Animal Hoarding - Die Sucht und das Tierelend

ETN eVIn den letzten Jahren häufen sich in Deutschland Berichte über Animal Hoarding, der Sucht, Tiere zu sammeln. Animal Hoarder nehmen zwanghaft Tiere auf, lassen deren unkontrollierte Vermehrung zu und können die große Anzahl an Tieren schnell nicht mehr angemessen versorgen. Die Sucht, Tiere zu horten, basiert auf einer psychischen Erkrankung der Betroffenen, und Animal Hoarder erkennen die Probleme in ihrer Tierhaltung nicht. Und so steht am Ende das Leid dutzender oder gar hunderter Tiere – kein Einzelfall, wie wir beim ETN schon oft erfahren mussten.

Immer wieder haben Tierschutzvereine mit mehr oder weniger schweren Fällen von Animal Hoarding zu tun, nahezu jede Tierart kann davon betroffen sein. Oft sind es Kleintiere oder Katzen, die zu hunderten in verwahrlosten Wohnungen gehalten werden, aber auch Hunde und Nutztiere finden sich bei Animal Hoardern. Ein besonders drastischer Fall von Animal Hoarding zeigte sich dem ETN beispielsweise bei einem Bauern in Mecklenburg-Vorpommern, der ca. 1.000 Tiere auf seinem Hof hielt. Die Grundversorgung der Hunde, Schafe, Enten und Hühner war kaum gewährleistet und einen Tierarzt rief der Landwirt nie. Immer wieder hatte der Bauer Haltungsverbote für eine bestimmte Tierart bekommen, so dass er zuerst Rinder, dann Schweine und später Schafe züchtete – mit jedem Verbot wechselte er einfach die Tierart.

Verschiedene Arten von Animal Hoarding

ETN eVDie geschilderte Situation lässt typische Merkmale eines Animal Hoarding Falles erkennen, wie sie schon vor einigen Jahren durch das „Hoarding of Animals Research Consortium“ (HARC), einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe in den USA, beschrieben wurden. Animal Hoarder halten wesentlich mehr Tiere als es ihre finanzielle und persönliche Situation erlaubt, und sind dadurch nicht in der Lage, minimale Versorgungsstandards für die Tiere zu gewährleisten. Die Tiere werden nicht ausreichend mit Nahrung und Wasser versorgt, haben keine oder nur mangelhafte Unterschlupfmöglichkeiten, die hygienischen Zustände sind bedenklich, und die Tiere werden nicht medizinisch versorgt. Typisch für Animal Hoarder ist auch eine gravierende Fehleinschätzung der eigenen Situation. Sätze wie „Den Tieren geht es bei mir gut.“ und „Ich kümmere mich ausreichend um die Tiere.“ hören Tierschützer von Tiersammlern immer wieder. Animal Hoarder sind davon überzeugt, dass ihre Tiere bei ihnen bestmöglich versorgt sind und ein gutes und artgerechtes Leben führen. Sie lassen ihre Tiere oft nicht kastrieren, was zu einer rapiden, unkontrollierten Vermehrung führt.

Die HARC identifizierte verschiedene Typen von Animal Hoardern:

  • Der Pfleger-Typ versucht zunächst, sich um die Tiere zu kümmern, doch durch die zunehmende Vermehrung der Tiere ist er bald überfordert. Der Betroffene sieht, dass ein Problem existiert, kann es aber nicht lösen.
  • Der Befreier-Typ sammelt aktiv Tiere und kann auch kein Tier, das ihm anvertraut wird, ablehnen. Er denkt, dass es die Tiere nur bei ihm gut haben.
  • Der Züchter-Typ hingegen hält Tiere mit dem Vorsatz der Zucht. Er will sie verkaufen, verliert aber bald den Überblick über seinen Bestand. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert.
  • Und schließlich kennt man noch den seltener auftretenden Ausbeuter-Typ, der keinerlei Bindung zu den Tieren hat und sie nur als Statussymbol hält.

Natürlich gibt es fließende Übergänge zwischen den einzelnen Verhaltensmustern. Gemeinsam haben aber alle Animal Hoarder, dass sie selbst unter einer psychischen Störung leiden, die furchtbares Tierelend nach sich zieht. Ohne professionelle Hilfe können Animal Hoarder nicht gestoppt werden, das Sammeln von Tieren ist wie eine Sucht.


Maßnahmen sind oft nicht effizient

ETN eVDie Rückfallquote eines Tiersammlers liegt bei einhundert Prozent. Das heißt, auch nach Ausspruch eines Tierhaltungsverbots durch das zuständige Veterinäramt beginnt ein typischer Animal Hoarder sogleich wieder mit dem Sammeln von Tieren, wenn er nicht fortwährend kontrolliert wird. Die Kontrolle muss lückenlos sein und ist zweifelsohne sehr zeitaufwendig - ein Aufwand, den viele Behörden nicht leisten können oder wollen.
Die Situation des Bauern in Mecklenburg-Vorpommern zeigt aber anschaulich, dass halbherzige Verbote oder Haltungsbeschränkungen kein geeignetes Mittel sind, um Fälle von Animal Hoarding in den Griff zu bekommen. Ohne angemessene Kontrolle und psychologische Hilfe für die betroffene Person sind alle Maßnahmen letztlich wirkungslos.

Um bei bestehenden Fällen schnell handeln zu können und um zu verhindern, dass die Zahl an Animal Hoarding-Fällen in Deutschland weiter ansteigt, muss die Problematik endlich auch hierzulande im Bewusstsein von Behörden, Wissenschaft und Öffentlichkeit verankert werden. Es bedarf eines konsequenten Eintretens der Veterinärämter im Sinne des Tierschutzes und einer bundesweiten Vernetzung der Behörden. Denn in Deutschland besteht das Problem, dass Tierhaltungsverbote nicht zentral erfasst werden. Spricht also ein Veterinäramt ein Haltungsverbot aus, kann der Tiersammler in eine andere Region umziehen, wechselt damit den Zuständigkeitsbereich der Behörden und kann am anderen Wohnort von neuem mit dem Horden von Tieren beginnen. So folgt oft ein jahrelanges Katz-und-Maus-Spiel, das durch eine bundesweite Abstimmung der Ämter vermieden werden könnte. Außerdem müssten Amtstierärzte bei Verdacht auf Animal Hoarding ein uneingeschränktes Zutrittsrecht zum Grundstück haben.

 

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