Artgerechte Tierhaltung: Ratten - Ein Text des VdRD e.V.

Farbratte_Velve/pixelio.deBild: Velve/pixelio.deVor der Anschaffung von Farbratten muss selbstverständlich für eine tiergerechte Unterbringung gesorgt sein. Ratten sind dämmerungsaktiv und in jungen Jahren sehr agil, was bei der Wahl des Käfigstandortes berücksichtigt werden sollte. Das Rattenheim darf nicht in Zugluft und nicht in der prallen Sonne stehen. Die Küche ist als Standort wegen der Gerüche nicht zu empfehlen, da Ratten einen gut entwickelten Geruchssinn besitzen. Zudem sollte das Gehege in einem Zimmer stehen, in dem ein Auslauf von mindestens einer Stunde am Tag gewährleistet ist. Gut geeignet ist das Wohnzimmer, in dem die Ratten in einem selbst gebauten Auslauf oder unter Aufsicht frei laufen können. Ideal ist natürlich ein eigenes Zimmer für die Ratten mit nagesicherer Auslaufmöglichkeit, das heißt, Elektrokabel und andere potenziell gefährliche Dinge müssen gesichert sein. Ratten nagen alles an und haben auch keine Hemmungen, die Wände durch Herunterziehen der Tapeten zu „verschönern“.


Wie viele Ratten dürfen es sein?

Farbratten_Christine Brandt/VdRD Bild: Christine Brandt/VdRD Die Größe einer Rattengruppe beginnt bei drei Exemplaren und ist nach oben offen. Da Ratten sehr soziale Tiere sind, ist Einzelhaltung ein Tabu. Noch vor kurzem wurde oft empfohlen, mindestens zwei Ratten zu halten, dies ist aber inzwischen überholt, denn heute weiß man, dass bei einer Gruppe mit drei Ratten seltener Auseinandersetzungen auftreten als bei nur zwei Tieren. Außerdem entstehen keine Probleme, wenn eine der Ratten verstirbt und ein neuer Partner integriert werden muss. Das Argument, dass die Tiere in Gruppenhaltung nicht zahm werden, ist ein Ammenmärchen.
Um unerwünschten Nachwuchs zu verhindern, sollten gleichgeschlechtliche Gruppen oder Weibchen mit kastrierten Böckchen gehalten werden. Dazu muss man wissen, dass Weibchen bis ins hohe Alter sehr agil und nicht immer auf Streicheleinheiten aus sind. Böcke hingegen werden im Alter gemütlicher.
Im Sinne eines aktiven Tierschutzes sollte man Ratten aus Tierheimen und Notfallvermittlungen bevorzugen und keine Massenvermehrungen unterstützen, indem man Ratten im Zoofachhandel oder bei Züchtern kauft.


Rattenheim und Einrichtung

Je nach Geschick und Geldbeutel gibt es unzählige Möglichkeiten, ein Rattengehege artgerecht zu gestalten. Der Selbstbauer sollte sich einen Schrank mit einer Tiefe von mindestens 40 cm oder besser noch 50 cm und einer Höhe von etwa 200 cm besorgen. Das Holz muss mit sog. Sabberlack nach DIN EN 71-3 behandelt werden, da ansonsten Urin einzieht, und das Holz nach kurzer Zeit stark riecht. Bastelanleitungen findet man in allen Rattenforen. Eine weitere Möglichkeit sind fertig montierte Käfige. Der „Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland e.V. (VdRD)“ empfiehlt folgende Mindestmaße (Breite x Tiefe x Höhe):

3 Ratten: ca. 320 l (z. B. 0,8 x 0,5 x 0,8 m)
4–5 Ratten: ca. 500 l (z. B. 0,8 x 0,75 x 0,86 m)
6–8 Ratten: ca. 600 l (z. B. 1,2 x 0,5 x 1 m)
9–15 Ratten: ca. 900 l (z. B. 1,2 x 0,5 x 1,5 m)

Das Rattenheim kann natürlich gerne größer sein. Bewährt haben sich auch Vogelvolieren, in denen Zwischenbretter oder Plastiketagen angebracht werden. Die Mindestgröße beträgt hier 50 x 80 x 180 cm (B x T x H), damit die Lauffläche ausreichend ist. Vor dem Kauf eines fertigen Käfigs empfiehlt sich unbedingt ein Gespräch mit einem langjährigen Rattenhalter, der die Vor- und Nachteile verschiedener Käfigvarianten aus eigener Erfahrung kennt.

Farbratte_Andreas Bender/pixelio.deBild: Andreas Bender/pixelio.deBei der Einrichtung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Nur das Material sollte naturbelassen und ungiftig sein, so wie beispielsweise Holz, Seile, Kork, Keramik, Zeitungspapier und Äste von ungespritzten Obstbäumen. Hygienisch und besser zu reinigen sind zwar Gegenstände aus Plastik, hierbei fehlt den Ratten allerdings der Spaßfaktor „Nagen“. Hängematten kann man sich kostengünstig aus Gästehandtüchern mit Aufhängern selbst basteln, um damit größere Fallhöhen im Käfig abzusichern. Als Wasserbehälter eignen sich Nippeltränken. Wem das Geräusch der Metallkugel beim Trinken zu laut ist, kann auch Vakuumtränken benutzen. „Wasserratten“ sollte im Sommer immer ein größerer Napf mit frischem Wasser zum Plantschen angeboten werden. Einen großen Keramiknapf benötigt man je nach Gruppengröße auch für das Trockenfutter.

Als Einstreu können staubarme Varianten wie Mais-, Hanf- oder Leinenstreu verwendet werden, oder man verzichtet ganz darauf und beschränkt sich bei der Streu auf die Toiletten. Ratten haben empfindliche Atemwege und sollten daher vor Staub, Heu und Zigarettenrauch geschützt werden.


Das Futter

Farbratten beim Fressen_Christine Brandt/VdRDBild: Christine Brandt/VdRDDer Zoofachhandel bietet viele Fertigfuttermischungen für Ratten an. Hierbei wird zwischen Komplettfutter und Einzelfuttermischungen unterschieden. Komplettfutter kann im Krankheitsfall zum Päppeln gegeben werden, da man es auflösen und zu Brei verarbeiten kann. Es gibt aber auch Rattenhalter, die von Anfang an Komplettlösungen verfüttern. Das ist letztendlich eine Geschmacks- und Geldfrage. Auch die Einzelfuttermischungen bieten eine breite Auswahl.
Man sollte beim Kauf des Trockenfutters darauf achten, dass tierisches Eiweiß enthalten ist. Andernfalls sollte man es in Form von Käse, getrockneten Maden oder Seidenraupen einmal wöchentlich zufüttern. Als Faustregel kann gelten, dass ungefähr 20 g oder 1 Esslöffel pro Ratte und Tag benötigt werden. Da Ratten einen hohen Stoffwechsel haben, sollte ihnen das Futter aber zur freien Verfügung stehen, das heißt, man bietet entweder morgens Trockenfutter und abends Frischfutter an oder umgekehrt. Doch Vorsicht bei kastrierten Böcken, da sie bei Überangebot zur Verfettung neigen, und es bei einer Gruppenhaltung schwierig ist, einzelne Tiere auf Diät zu setzen.

Kalorienarmes Frischfutter kann in großen Mengen verfüttert werden. Vorsicht ist geboten bei Kohlgewächsen, da Aufgasungen entstehen können. Auch Avocado sollte wegen des hohen Fettgehalts nicht angeboten werden. Ebenfalls nicht auf den Speiseplan gehören Zitrusfrüchte und größere Mengen kalorienreiches Obst. Sowohl Obst als auch Gemüse werden ohne Schale und Kerne gegeben. Als Beschäftigungsanreiz kann das Frischfutter in Futterhaltern, Foodballs oder Salatraufen an verschiedenen Stellen im Käfig angebracht werden. Je nach Größe der Gruppe sollte nur so viel Futter angeboten werden, wie von den Ratten gefressen wird. Bleibt am Ende des Tages viel Frischfutter übrig, verringert man die Mengen, um die Vermehrung von Fruchtfliegen zu verhindern.


Krankheiten und Tierarzt

Ratten können viele Krankheiten bekommen, die wir von uns selbst auch kennen. Aufgrund der geringen Lebenserwartung von nur zwei bis drei Jahren treten einige altersbedingte Erkrankungen ab einem Alter von 1,5 Jahren auf. Weibchen leiden oft unter Gesäugetumoren, die - frühzeitig erkannt - operativ entfernt werden können. Bei Weibchen wie Böcken können Atemwegserkrankungen auftreten, mit denen die Tiere allerdings lange leben können, wenn sie rechtzeitig behandelt werden. Als Krankheitsvorbeugung auch bei symptomfreien Ratten dienen die Verwendung von staubarmer Einstreu (oder der gänzliche Verzicht darauf), ein rauchfreies Rattenzimmer ohne Zugluft sowie regelmäßige Untersuchungen beim Tierarzt ab einem Alter von zwölf Monaten.

Farbratte: Jane23/pixelio.deBild: Jane23/pixelio.deAuch die Suche nach einem Tierarzt mit Rattenerfahrung ist entscheidend. Schon vor der Anschaffung sollte man sich über Tierärzte informieren. Bei der Recherche nach einem rattenerfahrenen Tierarzt in der Nähe können Rattenforen helfen (z. B. www.vdrd.de). Nicht selten wird gerade in ländlicher Gegend schnell zur Euthanasie und zum Kauf einer neuen Ratte geraten, weil der Aufwand einer Behandlung zu groß sei oder der Tierarzt schlicht und einfach nicht weiß, wie er der Ratte helfen könnte. Man darf nicht vergessen, dass Ratten sehr kleine Tiere sind, und alles, was über das Röntgen hinaus geht (Ultraschall, Blutabnahme), viel Kompetenz und Erfahrung verlangt. Selbst das einfache Abhorchen von Herz und Lunge beherrscht nicht jeder Tierarzt.

Wer sich vor der Anschaffung einer Rattengruppe ausreichend informiert und bei offenen Fragen auch Experten zu Rate zieht, kann mit den neugierigen und geselligen Nagern viel Freude haben! Weitere Informationen rund um das Thema Rattenhaltung findet man unter www.vdrd.de und in Fachbüchern.

Christine Brandt

VdRD e.V.

www.vdrd.de

 

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