Artgerechte Tierhaltung: Wellensittiche - Ein Text des VWFD e.V.

Zahlreiche Wellensittiche leiden auch heute immer noch unter veralteten und völlig überholten Haltungsbedingungen, die häufig dem Stand von vor vierzig Jahren entsprechen. Der vermeintlich leicht zu haltende Vogel wird dabei leider sehr oft unterschätzt. Dabei sollten Einzelhaltung, tierschutzwidriges Zubehör wie Plastikvögel und Spiegel, viel zu kleine Käfige und eine falsche Ernährung längst der Vergangenheit angehören.


Hochgesellig und sozial 

Wellensittiche_vwfd Wellensittiche sind Schwarmtiere und fühlen sich in einer Gruppe am wohlsten. Als Halter muss man dabei die eigenen Kapazitäten hinsichtlich Raum, Geld und Toleranz der Nachbarn im Auge behalten. Eine Paarhaltung ist jedoch Minimum. Am schönsten sind ein Hahn und eine Henne, doch auch zwei Hähne können harmonisch miteinander leben. Zwei Hennen hingegen beginnen oft miteinander zu konkurrieren und streiten um Futter, Sitzplätze und Spielzeug.
Einer artgerechten Haltung, die auch dem Halter viel Freude bringt, kommt man allerdings erst bei einem Minischwarm ab etwa sechs Tieren deutlich näher. Man sieht die Vögel in ihrem vollen Sozialspektrum, und es kommt bei den Tieren seltener zu Langeweile und Streitigkeiten. Achtet man zusätzlich auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis und darauf, dass die Tiere vom Alter und Temperament her zusammenpassen, so hat man bald viel Freude an einem harmonischen Schwarm. Um unerwünschten Nachwuchs braucht man sich nicht zu sorgen; als Höhlenbrüter beginnen die Sittiche in aller Regel nur dann mit der Fortpflanzung, wenn man ihnen Nistkästen oder ähnliches anbietet.


Schöner wohnen

Wellensittichzimmer_vwfd Für ein Paar betragen die Mindestmaße eines Käfigs 0,80 m x 0,50 m bei 0,80 m Höhe. Allerdings ist ein solcher Käfig nur Schlaf- und Futterplatz. Ohne ganztägigen Freiflug ist die Unterbringung in sogenannten Volieren notwendig, welche ausreichend Platz und Flugraum bieten müssen. Um dem Bewegungsdrang der Tiere gerecht zu werden, ist mehrstündiger Freiflug bei Tageslicht jedoch immer absolut notwendig. Die Einrichtung des Käfigs sollte aus Ästen und Zweigen mit unterschiedlichem Durchmesser bestehen (Haselnuss, Obstbäume, etc.). Der Käfig muss eckig sein, und die Gitterstäbe sollten optimalerweise waagerecht verlaufen, damit die Vögel klettern können. Runde Käfige sind tierschutzwidrig, da die Vögel sich darin nicht orientieren können. Edelstahlgitter bieten den besten Schutz vor Schwermetallvergiftungen; preiswerter sind beschichtete Käfige. Hier muss jedoch unbedingt auf eine gute Qualität der Beschichtung geachtet werden. Gefäße, die mit Wasser in Berührung kommen, müssen täglich gründlich gereinigt werden. Daher ist es empfehlenswert, sie in doppelter Ausführung zu haben, so dass man sie abwechselnd verwenden kann. Der Käfig sollte an einem hellen, zugfreien Platz stehen. Zu viel Durchgangsverkehr kann die Tiere nervös machen. Ein etwas erhöhter Standort vermittelt den Wellensittichen hingegen Sicherheit.

Wellensittich_vwfd Im Haus gehaltene Vögel benötigen UV-Licht, welches man mit speziellen Birdlamps erhält, die unter anderem die Vitamin D3-Synthese zur Knochenentwicklung sicherstellen und wichtig für das Sehvermögen der Wellensittiche sind. Erheblich besser ist es jedoch, wenn man die Möglichkeit schafft, dass die Tiere draußen ungefiltertes Licht und frische Luft bekommen, beispielweise durch einen vergitterten Balkon, eine Fenster- oder Außenvoliere. Auch ein geöffnetes, mit Fliegengitter aus Edelstahl gesichertes Fenster, vor dem die Vögel sitzen können, ist bei milden Temperaturen schon eine Bereicherung.


Clevere Überflieger

Wellensittiche beim Baden_vwfdDie natürliche Fortbewegung des Wellensittichs ist das Fliegen; das muss auch in Menschenobhut unbedingt möglich sein. Das Fliegen bringt dem Tier Spaß, entspricht seinem Naturell und hält es fit. Daher braucht man neben dem Käfig auch mindestens zwei Lande- und diverse Beschäftigungsmöglichkeiten, welche im Zimmer verteilt werden; auch eine Bademöglichkeit sollte nicht fehlen. So wird der Vogel animiert, sich zu bewegen. Die Geschicklichkeit wird trainiert, indem man bewegliche Freisitze schafft, beispielsweise durch die Aufhängung eines Astes von der Decke.

Das Wellensittichzimmer muss vor dem ersten Freiflug vogelsicher gemacht werden: Offene Gefäße, Schrankspalten, offene Türen und Fenster, heiße Leuchten und giftige Pflanzen sollten als Gefahrenquellen ausgeschlossen werden. Neben den Muskeln sollte auch das Gehirn gefordert werden. Man kann Kolbenhirse so aufhängen, dass sie nur schwer erreichbar ist, und der Wellensittich überlegen muss, wie er an die beliebte Nascherei herankommt. Sinnvolle Spielzeuge sind auch Korkröhren, die besonders den Hennen entgegenkommen, da sie damit ihren natürlichen Nagetrieb ausleben können.


Die Guten ins Kröpfchen

Wellensittich_vwfd Wellensittichfutter besteht aus verschiedenen Hirsesorten, Kanariensaat (Glanzsaat) und Grassamen. Weiterhin können beispielsweise Hafer, getrocknete Kräuter und diverse Wildsamen enthalten sein. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass der Anteil an ölhaltigen Sämereien nicht über fünf Prozent liegt. Futter, das von Schädlingen oder Schimmelpilzen befallen ist, muss entsorgt werden. Gutes Futter riecht frisch und nicht muffig, und die Qualität lässt sich mit einer Keimprobe überprüfen. Keimen weniger als siebzig Prozent der Körner, ist das Futter minderwertig und bietet dem Vogel zu wenig Inhaltsstoffe. Gekeimtes Futter (Anleitung unter www.vwfd.de) und halbreife Sämereien sind eine gute Ergänzung für den Speiseplan der Tiere, und kleinere Portionen können durchaus mehrmals die Woche gereicht werden. Gutes Wellensittichfutter enthält keine Zusatzstoffe wie Bäckereierzeugnisse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Molkereiprodukte oder bunt gefärbte Vitaminkügelchen.

Wellensittiche_vwfd Die beste Vitaminversorgung bietet Frischkost: Kräuter, frische Äste und Wildgräser mit Samenständen. Gemüse und gelegentliche Gaben von Obst bereichern ebenfalls den Speiseplan der Tiere und runden eine gesunde, vollwertige Ernährung ab. Küchenkräuter wie Basilikum, Thymian und Oregano werden ebenso gern genommen wie deren wilde Verwandte Vogelmiere, Hirtentäschel, Spitzwegerich und Löwenzahn. Stangensellerie, Fenchel, Möhre, frischer Mais, Paprika und Gurke sind beliebte und gesunde Gemüsearten für den Wellensittich. Doch nicht alle Wellensittiche mögen Frischkost. Dann kann der Gang zum vogelkundigen Tierarzt eine Alternative sein, um das Tier mit einem guten, nicht zuckerhaltigen Vitaminpräparat zu versorgen.
Damit die mechanische Verdauung im Muskelmagen des Wellensittichs unterstützt wird, benötigt er Grit (granuliertes Mineralfuttermittel für Vögel). Dieser versorgt ihn nebenbei noch mit Mineralien und Spurenelementen. Dies erreicht man ebenso durch Lehmsteine, Jodsteine, Mineralerde und Vogelkalk. Frisches Wasser muss immer zur Verfügung stehen.


Liebe geht durch den Magen

Oft sind die liebevoll gemeinten Leckereien für den Wellensittich auch schädlich. Von zuckerhaltigen Knabberstangen, Knabberherzen und diversen „Perlen“ sollte man die Finger lassen; sie machen das Tier nur dick. Hirsekolben, Haferrispen und selbstgebackene Wellikekse (Anleitung unter www.vwfd.de) hingegen dürfen hin und wieder auf dem Speiseplan stehen.


Der Doktor und das liebe Vieh

Es ist sehr wichtig, sich bereits vor der Anschaffung der Wellensittiche nach einem Tierarzt mit einer Zusatzausbildung für Ziervögel umzusehen. Zeigt ein Wellensittich Krankheitsanzeichen, spart ein bereits bekannter Fachtierarzt kostbare Zeit, da Wellensittiche Krankheiten lange verbergen und so fast immer zum Notfall werden. Sollte ein weiter Anfahrtsweg bestehen, kann die Erstanschaffung von Wellensittichen unter diesem Aspekt nochmals überdacht werden, denn ein weiter Weg kostet Geld, Zeit und muss organisiert werden.


Kleines Leben – schnell verkorkst

Wellensittiche_vwfd So kennt man ihn leider oft: Der zahme Hansi, der sprechende Bubi. Bei diesen Worten hat jeder sogleich die entsprechenden Bilder im Kopf. Bilder, die jedoch falscher nicht sein könnten. Ob ein Vogel zahm wird oder nicht, hängt von der Geduld des Halters und dem Charakter des Wellensittichs ab. Wellensittiche sind keine Schmusetiere. Sie brauchen artgleiche Partner. Doch wer den Vögeln gegenüber viel Einfühlungsvermögen zeigt, kann akzeptiertes Schwarmmitglied werden. Vertrauen ist ein Gut, das man sich verdienen muss – und gerade bei einem Vogel bedarf es viel Geduld und Liebe. Doch jeder freiwillig entgegengebrachte Vertrauensbeweis eines Vogels – und sei er noch so klein – erfreut das Herz eines wahren Tierliebhabers umso mehr.
Das Sprechen des Tieres ist ein Versuch, Kontakt mit dem Menschen aufzunehmen. Der Kontakt zu Artgenossen und die Kommunikation im Schwarm sind für einen Wellensittich essenziell. Die Fähigkeit, neue Laute zu erlernen, ist genetisch verankert und für die Partnersuche und die Sozialkontakte absolut notwendig. Ein so geselliges Tier wie der Wellensittich bildet nahezu ausschließlich nur in Ermangelung einer artgerechten Kommunikationsmöglichkeit die Fähigkeit zum Sprechen aus. Dabei ahmt er – seinem genetischen Programm entsprechend – Laute nach. Dies ist Ausdruck höchster Not, Einsamkeit und Fehlprägung: Ausdruck einer nicht artgerechten Haltung, die dem Wohl des Tieres nicht zuträglich ist. Denn alle Kontaktversuche, die eigentlich der Fortpflanzung oder dem Überleben dienen, bleiben ungehört und unbeantwortet – wie frustrierend für das Tier!

 

Wellensittich-Freunde Deutschland e. V. (VWFD)

www.vwfd.de

(Alle Bilder: vwfd e.V.)

Sehen Sie die eingebettete Bilder Galerie online bei:
http://etnev.de/tierschutz/artgerechte-tierhaltung/wellensittiche#sigProId2c00490071

 

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