Biologische Invasoren - Die Schattenseiten der Globalisierung

Jewgenia Stasiok pixelio.deBild: Jewgenia Stasiok/pixelio.deEines der facettenreichsten Themen unserer Zeit ist die Globalisierung. Wie ein roter Faden zieht sie sich durch unseren Alltag, begonnen von der Kleidung und dem Essen, das wir kaufen, bis hin zu weltpolitischen Fragen. Ein so umfassender Themenbereich hat jedoch immer positive und negative Seiten. Aus ökologischer Sicht ist die Verschleppung von Pflanzen- und Tierarten in fremde Ökosysteme eine der negativen Seiten.

Wenn sich fremde Arten erfolgreich ansiedeln, kann dies zu Veränderungen in den betroffenen Ökosystemen führen und heimische Arten verdrängen. Man unterscheidet hierbei zwischen beabsichtigter und unbeabsichtigter Einschleppung. Bei der beabsichtigten Einschleppung soll die fremde Art dem Menschen oftmals direkt oder indirekt nutzen. Pflanzen werden als Nutz- oder Zierpflanzen angepflanzt, wobei sie sich häufig über die Grenzen der Anbauflächen hinweg ausbreiten. Eingeschleppte, gebietsfremde Pflanzenarten nennt man Neophyten.
Demgegenüber handelt es sich bei Neozoen um nicht-heimische Tierarten, die entweder aus Privathaltungen oder Tierparks entkommen sind und in der Natur gute Lebensbedingungen vorfinden oder absichtlich ausgesetzt wurden, beispielsweise für die Jagd. Der Waschbär, ein erfolgreicher Neubürger in Deutschland, wurde zum Beispiel Anfang des 20. Jahrhunderts als Pelzlieferant ausgesetzt.

Die unbeabsichtigte Einschleppung geschieht meist über die Transportwege von importierten Gütern. Während größere Tiere hier auffallen würden, können beispielsweise Insekten oder Pflanzensamen unbemerkt über sonst unüberwindbare Hindernisse wie Gebirge oder Meere gelangen. Meerestiere gelangen oft mit dem Ballastwasser von Frachtschiffen in fremde Gewässer.
Es können sich jedoch nicht alle eingeschleppten Arten in ihrer neuen Umgebung ausbreiten. Die klimatischen Verhältnisse, das Nahrungsangebot und das Konkurrenzaufgebot spielen hierbei eine wichtige Rolle. Wenn die Umweltbedingungen jedoch günstig und keine natürlichen Feinde vorhanden sind, können die invasiven Arten zu einer ernsthaften Bedrohung für die heimische Artenvielfalt werden. Experten schätzen, dass es ca. 12.000 gebietsfremde Arten in der EU gibt, allerdings gelten nur 10 Prozent davon als problematisch (invasiv) für die heimische Flora und Fauna.


Erfolgreiche Neubürger – einige Beispiele

Wolfgang Dirscherl pixelio.deBild: Wolfgang Dirscherl/pixelio.deDas indische Springkraut (Drüsiges Springkraut, Impatiens glandulifera) dürfte hierzulande eines der bekanntesten Beispiele invasiver Pflanzen sein. Wie der Name schon verrät, stammt es ursprünglich vom indischen Subkontinent und wurde bereits im 19. Jahrhundert als Zierpflanze bei uns eingeführt. Charakteristisch sind die rötlich-violetten Blüten mit ihrem stark süßlichen Duft und die Kapselfrüchte, die im reifen Zustand bereits bei minimalem Druck die Samen herausschleudern. Ein Grund für die starke Ausbreitung der Pflanze ist unter anderem ihre hohe Samenproduktion. In den langen Blühphasen können mehrere tausend Samen pro Pflanze produziert werden, welche wiederum bis zu sieben Meter weit verschleudert werden. Das ermöglicht es der Pflanze, sich in kurzen Zeiträumen flächendeckend auszubreiten. Da die Samen schwimmfähig sind, ist eine Ausbreitung an Bach- oder Flussufern besonders begünstigt. Aufgrund der flächendeckenden Ausbreitung kann sich an den betroffenen Stellen keine standortgerechte Vegetation ansiedeln, welche in der Lage wäre, den Uferbereich zu stabilisieren.
Die Verdrängung heimischer Pflanzenarten hat auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Das indische Springkraut wird nur von wenigen, nicht spezialisierten Insektenarten wie Honigbienen und großen Hummelarten aufgesucht. Somit fehlt an den springkrautbewachsenen Flächen das Nahrungsangebot für andere Insektenarten. Die Bekämpfung des indischen Springkrauts scheint recht einfach, da es sich um eine einjährige Pflanze handelt. Ein paar Besonderheiten sind allerdings dennoch zu beachten:
Auch wenn es sich um eine einjährige Pflanze handelt, bleiben die Samen vier bis fünf Jahre lang keimfähig. Somit dauert es einige Jahre, um eine Fläche von Springkraut zu befreien. Das Entfernen der Pflanze ist dafür aber recht simpel. Kurz vor der Blüte werden die Pflanzen samt Wurzelballen ausgerissen, was bei feuchtem Boden ohne großen Aufwand gelingt. Die ausgerissenen Pflanzen müssen jedoch abgeräumt werden, da sich an jedem Stängelknoten neue Triebe bilden können, die dann wieder erfolgreich wurzeln.

Jewgenia Stasiok pixelio.deBild: Jewgenia Stasiok/pixelio.deAuch in der Tierwelt kann man beobachten, wie eingeschleppte Arten Dominanz im heimischen Ökosystem erlangen. Ein Beispiel ist das amerikanische Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), das sich - sehr zum Nachteil der heimischen Eichhörnchen - in Europa ausbreitet. Vor gut einhundert Jahren gelangten die Grauhörnchen erstmals nach Europa. In England wurden etwa dreihundertfünfzig Exemplare der Nager angesiedelt, ohne dass jemand etwas von den verheerenden Folgen geahnt hätte. Da beide Hörnchenarten dieselbe ökologische Nische besetzen, das Grauhörnchen allerdings größer und kräftiger ist und sich auch schneller fortpflanzt, wurde das Eichhörnchen in England beinahe völlig verdrängt. Grauhörnchen haben einen robusteren Magen als Eichhörnchen und übertragen den Parapox-Virus, gegen den sie selbst immun sind. Dieser Virus ist für das Eichhörnchen meist tödlich.

Im aquatischen Bereich stellen beispielsweise der amerikanische Flusskrebs, der eine Pilzinfektion auf den Europäischen Edelkrebs übertragen hat, und die Amerikanische Auster, welche ihre europäische Verwandte fast völlig verdrängt hat, ein großes Problem dar.

In der Pflanzen- und Tierwelt kommen solche biologischen Invasionen immer wieder vor. Es ist allerdings anzumerken, dass nicht alle invasiven Arten auch zur aggressiven Verdrängung von heimischen Arten führen. Allerdings sollte die Einführung ausländischer Pflanzen und Tiere immer mit Vorsicht betrachtet werden, da man selten absehen kann, wie sie sich in das heimische Ökosystem eingliedern.

Neue EU-Verordnung

Die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 hat zum Ziel die Ausbreitung bereits eingeschleppter, invasiver Arten einzuschränken und eine weitere Einschleppung neuer Neobiota zu verhindern. Die praktische Umsetzung der vorgeschriebenen Kontroll- und Beseitigungsmaßnahmen ist allerdings schwierig und in einigen Fällen eher kritisch zu betrachten. So macht eine Bejagung des Waschbären in Deutschland beispielsweise keinen Sinn, da die Tiere auf Bejagung mit einer erhöhten Fortpflanzungsrate reagieren und der Waschbär auch nicht wirklich eine Bedrohung für heimische Tierarten darstellt. Konkret schreibt die Verordnung auch vor, dass die bisher 37 gelisteten Arten von Zoos und Privatleuten nicht mehr gehalten werden dürfen, womit eine Ansiedlung von Gefangenschaftsflüchtlingen verhindert werden soll. Insgesamt stellt die EU-Verordnung zwar einen guten Ansatz dar, doch fehlt es in vielen Fällen an der praktischen Umsetzbarkeit und auch die Auswahl der Arten scheint nicht unbedingt schlüssig.

 

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