Bienensterben

Rene Albarus pixelio.deBild: Rene Albarus/pixelio.deDie Imkerei ist ein uralter Berufszweig, doch bis vor wenigen Jahrzehnten beschäftigten sich neben Imkern nur eine Handvoll Forscher mit Bienen und ihrer Rolle im Ökosystem. Doch seit es weltweit alljährlich zu massenhaftem Bienensterben kommt, ist die wichtige Bedeutung von Bienen und anderen Bestäubern auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN), welches u.a. an der Betreuung und Weiterentwicklung nationaler und internationaler Artenschutzregelungen arbeitet, veröffentlichte im Jahr 2012 die Rote Liste der wirbellosen Tiere, welche erneut zum Handeln aufforderte. Denn diesmal beinhaltete sie rund 52% aller deutschen Bienenarten, demnach ist mehr als die Hälfte aller Bienen bedroht, gefährdet oder bereits ausgestorben. Auch andere Tiere, wie Fliegen, Schmetterlinge, Käfer, sogar einige Vogelarten und Fledermäuse, die ihren Beitrag zur Bestäubung leisten, sind massiv bedroht und auf der Roten Liste wieder zu finden.

Doch wie kommt das? Der Rückgang der biologischen Vielfalt sei auf zahlreiche Faktoren zurückzuführen, so das Bundesamt für Naturschutz. Diese Tiere haben eine erhebliche Schlüsselfunktion in allen terrestrischen Ökosystemen, indem sie das Leben von Pflanzen und Tieren verbinden. Man mag es sich nicht vorstellen, wie trist und arm unsere Welt und unser Leben ohne Blütenpflanzen wäre, die meisten Kultur- und Arzneipflanzen gehörten zu dieser Pflanzengruppe. Diese Pflanzen benötigen jedoch bestäubende Insekten zur Fortpflanzung und für den Transport von Pollen. Im Gegenzug bieten sie reichhaltigen Nektar, Pollen, Öle und Duftstoffe.


Weltweites Massensterben

DSC01305 - KopieZu übertrieben gedacht? – Nein, keineswegs.
Erst im letzten Jahr wurde die Situation der Wildbienenarten innerhalb Europas untersucht und auch dieses Ergebnis ist alarmierend: Beinahe jede zehnte Wildbienenart ist vom Aussterben bedroht. Ebenso nehmen die Bestände drastisch ab. Bei beinahe 8 Prozent der Arten gehen die Bestände zurück und bloß 0,7 Prozent weisen eine positive Entwicklung auf. Bereits im Frühjahr 2011 erschütterten die Ergebnisse des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) die Welt. Auch in den Ländern außerhalb Europas nimmt das Bienensterben überhand. Japan, China, Ägypten, aber vor allem die USA hat zu kämpfen, denn gerade dort hat das Bienensterben eine Dimension erreicht, die spätestens jetzt nicht mehr unbedenklich ist. Dort hat das Phänomen bereits einen eigenen Namen bekommen: Der Völkerkollaps.


Wildbienen haben es schwer

Günter Rupprich pixelio.deBild: Günter Rupprich/pixelio.deWildbienen haben es im Kampf ums Überleben sehr schwer. Im Gegensatz zu den Honigbienen sind die Wildbienen überwiegend auf bestimmte Pflanzengattungen spezialisiert und somit darauf angewiesen, dass eben diese Futterpflanzen erhalten bleiben. Viele Wildblumen und –kräuter verschwinden allerdings durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Wildblumen findet man heute kaum noch an Feldrändern, stattdessen reihen sich Felder einer einzigen Nutzpflanze, wie beispielsweise Mais, aneinander. Solche Monokulturen bieten den Tieren kaum Nahrung und Lebensraum. Auch die zunehmende Überdüngung von Feldern und Wiesen hat einen negativen Einfluss auf die Insektenpopulationen.

Eine Bedrohung, die in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist der Einsatz von Neonicotinoiden in der Landwirtschaft. Neonicotinoide werden als Insektenvernichter millionenfach auf Felder von Nutzpflanzen gesprüht und machen auch den Hauptanteil der Beizmittel aus, das heißt sie werden zum Schutz von Saatgut vor Pilz- und Insektenbefall eingesetzt. Neonicotinoide sind Nervengifte, die zu Störungen der Reizweiterleitung und schließlich zum Tod der Insekten führen. Die Gifte werden von den Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen und schützen so die gesamte Pflanze vor Insektenfraß. Im Nervensystem von Bienen steuern Neonicotinoide die gleichen Mechanismen an wie Nikotin im Gehirn von Menschen. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass das Nervengift genau wie Nikotin als Droge wirkt, denn Pflanzen, die mit dem Gift belastet sind werden von Bienen bevorzugt angesteuert. So wird der Schaden, den die Neonicotinoide anrichten sogar noch verstärkt.

Jedem von uns ist klar, dass der Verlust einer Art, die eine wichtige Position in der Nahrungskette besitzt unvermeidlich zu weiteren Artensterben führt. Durch diesen Effekt verlieren ganze Ökosysteme Stabilität und Produktivität.


Was tun? – Schau hin!

MEG pixelio.deBild: MEG/pixelio.deDie Erhaltung der biologischen Vielfalt ist nur dann zu gewährleisten, wenn das Überleben der Blütenbestäuber gesichert ist. Deshalb müssen bienenschädliche Pestizide vom Markt genommen und Zulassungsverfahren verschärft werden. Um die Blütenbestäuber zu unterstützen und zu stärken, kann jeder seinen Beitrag leisten. Städte und Landwirte können vermehrt Grünstreifen, Wildwiesen und –blumen pflanzen und Blühstreifen an Feldrändern wachsen lassen. Im eigenen Garten oder Balkon kann man nektarreiche Blumen pflanzen und einsäen – Tipps zum bienenfreundlichen Gärtnern gibt zum Beispiel der ETN-Partnerverein mellifera e.V.
Auch ein Insektenhotel im Garten unterstützt Wildbienen und andere Insekten.

„Man stelle sich vor, dass auf einmal alle bestäubenden Insekten von der Welt verschwinden würden. Wenn wir aber trotzdem weiterhin die gleiche Menge an Nahrungsmitteln landwirtschaftlich produzieren wollten, müssten wir im Jahr 153 Milliarden Euro investieren, um die Arbeitsleistung der bestäubenden Insekten zu ersetzen.“, sagt Bernd Grünewald, Leiter des Bieneninstituts Oberursel bei Frankfurt. Ein Verlust, den die Menschheit nicht stemmen kann. Das gilt zu verhindern.
Obwohl sie so klein sind, leisten sie Großes. Das muss geschützt werden!

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