Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration und Alternativmethoden

panthermedia.net budabarBild: panthermedia.net/budabarAb dem 01.01.2019 wird endlich ein großer Missstand im Tierschutz in der Landwirtschaft behoben und die betäubungslose Ferkelkastration verboten. Jahrzehntelang war dies gängige Praxis in Schweinezuchtbetrieben, da das Tierschutzgesetz zwar Eingriffe am Tier ohne Betäubung generell verbietet, bei der Kastration von Ferkeln unter acht Tagen aber eine Ausnahme macht. Diese Ausnahmeregelung wird zum Jahresbeginn 2019 nun gestrichen, fortan dürfen alle Ferkel nur noch unter Betäubung kastriert werden.

Mit der Geschlechtsreife entwickeln viele Eber einen typischen Geruch, der für die meisten Verbraucher unangenehm wirkt. Hauptsächlich entsteht dieser Ebergeruch durch die Substanzen Androstenon, ein Sexuallockstoff, und Skatol, ein Abbauprodukt bei der Verdauung. Androstenon wird in den Hoden gebildet, tritt also nur bei unkastrierten Ebern auf, wohingegen Skatol im Darm entsteht und von allen Schweinen gebildet wird. Bei Ebern lagert es sich allerdings vermehrt im Gewebe ein.

Um die Bildung von Ebergeruch durch diese beiden Stoffe zu verhindern, werden Ferkel kastriert. Eine Betäubung erfolgte dabei bisher in den meisten Betrieben nicht, da das Tierschutzgesetz dies nicht vorschrieb und eine betäubungslose Kastration kostengünstig vom Landwirt erledigt werden konnte. Die Qualen, die dieser Eingriff für das Tier bedeutet, wurden in Kauf genommen.

Alternativen zur betäubungslosen Kastration

Die betäubungslose Kastration wurde bisher angewendet, weil sie billig und einfach war, aber sie ist beileibe nicht der einzige Weg Ebergeruch zu verhindern. Die Kastration mit Narkose, die Impfung gegen Ebergeruch und die Ebermast sind mögliche Alternativen, allerdings sind nicht alle Methoden wirklich tiergerecht.

Eine chirurgische Kastration kann mit Injektions- oder Inhalationsnarkose erfolgen. Letztere wirkt über das Betäubungsgas Isofluran, das die Ferkel über eine Maske einatmen. Die Narkose kann dadurch sehr gut gesteuert werden, so dass die Ferkel schnell wieder aufwachen. Zwar nutzen Betriebe des Neuland-Siegels diese Methode schon länger, Studien haben aber gezeigt, dass der Narkoseerfolg hier stark von der Größe des Ferkels abhängt. Durchschnittlich wurden deshalb nur 80 Prozent der Tiere richtig betäubt. Ein Fünftel aller kastrierten Ferkel erlebt den Kastrationsschmerz also immer noch bewusst mit – ein Umstand, der aus Tierschutzsicht nicht hinzunehmen ist. Grundsätzlich ist die Inhalationsnarkose also eine gute Alternativmethode, es besteht aber noch Verbesserungsbedarf.

Bei der Injektionsnarkose werden den Ferkeln die Betäubungsmittel gespritzt, wodurch sich die Aufwachzeit sehr verlängert und die Tiere einem hohen Narkoserisiko ausgesetzt werden. Unterkühlung kann eine lebensbedrohliche Folge sein. Für die routinemäßige Anwendung bei Ferkeln ist eine solche Narkose also aus Tierschutzsicht nicht geeignet.

Eine vielversprechende, aber bisher wenig akzeptierte Alternative zur blutigen Kastration ist die Immunokastration, auch „Impfung gegen Ebergeruch“ genannt. Hierbei wird den Ebern ein synthetisch hergestellter Botenstoff injiziert, der die Bildung von Antikörpern im Körper auslöst, ähnlich wie bei einer Impfung. Diese Antikörper verhindern in den Hoden des Ebers die Bildung des geruchsverursachenden Androstenon und sorgen auch für einen besseren Abbau des Stoffs Skatol. Da bei dieser Methode ein chirurgischer Eingriff entfällt und somit der Stress für die Tiere wesentlich geringer ist als bei einer Kastration, ist die Immunokastration aus Sicht des Tierschutzes eine vielversprechende Alternative.

Auch unkastrierte, nicht geimpfte Eber können gemästet werden. Einige Kleinbetriebe praktizieren dies schon. In der Ebermast kann sich bei Einzeltieren der typische Ebergeruch entwickeln, auch eine angepasste Fütterung und artgerechte Haltung können dies nicht immer verhindern. Um „stinkende“ Eber zu identifizieren, erfolgt im Schlachthof eine Geruchskontrolle am toten Tier, auffällige Tiere werden aussortiert. Aus diesem Vorgehen ergibt sich ein Tierschutzproblem, denn Tiere mit Ebergeruch werden letztlich völlig umsonst getötet, da sie nach der Schlachtung nicht verwertet sondern entsorgt werden. Ein weiteres Problem der Ebermast stellt die Haltung an sich dar. Um Verletzungen und Kämpfe zu vermeiden, müssen die Eber sehr genau beobachtet werden, denn die Haltung unkastrierter Eber ist schwieriger als die Mast kastrierter Schweine. Anstatt sich aber auf die Entwicklung artgerechter Haltungssysteme zur Vermeidung von Konflikten zu fokussieren, gibt es nun schon erste Forschungsergebnisse, die einer konventionellen Haltung positive Effekte für die Ebermast bescheinigen. Es darf auf keinen Fall sein, dass die tierschutzwidrige betäubungslose Kastration durch eine tierschutzwidrige Ebermast abgelöst wird!

Eine artgerechte Haltung muss nicht nur für Schweine, sondern auch für andere Nutztiere selbstverständlich sein. Dazu gehört, dass Eingriffe an den Tieren gar nicht und wenn unvermeidbar, nur unter Narkose erfolgen dürfen. Wir machen uns dafür stark, dass dem Verbot der betäubungslosen Kastration auch ein Verbot anderer Manipulationen an Nutztieren folgt.

 

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