Hufrolle beim Pferd

www.veichtlbauer.atüberarbeitete Grafik, Original: Günter Veichtlbauer, www.veichtlbauer.atDie Erkrankung Podotrochlose selbst trägt viele Namen: Hufrollenentzündung, Hufrollennekrose oder umgangssprachlich einfach „Hufrolle“.


Was versteht man unter „Hufrolle“?

Der Begriff „Hufrolle“ ist zunächst einmal nur ein Sammelbegriff für anatomische Strukturen, die jedes Pferd in jedem Bein hat. Die Hufrolle setzt sich aus der tiefen Beugesehne, dem Strahlbein und dem Hufrollenschleimbeutel zusammen. Diese Strukturen sind wichtig für die Fortbewegung des Pferdes, da sie zusammen mit dem Strahlkissen (Ballenpolster) eine wichtige Rolle bei der Stoßdämpfung spielen.


Was versteht man unter dem „Hufrollen-Syndrom“?

Bei der Hufrollenentzündung, die folglich die häufigste Erkrankung darstellt, ist das Gelenk zwischen Hufbein, Kronbein und Strahlbein oder der Hufrollenschleimbeutel entzündet. Diese Entzündung bereitet dem Tier Schmerzen und sollte daher umgehend behandelt werden. Geschieht dies nicht, kann die Entzündung den Knorpel zerstören und anschließend für Veränderungen am Knochen verantwortlich sein.
Auch eine sehr schmerzhafte Strahlbein-Nekrose kann die Folge sein. Als Nekrosen bezeichnet man das Absterben von mehreren oder auch nur einzelnen Zellen. Bei der Strahlbeinnekrose wird das Strahlbein nicht mehr mit genügend Blut versorgt. Folge darauf können Knorpelzerstörung und ein Bruch des Strahlbeins sein.

Häufig tritt das Hufrollen-Syndrom nur an den Vorderbeinen auf, da diese durch die anatomischen Verhältnisse stärkeren Stoßbelastungen ausgesetzt sind.
Doch Vorsicht! Das Hufrollen-Syndrom tritt häufig nicht alleine auf. Arthrose, besonders im Hufgelenk oder eine Degeneration des Strahlkissens sind häufige Begleiterscheinungen dieser Erkrankung. Die Hufrollenentzündung gehört somit zu den häufigsten Ursachen für Lahmheit bei Pferden.


Wodurch entsteht eine Hufrollenentzündung?

Die Ursachen für eine Hufrollenentzündung sind sehr umstritten, jedoch wird die Hufrollenentzündung neben anderen Faktoren vielfach auf haltungsbedingte Umstände zurückgeführt: 

  • Bewegungsmangel schädigt die Knorpel im Hufgelenk und das Strahlbein, da diese nicht richtig mit Nährstoffen versorgt werden. Infolgedessen wird die Hufrolle falsch belastet, was zu Verletzungen führen kann.
  • Überbelastung der Hufrolle, vor allem in der Vorderhand
  • Nährstoffmangel bei der Aufzucht
  • Falsche Hufbehandlungen, beispielsweise durch zu kurze Trachten oder zu lange Zehen
  • Hufverletzungen mit nachfolgender Infektion der Wunde
  • Falscher Hufbeschlag, der die Dämpfung beim Aufsetzen des Fußes verhindert
  • genetische Ursachen

Interessant ist, dass eine Hufrollenentzündung bei Wildpferden nicht vorkommt. Dementsprechend ist anzunehmen, dass zwischen der Erkrankung und der Nutzung der Pferde als Reit- und Arbeitstier ein Zusammenhang besteht.


Wie erkenne ich eine Hufrollenentzündung?

Symptome:

  • Kurze, flache Schritte; unnatürlicher Gang (Schwungverlust)
  • Bewegungsunlust
  • Bewegungsfehler/Taktstörungen auf hartem Untergrund und in engen Wendungen
  • Lahmheit
  • Abwechselndes entlastendes Stehen
  • Verweigern bei Hindernissen im Springreiten
  • Starke Zehenbelastung
  • Pulsation der Fußarterie

Diagnose:

Übliche Untersuchungsmethoden helfen hier nicht weiter: Beim Vortraben an der Hand und an der Longe ist meist keine eindeutige Diagnose möglich, sodass der Tierarzt das Pferd auf einem engen Zirkel auf hartem Boden traben lässt. Fallen typische Taktstörungen auf, kann die Diagnose durch eine Leitungsanästhesie bestätigt werden. Hierbei wird der Bereich unterhalb des Kronbeins betäubt. Verschwinden die Taktstörungen ist die Diagnose beinahe eindeutig. Nächste Schritte sind Röntgenbild und Ultraschall, um den Schweregrad der Erkrankung und deren Ursache festzustellen.


Wie behandle ich das Hufrollen-Syndrom?

Grundsätzlich gilt auch hier: Hohe Heilungschancen bei einer Behandlung im Anfangsstadium.

  • Training unterbrechen
  • Entzündungshemmende Medikamente
  • Stoßbelastungen und enge Wendungen vermeiden
  • Bewegung auf weichem Untergrund zur Stoffwechselanregung im Huf
  • Spezialbeschlag oder huforthopädische Behandlungen ohne Eisen
  • Entzündungshemmende und schmerzlindernde Futtermittel (z.B. Weidenrinde, Teufelskralle und Ingwer)
  • Medikamente oder Extrakte der Grünlippigen Miesmuschel zum Knorpelaufbau
  • Neue Methode: Stoßwellen-Therapie und spezielle Medikamente für die Durchblutung

Hat das Pferd bereits so große Schäden davon getragen, dass der Schmerz mit diesen Behandlungen nicht mehr auf ein erträgliches Maß begrenzt werden kann, gibt es noch die Möglichkeit der Neurektomie. Hierbei handelt es sich um einen Nervenschnitt, bei dem die Nerven, welche die Hufrolle innervieren, durchtrennt werden. Dadurch wird der hintere Teil des Hufes taub und schmerzunempfindlich. So kann sich das Pferd wieder schmerzfrei fortbewegen.
Vorsicht! Oft stolpern Pferde, die einen solchen Eingriff erhielten, bis sie sich an das Gefühl gewöhnt haben. Außerdem wird damit die Ursache nicht behandelt und dies bringt große Risiken mit sich: Wird der Nerv zerschnitten, empfindet das Pferd zwar keinen Schmerz, belastet den Huf jedoch wieder zu stark und provoziert eine beschleunigte Veränderung. Die Veränderungen und Verletzungen können so groß werden, dass das Strahlbein durchbricht, was für das Pferd sehr schmerzhaft ist.


Weitere Rücksichtnahme

All diese Behandlungsmöglichkeiten können die Entzündung lediglich stoppen. Schon entstandene Schäden sind nicht rückgängig zu machen und stellen für die weitere Arbeit mit dem Pferd ein erhöhtes Risiko dar. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Training nach einer Hufrollenentzündung langsam angehen zu lassen und das Tier nicht zu überlasten. Sprünge sollten die Ausnahme werden und auch lange Ausritte auf hartem Boden sollten vermieden werden. Trab- und Galoppstrecken sollten daher gut gewählt sein und es gilt auf enge Wendungen zu verzichten.
Denn die Gesundheit des Pferdes geht vor!

 

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