Das traurige Leben eines Mastkaninchens

Mastkaninchen waren bis vor einigen Jahrzehnten vor allem bei Privatleuten zu finden, welche die Tiere für den Eigenbedarf oder für den Verkauf an Verwandte und Bekannte züchteten und mästeten. Dabei war die Haltung der Tiere meist nicht gerade artgerecht; Stallkaninchen wurden und werden noch heute oft in kleinen Holzställen ohne nennenswerten Auslauf gehalten, in denen sie ihre natürlichen Verhaltensweisen kaum ausleben können. Somit stellt schon die Kaninchenmast bei Privathaltern ein grundlegendes und nicht zu unterschätzendes Tierschutzproblem dar, denn mehr als 67 % des in Deutschland konsumierten Kaninchenfleischs stammen von privaten Züchtern, und es ist zu erwarten, dass nur ein Bruchteil dieser Tiere artgerecht mit genügend Auslauf und gesunder Ernährung gehalten wurde. Doch seit die Nachfrage nach Kaninchenfleisch steigt, ist mit der industriellen Kaninchenmast ein weiteres Problem hinzugekommen.


Leben in Drahtkäfigen

Seit den 1960er Jahren bis Beginn der Jahrtausendwende hat sich die Produktion von Kaninchenfleisch in Deutschland verdoppelt, und im Jahr 2011 wurden in Deutschland Schätzungen zufolge etwa 14 Millionen Mastkaninchen gehalten. Dies entspricht ungefähr 15 % des gesamten in Deutschland konsumierten Kaninchenfleischs, Tendenz steigend. Gibt es für Privathalter keine Vorschriften zur Haltung von Kaninchen, so existieren diese für industrielle Mastanlagen schon gar nicht. Zwar wurde im August 2014 die Nutztierhaltungsverordnung um einen Abschnitt zur Haltung von Kaninchen ergänzt, doch sind die Verbesserungen marginal. Die konventionelle Haltung von Mastkaninchen gleicht heute nach wie vor einer Legebatterie; die Kaninchen werden in fensterlosen Räumen in Gruppen von bis zu acht Tieren in mehrstöckigen Drahtkäfigen gehalten.

Hauskaninchen_Rainer Sturm/pixelio.deDieser Mümmelmann hat Glück. Wenn er ein Mastkaninchen wäre, könnte er von Gras nur träumen... (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)Kaninchen sind sehr bewegungsfreudige Tiere, doch in den Käfigen mit einer Höhe von 30 bis 40 cm können sie sich nicht einmal aufrichtigen, geschweige denn laufen. Ein Verkümmern des gesamten Bewegungsapparates und Verkrümmungen der Wirbelsäule sind die Folge, und durch das ständige Sitzen auf nacktem Gitter ohne Einstreu erleiden die Tiere schmerzhafte Verletzungen an den Läufen. Obwohl Kaninchen Fluchttiere sind und sich normalerweise bei der kleinsten Bedrohung zurückziehen, haben die Käfige keinerlei Strukturierung oder Versteckmöglichkeit. Stattdessen sind sie von allen Seiten einsehbar und versetzen die Tiere so in permanenten Stress. Auch vor Artgenossen, die den Käfig mit ihnen teilen, können sich die Kaninchen nicht zurückziehen, was zu einem übersteigerten aggressiven Verhalten und zu schweren Verletzungen führen kann. Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung oder stereotypes Im-Kreis-Laufen sind außerdem in Kaninchenmastanlagen an der Tagesordnung.

Für die Mast werden – wie auch bei anderen Nutztieren üblich – spezielle Hochleistungshybride eingesetzt, die sehr schnell wachsen und große Fleischpartien ausbilden. Dazu wird ihnen Mastfutter in Form von Pellets gefüttert, struktur- und rohfaserreiches Futter (wie beispielsweise Heu) gibt es nicht. Dadurch erreichen die Tiere bei der Intensivmast schon nach 90 Tagen ein vollkommen unnatürliches Schlachtgewicht von 3 kg, was schwere gesundheitliche Folgen für den gesamten Organismus nach sich zieht. Das interessiert in den Mastanlagen freilich niemanden, denn das Schicksal der Tiere ist ohnehin besiegelt und Verlust ist einkalkuliert. Im Durchschnitt sterben 7 % der Kaninchen bereits vor Ende der Mast, doch nichtsdestotrotz lohnt sich das Geschäft für die Betreiber der Mastanlagen, denn Verlust ist einkalkuliert.


Verordnung und Handelsverbot

Gemeinsam mit vielen anderen Tierschutzorganisationen fordert der ETN daher ein Verbot der Käfighaltung. Sollte das Ziel tatsächlich erreicht werden, wird es letztlich auf die Inhalte der Verordnung ankommen. Denn wie der traurige Fall der Legehennen zeigt, die noch immer ihr Dasein in engen Käfigen fristen, werden immer wieder Mittel und Wege gefunden, wirtschaftlichen Interessen den Vorrang vor dem Schutz der Tiere einzuräumen. Da nur 15 % des konsumierten Kaninchenfleisches aus Deutschland stammt, eine Verordnung auf nationaler Ebene allerdings nur in Deutschland greifen würde, ist ein Import- und Handelsverbot von Kaninchenfleisch aus Käfighaltung ebenfalls Gegenstand der Forderung. Denn eine auf Deutschland beschränkte Verordnung hilft den Mastkaninchen im Ausland nicht. Ein Großteil des in Deutschland konsumierten Kaninchenfleisches wird aus Ländern wie Frankreich, Ungarn, Italien, China, Polen, den Niederlanden und Tschechien importiert.


Helfen Sie mit!

Neben unseren Bemühungen, auf politischem Weg eine Verbesserung der Haltungsbedingungen zu erreichen, bleibt die wirksamste „Waffe” im Kampf gegen das Leid der Mastkaninchen jedoch die Macht der Verbraucher. Wir als Konsumenten sind es, die am Ende darüber entscheiden, ob Kaninchen weiter unter diesen unwürdigen Bedingungen existieren müssen oder nicht. Erst wenn die Produkte in den Regalen der Supermärkte liegen bleiben, wird auch die grausame Kaninchenmast ein Ende finden. Achten Sie beim Kauf von Fleisch auf Produkte aus artgerechter Haltung!

 

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