Artgerechte Tierhaltung: Hühner

Haushuhn_Kurt Bouda/pixelio.deBild: Kurt Bouda/pixelio.deBilder von Legebatterien, wo tausende Hühner in großen Hallen in winzigen Drahtkäfigen zusammengepfercht werden, sind wohl jedem bekannt und (fast) alle Menschen sind sich einig, dass dies keine artgerechte Haltung für ein Huhn sein kann. Artgerechte Haltung bedeutet vielmehr, dass die Hühner angeborene Verhaltensweisen ausleben können. Wie man die Voraussetzung für solch ein artgerechtes Hühnerleben schafft, soll im Folgenden beschrieben werden.

Als Urahn unserer Haushühner gilt das Bankivahuhn, das im asiatischen Raum vorkommt und bereits vor ca. 3000 Jahren domestiziert wurde. Heute gibt es allein in Europa über 180 verschiedene Hühnerrassen, die man grundsätzlich in die Mittelmeerrassen (leichter Typ) und die asiatischen Rassen (schwerer Typ) unterteilt. Industriell als Lege- oder Masthühner genutzte Tiere sind heute sogenannte Hybridhühner, bei denen es sich nicht um wirkliche Hühnerrassen handelt, da sie aus der Kreuzung zweier Inzuchtlinien entstehen. Diese Hybride sind Hochleistungshühner, die gezielt auf hohe Eiproduktion oder Fleischertrag gezüchtet wurden. Rassehühner legen hingegen weniger Eier und setzen auch weniger Fleisch an, sind dafür aber wesentlich robuster als Hochleistungshybride.


Natürliches Verhalten

Hühnergruppe_Regina Kaute/pixelio.deBild: Regina Kaute/pixelio.deHühner fühlen sich nur in Gruppen wohl, Untersuchungen haben ergeben, dass sie mehr als 100 Artgenossen voneinander unterscheiden können. In den Gruppen gibt es eine sogenannte Hackordnung, eine Rangordnung, die das soziale Miteinander der Tiere regelt. Das Huhn, das in der Rangordnung oben steht, darf beispielsweise als erster fressen und den höchsten Schlafplatz wählen. Im Normalfall stehen ältere Tiere an der Spitze der Hackordnung, denn jüngere bringen meist nicht den Mut auf, sich gegen die älteren Gruppenmitglieder zu behaupten. Hähne streben naturgemäß nach der Führungsposition in der Gruppe, da sich Hennen nicht von rangniederen Hähnen begatten lassen. Der Hahn hat in der Gruppe außerdem die Aufgabe vor Gefahren zu warnen und seine Hennen notfalls zu verteidigen, auch kommt es vor, dass Hähne einen Streit unter Hennen schlichten. Der Hahn ist also ein wichtiges Mitglied der Gruppe und sollte in keiner Hühnerschar fehlen. Hühner verständigen sich neben ihrer Körpersprache mithilfe von mehr als 30 verschiedenen Lautäußerungen, wobei es beispielsweise Laute für Warnungen vor verschiedenen Feinden, für die Kommunikation zwischen Glucke und Küken und für die Futtersuche gibt. Auffallend ist, dass domestizierte Hühner wesentlich mehr Lautäußerungen nutzen als ihre wilden Verwandten.

Eine artgerechte Hühnerhaltung ermöglicht nicht nur die Ausbildung einer Sozialstruktur, sondern gibt den Hühnern auch Raum für andere angeborene Verhaltensweisen, wie beispielsweise das ausgiebige Scharren bei der Futtersuche. Auch das Baden im Sand ist typisch für Hühner und andere Vögel, wobei es sich dabei nicht nur um reines Komfortverhalten, sondern um einen Schutz vor Parasiten handelt.


Auch Hühner benötigen Platz

Hühnerauslauf_Joujou/pixelio.deBild: Joujou/pixelio.deDer Platz, den man Hühnern sowohl im Stall als auch im Auslauf zur Verfügung stellen sollte, richtet sich nach Rasse und Anzahl der Hühner. Generell gilt natürlich der Grundsatz: Je größer, desto besser. Allerdings sind Hühnern weite Wege lästig, was auch dadurch bedingt ist, dass Hühner extrem kurzsichtig sind und stillstehende Objekte nur bis zu einer Entfernung von 50 m sehen können. Auch bewegen sie sich gerne in Bereichen, die ihnen nach oben Deckung bieten. All dies sollte man bei der Planung eines Hühnerstalls und Geheges beachten. Als Faustformel rechnet man etwa 10 m² Auslauffläche für ein großes Huhn und im Stall passen etwa 3-4 mittelgroße Hühner auf einen Quadratmeter, wobei dies natürlich nicht für eine reine Stallhaltung gilt. Der Stall sollte gut belüftet sein (kein Durchzug!) und Fenster haben, die ausreichend Tageslicht herein lassen. Die Ausstattung des Hühnerstalls kann sich auf Sitzstangen, Legenester, Tränke und Futtertrog beschränken. Mehr brauchen Hühner als Stalleinrichtung eigentlich nicht, zudem ist ein Stall mit zuviel Innenausstattung schwer zu reinigen und zu desinfizieren.

Die Sitzstangen sollten mindestens einen Meter über dem Boden und alle in der gleichen Höhe angebracht sein, um Rangstreitigkeiten zu vermeiden. Außerdem müssen sie höher als die Nester angebracht sein, da die Tiere ansonsten die Nester als Schlafmöglichkeit nutzen. Ein Huhn sollte mindestens 25 cm der Sitzstange in Anspruch nehmen können. Ein Kotbrett unter den Stangen ist ebenfalls empfehlenswert, um die Einstreu des Stalls sauber zu halten. Bei Legenestern gelten die Maße 35 x 35 x 35 cm, wobei nicht für jede Henne ein eigenes Nest benötigt wird, wenn die Eier nicht bebrütet werden sollen. Beim Bau oder Kauf eines Nestes sollte man darauf achten, dass es leicht zu reinigen ist. Als weiches Polster für das Nest eignet sich Heu am besten, während im Stall Sägespäne oder gehäckseltes Stroh gute Dienste leisten.

Was Wasser- und Futterbehältnisse angeht sind Hühner nicht wählerisch. Wichtig ist nur, dass sie nicht so leicht verschmutzt werden können, einfach zu reinigen und groß genug sind. Hält man 10 Hühner, muss man beispielsweise mit einem Wasserbedarf von 2 Litern rechnen. Im Stall oder auch im Auslauf nicht fehlen sollte ein Sandbad, das die Hühner auch bei schlechtem Wetter nutzen können. Der Staub hilft lästige Parasiten wie Federlinge oder Milben loszuwerden und steigert außerdem das Wohlbefinden des Huhns.


Das richtige Futter

Hühnerschar_Günter Havlena/pixelio.deBild: Günter Havlena/pixelio.deIn der Natur fressen Hühnervögel Samen, Würmer, Insekten oder Beeren. Hühner sind also keineswegs reine Körnerfresser wie man vermuten könnte, sie benötigen im Gegenteil eine abwechslungsreiche Ernährung, um ihren Bedarf an verschiedenen Mineralien decken zu können. Rund 120 g Futter verspeist ein 2,5 kg schweres Huhn pro Tag, man sollte den Futterbedarf also nicht unterschätzen. Handelsübliche Futtermischungen reichen meist aus, um den Nährstoffbedarf zu decken, allerdings muss dabei auch beachtet werdet, welches Futter das Huhn bereits im Auslauf findet.

Legehennen benötigen selbstverständlich eine andere Futterzusammensetzung als Junghennen, da bei der Produktion von Eiern viel Eiweiß und Kalzium verloren geht. Legemehl, gemahlen oder in pelletierter Form, kann als Alleinfutter oder Zusatzfutter genutzt werden und bietet vor allem Eier legenden Tieren ausreichend Nährstoffe und Eiweiße. Auch in der Mauser benötigen Hühner eine erhöhte Eiweißzufuhr, dazu eignet sich beispielsweise eine Zufütterung von Quark, Kartoffeln, Bohnen, Hirse und Soja. Hühner wählen ihr Futter vor allem nach der Optik aus und bevorzugen dabei Futtermittel, die Ähnlichkeit mit einem Weizenkorn haben. Aber auch Essenreste eignen sich dann und wann gut als Hühnerfutter, wobei man allerdings darauf achten sollte, dass das Futter nicht zu salzig und fett ist, da die Hühner sonst schnell verfetten und auch weniger Eier legen.

Das aufgenommene Futter gelangt zuerst in den Kropf und wird dort eingeweicht. Im nächsten Schritt wird das Futter durch den Drüsenmagen in den Muskelmagen befördert, wo das Futter durch Muskelbewegung zerkleinert wird. Erleichtert wird dies durch kleine Steinchen, die die Hühner aktiv aufnehmen.


Wenn das Huhn krank wird…

… ist oft die gesamte Hühnergruppe gefährdet. Zu den aggressiven Erkrankungen zählen die Newcastle-Krankheit (atypische Geflügelpest) und die Mareksche-Lähmung, beides Infektionen, die durch Viren bedingt sind. Bei der Newcastle-Krankheit werden Lunge, Darm und das Nervensystem befallen, es kommt zu zentralnervösen Störungen wie Krämpfen, Kopfdrehen und Kreisbewegungen. Auch bei der Marekschen Krankheit ist das Nervensystem betroffen, die Folge sind Lähmungserscheinungen. Gegen beide Krankheiten gibt es Impfungen und im Falle der Newcastle-Krankheit ist eine Impfung gesetzlich vorgeschrieben. Nach der Grundimmunisierung muss hier in vierteljährlichem Abstand nachgeimpft werden – eine Pflicht, der nur wenige Privathalter nachkommen.

Auch gegen Kokzidiose kann eine Impfung sinnvoll sein, denn Kokzidien befallen den Darm und führen zu blutigem Durchfall, der zum Tod führen kann. Grundsätzlich sind Hühner oft von Ektoparasiten wie der Roten Vogelmilbe oder Federlingen befallen, was meist aber an einer mangelnden Stallhygiene liegt. Die Rote Vogelmilbe saugt an den Hühnern Blut und zieht sich dann in Schlupflöcher im Stall zurück, besonders häufig findet man die Milbennester beispielsweise an den Auflagestellen der Sitzstangen. Bei einem starken Milbenbefall kann das Huhn sogar an Blutarmut sterben.
Um die Milbe zu bekämpfen, muss man nicht nur das Huhn sondern auch den Stall behandeln. Gut eignet sich dazu Kieselgur, der die Milben austrocknet, wenn er nach einer gründlichen Reinigung großzügig im Stall verteilt wird. Auch gegen Federlinge ist dieses natürliche Bekämpfungsmittel wirksam. Die kleinen lausartigen Parasiten findet man vor allem an der Unterseite der Flügel und sie verursachen beim Huhn starken Juckreiz und Unbehagen. Durch Einpudern des Huhnes und durch das Bereitstellen eines Sandbades kann man die Lästlinge aber schnell wieder loswerden.


Intelligenzbestie Huhn

Rainer Sturm/pixelio.deBild: Rainer Sturm/pixelio.deHühner gelten gemeinhin nicht als die Intelligenzbestien unter den Tieren, diesen schlechten Ruf haben sie aber zu Unrecht. Hühner zeigen nicht nur ein ausgeprägtes Sozialverhalten, sie gleichen in ihren kognitiven Fähigkeiten auch Säugetieren. So versteht ein Huhn beispielsweise, das ein Gegenstand noch vorhanden ist, wenn man ihn versteckt. Dies reicht über die Fähigkeiten eines Kleinkindes hinaus.

Was Forscher erst mit langwierigen Verhaltensbeobachtungen entdecken müssen, wissen Hühnerhalter schon lange: Hühner sind nicht dumm! Sie kommunizieren über eine Vielzahl verschiedener Laute miteinander und lernen verblüffend schnell. Einem zahmen Huhn kann man durchaus Kunststücke beibringen. Es lohnt sich also im wahrsten Sinne des Wortes einmal einen Blick über den Tellerrand zu werfen und Hühner nicht einzig als Ei- und Fleischlieferanten, sondern als intelligente und interessante Haustiere zu betrachten.

 

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