Vögel in der Agrarlandschaft - Bestandszahlen im Sinkflug

GoldammerBild: Ulrich Velten/pixelio.deLandwirtschaftliche Flächen bedecken die Hälfte der Gesamtfläche Deutschlands und bilden somit einen wichtigen Lebensraum für viele Vogelarten. Zahlreiche Vogelarten nutzen Äcker und Wiesen zum Nestbau oder zur Nahrungssuche und sind deshalb während ihrer Brutzeit stark von Agrarflächen abhängig. Die Bestandszahlen dieser „Feldvögel“ nehmen in den letzten Jahren kontinuierlich ab. Die Gründe für diesen Rückgang finden sich vor allem in einem Strukturwandel und einer Intensivierung der Landwirtschaft.

Zu den Vögeln, die in ihrer Brutbiologie stark von landwirtschaftlichen Flächen abhängig sind, gehören in Deutschland vierzig bis fünfzig Arten, darunter so bekannte Vertreter wie Kiebitz, Rotschenkel, Bekassine, Goldammer oder Weißstorch. Viele dieser Arten sind Bodenbrüter oder nutzen Feldgehölze und Streuobstwiesen in halboffenen Landschaften (Mosaike aus Grünland und Gehölzlebensräumen) und sind deshalb besonders von Veränderungen in diesen landwirtschaftlich geprägten Lebensräumen betroffen. Feldvögel werden als Indikatorarten genutzt, um den Zustand von Natur und Biodiversität (Artenvielfalt) zu beurteilen, und dabei zeigt sich in den letzten zwanzig Jahren eine besorgniserregende Entwicklung.

Der Brutbestand des Kiebitzes, einem typischen Wiesenbrüter, ist nach Angabe des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten (DDA) beispielsweise um zwei Drittel geschrumpft, und auch andere Feldvögel schneiden schlecht ab. Dieser Trend zeigt sich in der gesamten EU und ist ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas in der europäischen Agrarlandschaft nicht richtig läuft.

KiebitzBild: Kurt F. Domnik/pixelio.deDer DDA und die deutsche Ornithologen-Gesellschaft führen mehrere Gründe für die Bestandsrückgänge auf. Einen Hauptgrund sehen die Ornithologen im vermehrten Anbau von Rohstoffen (besonders Mais) für die Biogasproduktion. Biogas wird immer häufiger als regenerativer Energieträger genutzt, aber um das Gas zu gewinnen, benötigt man eine große Menge an Rohstoffen. Diese erhält man durch den Anbau artenarmer Maismonokulturen, die Feldvögeln kaum Lebensraum bieten. Auch Dauergrünland (Moore, Weideflächen) wird zu diesem Zweck immer häufiger zu Äckern umgewandelt, wodurch das im Boden gespeicherte Kohlendioxid freigesetzt und die positive Klimabilanz von Biogas zerstört wird.
Ferner nehmen artenarme und sehr dichte Aussaaten, intensive Beweidung, der Verzicht auf Fruchtfolgen (das heißt, in aufeinanderfolgenden Jahren werden verschiedene Pflanzen angebaut), Ernten, die dichter aufeinander folgen und kein Getreidekorn auf dem Feld belassen; kurz: die Intensivierung der Landwirtschaft den Vögeln zunehmend die Nahrungsgrundlage. Jedes noch so kleine Fleckchen Erde wird mittlerweile landwirtschaftlich genutzt; Ackersäume, Hecken und Brachflächen, die eine naturnahe Struktur schaffen und besonders wertvoll für Insekten und Feldvögel sind, gibt es immer seltener. Hinzu kommt, dass es bis zum Jahr 2007 eine Verpflichtung für Landwirte gab, einen bestimmten Anteil ihrer Felder stillzulegen. Von der Schaffung dieser Brachflächen mittels EU-Verordnung profitierten viele Wiesenbrüter wie beispielsweise die Grauammer. Seit diese Verpflichtung aber vor sechs Jahren aufgehoben wurde, sind merkliche Einbrüche bei bodenbrütenden Vogelarten zu verzeichnen, da ihre Lebensräume nun wieder intensiv bewirtschaftet werden. Hat ein Vogelpaar in dieser überbewirtschafteten Landschaft dennoch einen Brutplatz gefunden, geht das Gelege durch die Bearbeitung der Felder innerhalb der Brutzeit häufig doch noch verloren.

Helfen kann den Feldvögeln letztlich nur ein Anreiz für Landwirte, zur naturverträglichen Landwirtschaft zurückzukehren. Die Schaffung von Brachflächen und naturnahen Kleinstrukturen (Hecken, Blühstreifen etc.) muss gefördert werden, damit Wiesenpieper, Wacholderdrossel und Co. wieder Nahrung und Nistmöglichkeiten finden. Landwirtschaftliche Betriebe mit Bio-Siegel schaffen bereits heute oft solche für Feldvögel wertvolle Lebensräume und verzichten zudem auf den Einsatz von Pestiziden gegen Insekten und „Unkräuter“, der den Vögeln die Nahrungsgrundlage nimmt. Ein Ziel muss demnach die vermehrte Förderung solcher Bio-Höfe sein. Die Umwandlung von Dauergrünland in Ackerflächen („Umbruch“) sollte, wie bereits in Baden-Württemberg geschehen, verboten und stattdessen eine extensive Beweidung angestrebt werden. Schließlich können bestimmte Vogelarten und Lebensräume auch durch gezielte Maßnahmen geschützt werden.
Bisher gibt es keine einheitlichen, gesetzlich festgelegten Maßnahmen zur Sicherung der Artenvielfalt in unserer Agrarlandschaft. Sollte sich daran nichts ändern, werden die Bestandzahlen von Wiesenpiper und Co. in Zukunft ihren Sinkflug fortsetzen.

RotschenkelBild: Gerhard Butke/pixelio.de

 

 

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