gehen dem Menschen normalerweise aus dem Weg. Fühlen sie sich durch aufdringliches Verhalten von Menschen provoziert oder in die Enge getrieben, kann unter Umständen eine gefährliche Situation entstehen. Indem man bei einer Begegnung mit einem Wolf respektvollen Abstand hält und ihn nicht zum Beispiel mit der Kamera verfolgt, kann man die Gefahr einer ungewollten Provokation vermeiden.

Gelegentlich werden Wölfe in der Nähe, selten direkt in Ortschaften gesehen. Dort können sie auch Nutztiere reißen, besonders wenn diese unzureichend geschützt sind. Unerfahrene Jungwölfe sind manchmal weniger scheu, eher neugierig-naiv, zu einem aggressiven Verhalten gegenüber dem Menschen kam es aber noch nie.

Herdenschutz vor dem Wolf

In den Mittelasiatischen Ländern wie Kirgisien oder in den europäischen Karpaten leben die Viehzüchter eng mit dem Wolf zusammen. In den rumänischen Karpaten konnten Mitarbeiter des Vereins selbst miterleben, wie Bauern ihre Felder bestellten, nur 200 Meter entfernt von der Höhle eines Wolfrudels samt Nachwuchs. Durch intensive Aufklärungsarbeitdurch den deutschen Biologen Christoph Promberger, unterstützt durch die TUI München, konnte der Schutz der Nutztiere vor Ort und damit das Zusammenleben der Bevölkerung mit den Wölfen noch verbessert werden. Die Maßnahmen bestanden vor allem in der Errichtung entsprechender Schutzgatter und dem Einsatz von Herdenschutzhunden.

In Kirgisien sind die dort lebenden Hirten in den Bergen stark auf sich gestellt, wenn es um den Schutz der Herden geht. Sie hielten sich früher große Herdenschutzhunde um sie dort, die jedoch die klugen Wölfe immer wieder in den Wald verfolgten und so selbst regelmäßig zum Opfer wurden. Seit Jahren halten die Viehzüchter in den Bergen kleinere Hunde, die zwar anschlagen wenn Gefahr durch den Wolf droht, die Wölfe jedoch nicht eigenständig verfolgen. Wenn der Viehhalter unmittelbar bei seiner Herde wohnt, kann er den selbst Wolf vertreiben, da dieser Angst vor dem Menschen hat. Dabei kommt es immer wieder vor, dass die Wölfe die Viehalter bewusst von der Herde weg locken. In Abwesenheit des Menschen kann ein anderer Teil des Rudels ungestört Beute in der schutzlose zurückgebliebenen Herde machen. Die Viehhalter machen ihrerseits mit Fangeisen und Schusswaffen Jagd auf die Wölfe und auch der Jagdtourismus fordert seine Opfer.

Elektrozäune mit einer Höhe von mindestens 90 cm, entweder als Weidezaunnetz oder Litzenzaun mit mindestens 5 Litzen, bieten eine guten Schutz gegen Wölfe. Alternativ können nach den bisherigen Erfahrungen auch mindestens 120 cm hohe feste Koppeln, z.B. aus Maschendraht oder Knotengeflecht, mit einem festen Bodenabschluss (Spanndraht) eingesetzt werden. Dabei ist ein Unterwühlschutz aus Knotengeflecht oder einer Drahtlitze zu empfehlen. Bei der ersten Variante wird das ca. 100 cm breite Knotengeflecht außen vor der festen Koppel flach ausgelegt, mit Bindedraht am bereits bestehenden Zaun verbunden und mit Erdankern am Boden fixiert. Bei der zweiten Variante wird eine stromführende Drahtlitze (mind. 2500 V) mittels Isolatoren 20 cm über dem Boden am Zaun befestigt.

Vergrämung

In Einzelfällen kommt es vor, dass ein Wolf seine natürliche Scheu vor dem Menschen verliert. Streift ein Wolf regelmäßig in der Nähe von oder sogar in Wohnsiedlungen umher und lässt er sich auch nicht mehr einfach vertreiben, so kommt eine Vergrämung des Tieres in Frage. Dieser Vorgang kann und darf nur von erfahrenen Fachleuten durchgeführt werden, die auch eine Erlaubnis zum Gebrauch von Waffen haben, um sich im Notfall gegen einen Angriff verteidigen zu können (auch wenn dieses Szenario äußerst unwahrscheinlich ist). Beim Vergrämen kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, die dem Wolf signalisieren sollen: die Nähe zum Menschen ist für mich gefährlich. Auf diese Art soll der Wolf wieder lernen, den Menschen zu meiden, um beide Seiten zu schützen. Auch der Abschuss des Wolfs ist als Möglichkeit vorgesehen, kann aber nur eine Notlösung in absoluten Ausnahmefällen darstellen.

Werner Freund

Der Wolfs- und Verhaltensforscher Werner Freund aus Merzig hat jahrelang gezeigt, dass ein enges Zusammenleben mit Wölfen möglich ist. Selbstverständlich ist eine Gatterhaltung von Wölfen anders zu bewerten als ein Leben in der freien Natur. Hunger und Krankheit prägen das Leben der wilden Wölfe, und das was viele Menschen beim Wolf als grausam empfinden mögen, ist für die Tiere schlecht überlebensnotwendig. Wölfe sind nicht bewusst grausam oder berechnend, dies sind allein menschliche Eigenschaften.

Werner Freund studierte das Verhalten der Wölfe im Rudel, wobei viele der beobachteten Verhaltensmuster auf Wölfe in freier Natur übertragen werden konnten. Unfälle oder Übergriffe von Wölfen auf ihn sind nicht bekannt, wenn auch das Begrüßungszeremoniell der Wölfe ihm gegenüber gelegentlich äußerst grob verlief.

Einen spannenden Film zum nachbarschaftlichen Umgang zwischen Wölfen und Menschen in Rumänien, wo der Wolf seit langem ganz nah an den Menschen lebt, hat der Südwestdeutsche Rundfunk produziert. Die halbstündige Dokumentation kann man sich auf der Website ansehen oder herunterladen. https://www.planet-schule.de/sf/php/sendungen.php?sendung=2959

 



 

 

 

 

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