Pelztierhaltung - Ein grausames Geschäft

Pelzmantel_claudmey/sxc.huBild: claudmey/sxc.huPelz kommt wieder in Mode, und das nicht nur in Form von Pelzmänteln. Durch Echtpelzbesatz an Jacken und Schuhen, Pelzbommel an Strickmützen oder als modisches I-Tüpfelchen an Hand- oder Handytaschen ist der Pelz mittlerweile alltagstauglich und allgegenwärtig geworden. Etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes der Pelzindustrie wird in Europa mittlerweile mit Pelzbesätzen als modische Zutat gemacht.

Das Perfide daran ist: Zum Teil wird dem Käufer gar nicht bewusst, dass es sich bei dem modischen Accessoire um echten Pelz handelt. So hört man oft die Rechtfertigung „Was so günstig ist, kann nie und nimmer echter Pelz sein.“ Es kann! Und das nicht nur dann, wenn das Pelzaccessoire von Hunden oder Katzen aus Asien stammt. Preislich unterscheiden sich Modestücke mit Pelzanhängseln oft nicht von normaler Kleidung, wodurch der Pelz einer breiten Masse zugänglich wird. Die Pelzlobby will so eine Akzeptanz von Pelzartikeln in der Bevölkerung schaffen, was ihr auch gelingt, schenkt man den Verkaufszahlen Glauben. Während die Pelzindustrie vor zwanzig Jahren noch auf einem Absatztief angelangt war, verzeichneten die Händler allein in den Jahren 2001 bis 2011 einen Produktionszuwachs von 42%. Das entspricht 31,5 Millionen getöteten Tieren mehr im Jahr!


Ein Leben hinter Gittern

Silberfuchs_Christian Koezle/pixelio.deBild: Christian Koezle/pixelio.deIn Pelztierfarmen werden hochsensible Tiere wie Füchse, Nerze, Marderhunde, Chinchillas und Iltisse, allesamt mit komplexem Sozialverhalten, in winzigen Drahtgitterkäfigen gehalten. Nerze sind in freier Natur außerhalb der Paarungszeit normalerweise Einzelgänger. In Pelztierfarmen hingegen haben sie ihre Artgenossen ständig vor Augen und können sich in ihren extrem beengten Käfigen kaum zurückziehen. Dadurch entwickeln sie Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung, Kannibalismus oder stereotypes Laufen im Kreis. Auch bei Füchsen, die ebenfalls über ein sehr komplexes Sozialverhalten verfügen und meist in Familienverbänden leben, zeigen sich solche Störungen, da sie durch die Haltung in engen Käfigen zu einem völlig artfremden Verhalten gezwungen werden. Die Gitterkäfige, die meist aneinandergereiht in offenen Schuppen untergebracht sind, bieten den Tieren kaum Schutz vor Witterungseinflüssen. Im Sommer ist die Hitze für die Tiere nahezu unerträglich; vor allem Nerze würden sich dann eigentlich ins Wasser zurückziehen. So sterben in Pelzfarmen ungefähr zehn Prozent der Nerze an Überhitzung. Im Winter drohen zudem Erfrierungen.

Häufig hört man von Pelzträgern das Argument, den Tieren könne es auf den Pelzfarmen nicht so schlecht gehen, da das Fell ansonsten nicht so schön wäre. Dies ist ein fataler Irrtum. Den Tieren wird in den Farmen ein speziell auf das Fell abgestimmter Futterbrei auf die Käfige gegeben, den sie dann durch die Gitterstäbe ablecken müssen. Somit wird das Fell gezielt gefördert, das Tier leidet aber ansonsten an Mangelerscheinungen, da der Brei nicht der natürlichen Nahrungszusammensetzung entspricht. Am Ende ihres qualvollen Lebens, das zusätzlich von Parasitenbefall und epidemieartigen Infektionen geprägt ist, werden die Pelztiere durch Gift, Vergasung und Stromstöße getötet.


Hunde- und Katzenfelle

Pelz_anitasweb/sxc.huBild: anitasweb/sxc.huVor allem in Asien werden schätzungsweise 2 Millionen Hunde und Katzen zur Pelzgewinnung gehalten. Für die Herstellung von nur einem Mantel werden ca. zehn bis zwölf Hunde und 25 Katzen ermordet. Aufgrund der Proteste von Tierschützern trat ab 2009 EU-weit ein Import- und Handelsverbot für Haustierfelle in Kraft. Allerdings gibt es weder eine Kontroll- noch eine Kennzeichnungspflicht und so werden Pelze im Laufe des Handelsweges oft umetikettiert. Bislang werden sie entweder als synthetisch ausgegeben, einfach als „Echtpelz” deklariert oder unter Pseudobezeichnungen eingeführt. So verbirgt sich hinter Begriffen wie Asiatischer Waschbär, Corsak-Fuchs und Gaewolf der Hund und hinter Begriffen wie Lipi und Genotte die Katze.

Hunde und Katzen, aber natürlich auch Wildtiere leiden auf asiatischen Farmen schier unbeschreibliche Qualen. Sie haben keinerlei Schutz vor Hitze und Kälte, werden von Krankheiten, Hunger und Enge gequält, Muttertiere fressen ihre Jungen. Wenn der Pelz „reif“ ist, werden die Tiere aus ihren Käfigen geschleift und mit Eisenstangen malträtiert, um sie zu töten. Doch viele Tiere sterben nicht, sondern werden bei vollem Bewusstsein gehäutet. Augenzeugen berichteten, dass die Tiere sich - selbst nachdem sie gehäutet wurden - noch bewegten und sie bei vollem Bewusstsein anstarrten.


Was tut der Gesetzgeber in Deutschland?

Zwar gibt es in Deutschland seit 2006 eine neue Haltungsverordnung zur Haltung von Pelztieren, diese entspricht aber nicht im Mindesten den Bedingungen, die ein halbwegs artgerechtes Gehege bieten müsste. Für Nerze ist beispielsweise eine Grundfläche von mindestens drei Quadratmetern beziehungsweise einem Quadratmeter pro Tier vorgeschrieben. Zum Vergleich: In Freiheit bewohnen Nerze ein Revier von acht bis zwanzig Hektar! Bei Chinchillas, Füchsen und Marderhunden verhält es sich ähnlich. Zwar sind mittlerweile auch Nestkästen zur Aufzucht der Jungen und - je nach Tierart - Schwimmbecken und planbefestigte Böden vorgeschrieben, allerdings kann auch dies längst keine Haltung gewährleisten, in der die Tiere ihrem natürlichen Verhalten nachgehen können. Zudem gilt teilweise noch eine Übergangsfrist für die Umstellung bis 2016; die Pelztierfarmen in Deutschland haben die Verordnung also noch längst nicht umgesetzt. Einen positiven Nebeneffekt hat die neue Haltungsverordnung aber: Ein Großteil der Farmen hat den Betrieb bereits jetzt eingestellt, da sich die Umstellung auf die neue Tierhaltung nicht rentiert. Nur eine Handvoll Betreiber (nach derzeitigem Informationsstand sind es acht Betriebe) existieren in Deutschland noch und einige versuchen bisher noch auf gerichtlichem Wege, die Umstellung zu verschleppen. Die beiden größten Farmen mit ca. 40.000 und 35.000 Nerzen in Mecklenburg-Vorpommern werden Ende 2017 geschlossen.
Im Sommer 2015 wurde außerdem ein Gesetzentwurf vorgelegt, der die Pelztierhaltung in Deutschland vollständig verbieten soll. Leider beträgt die Übergangsfrist auch hier 10 Jahre - also weitere 10 Jahre unnötiges Leid für die Tiere auf den verbliebenen deutschen Pelzfarmen.

Doch leider ist den Tieren, deren Pelz aus Asien importiert wird, mit dieser deutschen Gesetzgebung  nicht geholfen. Immerhin die Hälfte aller Pelze in Europa und den USA stammen aus dem asiatischen Raum, das EU-Importverbot beschränkt sich momentan auf Haustierfelle. Pelze von Nerz und Co. dürfen auch weiterhin importiert werden.

Wie man es dreht und wendet: In jedem Pelz – ob als Pelzkragen, an der Handtasche, aus Europa oder Asien - steckt Tierquälerei und Grausamkeit.

 

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