Die nierenkranke Katze

Erkennen, therapieren, vorbeugen

Die Nieren sind Kontrollorgane für den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Körpers. Eine Art Filterorgan, das dafür sorgt, dass Giftstoffe aus dem Blut den Organismus mit dem Urin verlassen. Diese Filterfunktion kann aus verschiedenen Gründen eingeschränkt sein, mit der Folge, dass sich harnpflichtige Stoffe im Blut ansammeln und das Tier belasten.

Grundsätzlich kann es Katzen jeden Alters treffen, meist jedoch treten Nierenprobleme bei mittelalten und alten Katzen auf. Ist die Nierenfunktion eingeschränkt, spricht man von Niereninsuffizienz, die verschiedene Schweregrade haben kann. Akute Nierenerkrankungen haben, im Gegensatz zu den chronischen, mit entsprechender Behandlung eine gute Heilungschance und sollen hier nicht weiter thematisiert werden.

Auf erste Symptome achten

Die erkrankte Katze versucht durch vermehrtes Trinken der verminderten Nierenfunktion entgegenzusteuern. Das Blut wird durch die verstärkte Flüssigkeitsaufnahme verdünnt und die zurückgebliebenen Giftstoffe werden in ihrer Wirkung abgeschwächt. Allerdings steigt hierbei auch der Blutdruck an. Trotz vermehrter Flüssigkeitsaufnahme ist die Katze dehydriert, ausgetrocknet. Das kann der Katzenhalter daran erkennen, dass hochgezogene Hautfalten (z. B. im Nackenbereich) nur sehr langsam wieder verstreichen oder bestehen bleiben. Das Fell sieht stumpf aus und das Tier verliert mehr Haare.

Ein weiteres Anzeichen für fortschreitende Niereninsuffizienz (ca. 90 % des Nierengewebes ist nachhaltig geschädigt und kann nicht wieder aufgebaut werden) sind Inappetenz, also Nahrungsverweigerung und Erbrechen. Die im Blut angesammelten Giftstoffe wirken sich auf das Brechzentrum im Gehirn aus und verursachen Übelkeit und Erbrechen. Oft ist ein verstärkter Mundgeruch bei der Katze wahrnehmbar, der nach Ammoniak riecht. Das liegt daran, dass genau dieser Stoff abgeatmet wird, weil er über die Nieren nicht mehr in ausreichendem Maße ausgeschieden werden kann.

Therapiemöglichkeiten

Erkennt man eine Nierenerkrankung rechtzeitig, kann man versuchen ihren fortschreitenden Verlauf zu verlangsamen. Spezielle Diätfuttermittel (beim Tierarzt erhältlich) sorgen dafür, dass weniger der giftigen Stoffwechselprodukte anfallen. Es handelt sich um protein- und phosphatarme, voll ausgewogene Futtermittel. Begleitend kann ein blutdrucksenkendes Präparat verabreicht werden, um weitere Schäden der Niere durch Bluthochdruck zu vermeiden. Infusionen durch den Tierarzt sind Erste-Hilfe-Maßnahmen, um den Körper zu spülen und Giftstoffe auszuschwemmen. Sie erzielen nur vorübergehende Besserung und sollten den Tierhalter nicht in falscher Sicherheit wiegen oder euphorisch werden lassen. Regelmäßige Kontrollen der Blutwerte und gegebenenfalls auch des Blutdrucks sind unerlässlich, um den Verlauf der Erkrankung beurteilen zu können.

Auch eine nierenkranke Katze kann bei entsprechender Pflege noch angenehme Lebensjahre haben. Ist jedoch trotz Behandlung keine Besserung zu verzeichnen und die Katze verweigert kontinuierlich die Nahrung, erbricht und verkriecht sich, ist es die Pflicht des Tierarztes und eines verantwortungsvollen Tierhalters unnötiges Leiden zu beenden.

 

Fabienne Gutschwager, Tierärztin

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