Vogeltod an Glasscheiben - Wenn Architektur zur Falle wird

GruenfinkBild: iStock.com/redmarDer Tod lauert überall: Wintergärten, gläserne Lärmschutzwände, durchsichtige Bushäuschen, verglaste Hausfronten oder gläserne Eckkonstruktionen – die Gefahrenquellen für unsere Vögel sind vielfältig. Schätzungsweise 18 Millionen Vögel sterben jedes Jahr in Deutschland durch Kollision mit Fenstern, Fassaden und Glasbauten – ein Tod, der in den meisten Fällen hätte vermieden werden können.

Lange Zeit hat man die Verluste, die in der heimischen Vogelwelt durch Kollisionen mit Glaskonstruktionen entstehen, unterschätzt - wahrscheinlich auch, weil viele Opfer schnell von Katzen, Krähen oder Mardern eingesammelt werden. Schätzungen gehen aber mittlerweile davon aus, dass pro Gebäude ein bis zehn Vögel im Jahr sterben. Das macht in Deutschland eine Zahl von mindestens 18 Millionen Vogelopfern pro Jahr, und bei dieser Zahl wurden nur private Gebäude einberechnet. Gewerbliche und öffentliche Gebäude sowie Lärmschutzwände, Wartehäuschen und ähnliches wurden dabei nicht berücksichtigt, steuern aber mit Sicherheit eine zusätzliche, große Anzahl an Vogelschlag-Opfern bei. Während es auf der einen Seite Häuser gibt, die aufgrund ihrer Bauweise keine Opfer durch Vogelschlag zu verzeichnen haben, sterben an anderen Gebäuden mit transparenten oder spiegelnden Glasfassaden Hunderte Tiere pro Monat. Zwei Eigenschaften von Glaskonstruktionen verursachen das Problem: Durchsichtigkeit und Spiegelung.

Durchsichtige Glasbauten

Durchsichtiger GlasdurchgangBild: Hartmut910/pixelio.deGlas wird von Vögeln nicht als Hindernis erkannt, daher fliegen sie transparente Glaswände, hinter der sie den Himmel oder Pflanzen sehen können, ungebremst an. Selbst kleine transparente Glasbereiche, hinter denen eine naturnahe Umgebung zu erkennen ist, werden von vielen Vögeln angeflogen, denn kleine Singvögel wie beispielsweise die Kohlmeise sind an ein Leben im dichten Geäst gewöhnt und nutzen so auch kleine Löcher als Durchflugmöglichkeit. Um solche Gefahrenstellen zu erkennen, kann man die „Handflächenregel“ nutzen: Jedes Loch, das die Größe einer Handfläche erreicht, kann von Vögeln als Durchschlupf angesehen werden und birgt deshalb die Gefahr einer Kollision. Das Problem der Durchsicht tritt häufig an gläsernen Lärmschutzwänden, Durchgängen oder Korridoren auf, die inmitten begrünter Umgebung errichtet wurden. Auch verglaste Hausecken, über Eck errichtete Fenster, Wintergärten oder verglaste Wartehäuschen werden von Vögeln nicht als Hindernis wahrgenommen, so dass sie bei dem Versuch, hindurchzufliegen, sterben oder schwer verletzt werden.

Spiegelungen

Spiegelnde FassadeBild: Albrecht E. Arnold_pixelio.deSpiegelnde Fensterfronten werden oft als gestalterisches Element oder als Sonnenschutz genutzt, sind aber genauso gefährlich wie durchsichtige Bereiche. Je nach Scheibentyp, Beleuchtung und Gebäudeinnerem wird die äußere Umgebung verschieden stark reflektiert. Vögel erkennen die Spiegelung nicht als solche und denken, dass sich die Landschaft an dieser Stelle fortsetzt; so fliegen sie spiegelnde Glaselemente ungebremst an. Je stärker sich die Umgebung spiegelt und je natürlicher sie ist, desto öfter kommt es zu Vogelschlag. Eine spiegelnde Glasfassade neben Bäumen und Büschen ist also ein Garant für hundertfachen, sinnlosen Vogeltod. Doch auch wenn sich nur der Himmel im Glas spiegelt, kann dies zum Tod vieler Vögel führen. Hier sind insbesondere Greifvögel, Schwalben und Mauersegler betroffen.

Vogelschlag kann verhindert werden

Bedruckte GlasfassadeBild: Ingrid Ruthe/pixelio.deAm einfachsten und meist auch günstigsten ist es, wenn Durchsichten oder Spiegelungen von vornherein vermieden werden. Schon bei der Planung eines Bauwerks können kritische Stellen erkannt und größtenteils durch alternative Konstruktionen umgangen werden. Um Durchsichten zu vermeiden, sollte man beispielsweise überlegen, ob über Eckbereiche platzierte Fenster wirklich nötig sind oder man den Gefahrenbereich „entschärfen“ kann, indem nur eine der Eckwände mit einem Fenster versehen wird. Auch kann man anstatt gläserner Balkongeländer Milchglas oder bedrucktes Glas verwenden; auch bei Glaskorridoren, Lärmschutzwänden und Bushäuschen ist das möglich. Muster können mittels einer Folie auf dem Glas angebracht werden, oder man verwendet Scheiben, die bereits bei der Fertigung mittels Siebdruck bedruckt wurden. Der Nachteil bei allen Mustern ist natürlich, dass sie nicht nur von Vögeln, sondern auch vom menschlichen Auge wahrgenommen werden. Allerdings gewöhnt sich unser Auge schnell an solche Veränderungen, so dass viele Muster letztlich als dezentes, aber effizientes Gestaltungselement genutzt werden können. Wichtig bei allen Mustern ist, dass sie sich auf der Außenseite des Glases befinden, da ansonsten die Sichtbarkeit durch zusätzliche Spiegelungen verringert werden könnte.

Mittlerweile werden auch spezielle Vogelschutzfenster angeboten, die Muster aufweisen, welche nur UV-Licht absorbieren. Da Vögel im Gegensatz zum Menschen UV-Licht wahrnehmen können, sollen diese Muster für die Tiere sichtbar sein, für Menschen allerdings nicht. Für die nachträgliche „Entschärfung“ kritischer Bereiche wird außerdem ein Stift mit UV-Farbe angeboten. Leider ist die Wirksamkeit dieser UV-Muster mehr als umstritten. Während einige Vogelschutzvereine sie sogar empfehlen, zeigten jüngere Tests der Vogelwarte Radolfzell eine unverminderte Anzahl von Vogelschlägen bei UV-Gläsern. Die altbekannten Greifvogelsilhouetten erwiesen sich ebenfalls als wirkungslos, obwohl sie im Handel noch immer als das Patentrezept gegen Vogelschlag verkauft werden. Durch die Gestalt des Greifvogels sollen andere Vögel abgeschreckt werden; in Wahrheit nehmen die Vögel die Silhouette aber höchstens als normales Hindernis wahr, das sie umfliegen wollen. Der einzige Effekt ist also, dass die Vögel wenige Zentimeter neben dem Aufkleber mit der Scheibe kollidieren.

Spiegelungen können durch den Einsatz handelsüblicher Gläser mit einem Außenreflexionsgrad von höchstens 15 % weitgehend vermieden werden. Sind spiegelnde Gläser für den Wärmeschutz unverzichtbar, können die Spiegelungen mit Punktrastern oder durch Anbringen von Fliegengitter verringert werden. Besonders gefährlich sind spiegelnde Fassaden in der Nähe von Bäumen oder in Grüngürteln, da sich die natürliche Landschaft hier besonders einladend in den Glasflächen spiegelt.

Doch es sind nicht nur die großen Flächen, die zu einer hohen Zahl toter Vögel beitragen. Jeder einzelne sollte sich sein Haus und seinen Garten einmal genau ansehen und die entdeckten Gefahrenstellen entschärfen. Damit lässt sich mehr zum Schutz unserer Vogelwelt beitragen als man gemeinhin denkt!

 

 

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