Artgerechte Tierhaltung: Kaninchen

Das Kaninchen ist eines der beliebtesten Haustiere Deutschlands und zugleich das Tier, bei dessen Haltung die meisten Fehler gemacht werden.


Kaninchen sind kein Kinderspielzeug

KaninchenBild: Alexandra H/pixelio.deMit ihrem niedlichen Äußeren erwecken Kaninchen natürlich schnell den Eindruck eines Kuscheltieres, aber als Spielgefährten für Kinder sind sie nicht geeignet. Kaninchen sind Fluchttiere, die in für sie bedrohlich scheinenden Situationen sofort in ihre Verstecke flüchten. Deshalb bedeutet es für ein Kaninchen enormen Stress, festgehalten, getragen oder von mehreren Menschen bedrängt zu werden. In ruhiger Atmosphäre genießen aber die meisten Kaninchen Streicheleinheiten von Menschen, die sie kennen. Bis es soweit ist, benötigt es allerdings Geduld, die vor allem kleinere Kinder nicht aufbringen können.

Generell gilt daher: Kaninchen sind als Haustiere für Kinder nur dann sinnvoll, wenn die Kinder bei der Beschäftigung mit den Tieren geduldig und ruhig genug sind. Weiterhin sollten Kaninchen nie alleine für die Kinder angeschafft werden, da diese unter Umständen doch irgendwann das Interesse verlieren oder einfach keine Zeit mehr haben, sich ausreichend um die Tiere zu kümmern. Deshalb muss vor der Anschaffung der neuen Haustiere sichergestellt sein, dass sich auch die Eltern gerne mit den Kaninchen beschäftigen und genügend Zeit haben, sie täglich artgerecht zu versorgen. Bevor die Langohren dann schließlich einziehen, sollte man sich außerdem der Tatsache bewusst sein, dass die Tiere bei artgerechter Haltung durchaus zehn Jahre alt werden können.


Der Albtraum vom einsamen Kaninchen

Kaninchen brauchen GesellschaftBild: Maja Dumat/pixelio.deWildkaninchen, die „Ahnen“ unserer Hauskaninchen, leben in Gruppen von zehn und mehr Tieren. Daraus ergibt sich von selbst, dass Kaninchen niemals (!) einzeln gehalten werden dürfen. Auch wenn das Tier engen Kontakt zu seinem Pfleger aufbaut, kann ihm der Mensch nie Ersatz für einen Artgenossen sein. Auch die oft praktizierte Vergesellschaftung mit einem Meerschweinchen ist nicht artgerecht. Obwohl sich Kaninchen und Meerschweinchen zwar meist akzeptieren, handelt es sich dennoch um zwei verschiedene Tierarten, die nie auf dieselbe Art miteinander kommunizieren können wie sie es mit einem Artgenossen tun. Um ihr arttypisches Verhalten ausleben zu können, sollten Kaninchen ihr Gehege mit zumindest einem Artgenossen teilen, gerne aber auch mit mehreren.

Hat man nur Platz für zwei Kaninchen, bietet sich ein Paar an. Bei dieser Konstellation sollte der Bock natürlich kastriert sein. Kleine Rassen werden mit ungefähr vier Monaten geschlechtsreif und können sechs- bis zehnmal im Jahr bis zu zehn Junge werfen. Wie viele Kaninchen dann in kürzester Zeit auf der Suche nach einem neuen, artgerechten Zuhause sind, kann sich jeder selbst ausrechnen… Bei einem gleichgeschlechtlichen Paar ist leider nicht immer Harmonie garantiert. Bei der Haltung zweier Böcke müssen diese zwingend kastriert sein, damit ein Zusammenleben funktioniert; am besten man hält zwei Wurfgeschwister. Zwei weibliche Tiere harmonieren erfahrungsgemäß fast nie miteinander; nicht einmal, wenn es sich um Geschwister handelt.

Möchte man eine Kaninchengruppe neu zusammenstellen, sollte man darauf achten, dass die Tiere auch bezüglich des Alters und Charakters zusammenpassen. Zur Integration von Neuzugängen werden in der Fachliteratur verschiedene Methoden empfohlen. Zwei Tiere in benachbarten Käfigen aneinander zu gewöhnen, funktioniert beispielsweise nicht immer, - oft schürt diese Methode vorhandene Aggressionen bei den Tieren. Meist lassen sich zwei Kaninchen auf neutralem Boden gut miteinander vergesellschaften. Unter Umständen jagen sich die Tiere dann zwar, und es kann jede Menge Fell fliegen, eingreifen sollte man aber wirklich nur dann, wenn Verletzungen absehbar sind.


Die richtige Ernährung

Kräuterkugeln bieten BeschäftigungBild: Malena/pixelio.deHartnäckig hält sich das Gerücht, dass Pellets, Trockenfutter und Brot benötigt werden, um beim Kaninchen für einen natürlichen Zahnabrieb zu sorgen. Das ist ein fataler Irrtum, denn Trockenfutter kann für Kaninchen sogar sehr schädlich sein. Handelsübliches Trockenfutter oder Pellets enthalten viel Getreide und damit sehr viele Kohlenhydrate, die zu Verdauungsbeschwerden und Verfettung führen können. Idealerweise sollte sich der Speiseplan ihres Langohrs am Nahrungsspektrum des Wildkaninchens orientieren, das Gräser, Kräuter, Gemüse und selten Obst frisst. Frisches, staubarmes Heu sollte den ganzen Tag über zur Verfügung stehen, es dient unseren Hauskaninchen als Grundnahrungsmittel. Kaninchen haben einen sogenannten Stopfdarm, das heißt, der Nahrungsbrei wird nicht durch Darmbewegungen, sondern durch nachkommende Nahrung weitergeleitet. Um eine gute Verdauung zu gewährleisten, muss das Kaninchen demnach rund um die Uhr die Möglichkeit haben, Heu zu fressen.

Die tägliche Gabe Grünfutter kann man auf (ungedüngten, straßenfernen) Wiesen pflücken. Hierbei aber Vorsicht vor Giftkräutern wie beispielsweise dem Jakobskreuzkraut. Außerdem bietet man den Kaninchen am besten täglich eine Auswahl an frischem Gemüse an, die beispielsweise aus Möhren, Chicorée, Gurken (geschält), Paprika und Tomaten (ohne Grünteile), Sellerie, Brokkoli und Salat bestehen kann. Mehrmals in der Woche sind auch Kräuter (zum Beispiel Dill, Petersilie und Basilikum) ein Highlight. Um die Tiere zu beschäftigen, kann man Kräutersträuße so aufhängen, dass sich die Kaninchen aufrichten müssen, um an den Leckerbissen zu kommen. Beschäftigung und eine Unterstützung des Zahnabriebes bieten außerdem verschiedene Zweige. Hier unbedingt darauf achten, dass nur ungiftige Bäume und Sträucher wie Apfel, Birne, Haselnuss und Birke verwendet werden. Bei der Fütterung gilt: Kaninchen nur langsam an neues Futter gewöhnen (auch bei einer Umstellung von Trocken- auf Grünfutter), da der empfindliche Verdauungsapparat sonst mit Durchfall reagiert.

Wasser wird naturnah in schweren Tontöpfen angeboten, denn handelsübliche Trinkflaschen verlangen den Tieren eine unnatürliche Kopfhaltung ab, sind schwierig zu säubern, und bei Außenhaltung kann die Zunge des Kaninchens im Winter an den Metallteilen festfrieren.


Das perfekte Gehege

Fabienne Schoch 8Bild: Fabienne SchochHier gilt: Je größer, desto besser. Ideal sind Gehege, die rund um die Uhr Freilauf bieten. Bei der Gestaltung eines Außengeheges sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt; einige Punkte gilt es allerdings zu beachten: Am besten werden zwei Seiten der Anlage komplett verschlossen und ein Teil überdacht. So sind die Tiere vor Wind und Nässe geschützt und haben im Sommer einen schattigen Bereich. Alle Seiten, der Boden und das Dach müssen absolut ein- und ausbruchsicher sein. Bei Naturboden sollte man in dreißig bis fünfzig Zentimeter Tiefe feuerverzinkten, rostfreien Volierendraht verlegen, dessen hochgeklappte Seiten mit dem oberirdischen Gehege verbunden sind. Um Marder, Wiesel und Ratten fernzuhalten, muss der Draht mindestens 1,4 Millimeter stark sein und darf eine Maschenweite von 12 Millimetern nicht überschreiten. Herkömmlicher Kaninchendraht eignet sich nicht; er ist zu dünn und rostet schnell! Schwachstellen im Gehege (beispielsweise Übergänge zwischen Dach, Seitenteilen und Türen) müssen ebenfalls sicher mit Draht verschlossen werden. Fertigt man Wände und Dach aus Draht, müssen diese (beispielsweise mit Krampen oder Schrauben) fest mit tragenden Balken verbunden sein, damit keine Schlupflöcher entstehen.

InnengehegeBild: Jutta ZimmerAuch die Innenhaltung kann artgerecht sein, wenn man sich bei der Gestaltung des Geheges Mühe gibt. Heizungs- und Ofenhitze vertragen Kaninchen nicht gut. Ihre Wohlfühltemperatur liegt bei 15-18°C. Als Mindestgröße für ein Gehege werden ungefähr 3 m² pro Tier empfohlen.
Ein eigenes Kaninchenzimmer bietet den Tieren rund um die Uhr viel Platz, aber auch wenn man keinen separaten Raum zur Verfügung hat, kann man alternativ eine Fläche im Wohnbereich abtrennen. Dazu eignen sich beispielsweise flexible Gehegegitter von mindestens einem Meter Höhe. Bei der Gestaltung und Befestigung des Geheges sind auch hier der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Jedem Tier sollte im Gehege ein eigenes Häuschen beziehungsweise ein Unterschlupf aus unbehandeltem Holz zur Verfügung stehen. Die von Natur aus neugierigen Kaninchen beschäftigen sich gerne mit einer Buddelkiste, Zweigen, Holztunneln und Papprollen.

Viele Bilder und Anregungen zum Bau von Kaninchengehegen finden Sie auch auf:

www.sweetrabbits.de
www.bunny-in.de
www.die-kaninchen-info.de

 

 

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