Vorsicht: Krötenwanderung

Autofahrer bitte Rücksicht nehmen!

Krötenzaun2015-20Alljährlich mit den ersten frühlingshaften Temperaturen begeben sich unsere heimischen Kröten und Frösche auf die Wanderung von den Winterquartieren zu ihren Laichgewässern, wo sie ihre Eier ablegen. Diese Wanderung beginnt meist bei Temperaturen ab 5 bis 6°C und bei feuchtem Wetter.

Je nach Wetterlage ist daher von März bis Mai dringend Vorsicht geboten. Die genetisch festgeschriebene Wanderschaft der Amphibien, welche die Tiere immer wieder zu den Laichgewässern ziehen lässt, in denen sie selbst die Metamorphose durchlebt haben, ist ein äußerst gefährliches Unterfangen. Die Tiere müssen auf dem Weg zu ihren Laichgewässern häufig Straßen überqueren, auf denen der Autoverkehr für viele von ihnen jedes Jahr zur Todesfalle wird. Da die Amphibien nur bei Regenwetter und in Zeiten der Dämmerung beziehungsweise Dunkelheit am Abend und in der Nacht auf Wanderschaft gehen, werden sie noch leichter Opfer von Autos.

Bei Gefahr erstarren die Tiere und nehmen eine Schreckstellung ein, was das herannahende Auto aber wohl kaum beeindruckt. Die Wanderung über die Straße verläuft langsam, da Erdkröten nicht hüpfen sondern kriechen. Daher ein Appell an alle Autofahrer, in dieser Zeit besonders Rücksicht zu nehmen. Wenn Schilder mit dem Warnhinweis “Krötenwanderung” auftauchen, bitte Fuß vom Gaspedal nehmen und die Geschwindigkeit reduzieren. Manchmal bietet sich auch die Möglichkeit, solche Straßen ganz zu meiden; für die Kröten mit Sicherheit der beste Schutz, denn wie gesagt, sie wandern in der Dämmerung und bei feuchtem Wetter, für Autofahrer eine Zeit, in der die Sichtverhältnisse besonders schlecht sind.

Doppelte Vorsicht ist geboten, denn nicht selten sind auch Naturschützer bereits in frühen Morgenstunden unterwegs, um Tiere einzusammeln, die des Nachts von einem Schutzzaun abgefangen  wurden und jetzt sicher auf die andere Straßenseite gebracht werden müssen. Seit vielen Jahren bemühen sich Tier- und Naturschützer, die Amphibien auf ihren Wanderungen vor dem tödlichen Autoverkehr zu schützen. An bekannten Wanderrouten werden daher Schutzzäune errichtet, so dass die Tiere “gezwungen sind”, in einem kleinen Graben auf die helfenden Hände der Tierfreunde zu warten, die sie dann unbeschadet auf die andere Straßenseite transportieren. An manchen Straßen konnten auch Tunnelsysteme errichtet werden, durch die die Kröten unterirdisch und unbeschadet ihre Wanderung fortsetzen können. Solche Aktionen werden jedes Frühjahr von Naturschutzverbänden und ehrenamtlichen Helfern organisiert und durchgeführt. In den meisten Städten gibt es Ortsgruppen, die sich über Hilfe von Tierfreunden mit Sicherheit sehr freuen würden. Hinweisschilder warnen Autofahrer vor den wandernden Kröten - hier bitte langsam und vorsichtig fahren und auf die Tiere Rücksicht nehmen.

Schutzzäune sind eine gute Maßnahme, um die Kröten am nächtlichen Überqueren der gefährlichen Straßen zu hindern. In den Morgen- und Abendstunden sind dann die Helfer im Einsatz, um die Kröten sicher über die Straße zu transportieren.

Wie so ein Schutzzaun gebaut wird, sehen Sie in der Fotostrecke - Schritt für Schritt

In dieser Fotostrecke sehen Sie Schritt für Schritt, wie so ein Krötenzaun aufgebaut und genutzt wird. Den hier gezeigten Zaun haben Mitarbeiter des ETN gemeinsam mit dem örtlichen BUND und anderen Freiwilligen in der Nähe von Much aufgebaut. Jeden Morgen und jeden Abend werden die Eimer kontrolliert und wandernde Frösche und Kröten über die Straße getragen. Auf sicherem Gelände in der Nähe des Zielteichs werden die Tiere dann freigelassen, auf dass sie für reichlich Nachwuchs sorgen!

Und so ging der Aufbau vonstatten:

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Als erstes wird ein kleiner Graben gezogen und daneben die Eimer eingegraben. Die Frösche und Kröten wandern auf der Suche nach einem Übergang am Zaun entlang und fallen dabei in die Eimer, so dass man sie leicht einsammeln und sicher weiter transportieren kann.

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Die Eimer haben keinen Boden, damit sie bei Regen nicht voll Wasser laufen. Die hineingefallenen Frösche und Kröten würden ertrinken! Stattdessen sind sie weich mit Laub und Moos gepolstert, damit beim Sturz in den Eimer keine Verletzungen entstehen und die Tiere die Möglichkeit haben, sich zu verstecken. Alle Eimer sind mit einer "Treppe" ausgestattet, über die andere Tiere wie zum Beispiel Mäuse hinausklettern können, sollten sie in einen der Eimer geraten.

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Neben dem Graben wird zunächst eine lange Plane ausgerollt. Das ist der eigentliche Zaun - für Frösche und Kröten ein unüberwindliches Hindernis. Unsere Plane ist ca. 90 Meter lang und aus sehr stabilem, reisfestem Kunststoffgewebe.

 
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Der Zaun wird mit langen Heringen befestigt, die unten durch die Plane getrieben werden. Das verkürzt zwar die Lebensdauer der Plane auf nur ein paar Jahre, ist aber die sicherste Methode, den Zaun unüberwindlich (und damit sicher für die Tiere) zu machen. Mit einem Hammer wird jeder Hering in die Erde geschlagen.

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Der untere Rand der Plane wird einmal nach innen gefaltet und dann mit Erde bedeckt, damit die Tiere nicht darunter her krabbeln können.

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Die Erde wird mit dem Spaten oder von Hand festgeklopft. Wir arbeiten hier sehr gründlich, um keine Lücken entstehen zu lassen, die für die Frösche und Kröten lebensgefährlich sein können.

 
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Etwa die Hälfte des Zauns steht bereits. Es wird fleißig gearbeitet.

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Die Erfahrung zeigt: besser doppelt kontrollieren.

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Und alle helfen mit!

 
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Unsere Werkzeuge: langer Heringe, Spaten, Hacken und (hier nicht mit im Bild) ein Hammer. Unser Hänger dient als Verkehrshindernis. Die Autos fahren so langsamer an uns arbeitender Bevölkerung vorbei.

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Durch die metallenen Ösen am oberen Rand der Plane wird eine stabile Schnur gefädelt, einmal um jeden Hering gewickelt und stramm gespannt, sobald der ganze Zaun steht. Das sorgt für Stabilität, denn auf der Landstraße fahren die Autos in der Regel mit mindestens 70 km/h. Dabei entsteht kräftiger Fahrtwind, der ganz ordentlich am Zaun zerren kann.

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Am Ende des Zauns muss alles besonders gründlich festgezurrt werden. Es sollte Spannung auf Schnur und Plane sein, damit der Zaun stabil steht und die Schnur nicht von den Heringen rutschen kann.

 
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Et voilá: Der Zaun steht und hält dem Fahrtwind stand.

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So sieht das Ganze aus der Froschperspektive aus.

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Wirksamer Schutz vor Motorrädern, Autos, LKW.

 
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Tierschutz in der Praxis: Eine kleine Kröte ist auf ihrer Wanderung in Richtung des Gewässers, in dem sie einst geschlüpft ist, in einen unserer Eimer gefallen.

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Das Tier wird eingesammelt und zum Transport in einen Eimer gesetzt. Die Wände sollten hoch genug sein, damit die Kröte oder der Frosch nicht hinaus springen können.

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Auf der anderen Seite der Straße ist das Ziel schon ganz nah: eine kleine, halb verwilderte Teichanlage im Wahnbachtal.

 
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Das Gefühl auf der Hand ist etwas ganz besonderes: zart, kühl und lebendig.

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Ab hier geht es wieder zu Fuß weiter.

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Geschafft: Das Laichgewässer direkt vor der Froschnase. Und bald geht es den ganzen Weg wieder zurück....

 

Sehen Sie die eingebettete Bilder Galerie online bei:
http://etnev.de/tierschutz/wildtiere/kroetenwanderung#sigProId716f78dfce

 

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