Artgerechte Tierhaltung: Hamster - Ein Text der Hamsterhilfe NRW

Der Hamster wird als Heimtier zunehmend beliebter. Niedlich anzusehen, vermeintlich mit wenig Platzbedarf und relativ geringer Lebenserwartung hält das putzige Tierchen oft Einzug in die Kinderzimmer. Ist der nachtaktive Einzelgänger wirklich so anspruchslos?
Hier möchten wir die verschiedenen Hamsterarten und ihre Bedürfnisse vorstellen.

Syrischer Goldhamster

Goldhamster_Hamsterhilfe NRWDer größte als Heimtier lebende Hamster ist der aus Syrien stammende Goldhamster (Mesocricetus auratus), der zu den mittelgroßen Hamsterarten gehört. Ihn gibt es mit kurzem, weichem Fell und auch mit langen Haaren; letzterer wird umgangssprachlich oft als Teddyhamster bezeichnet. Das Fell des männlichen Teddys ist länger als das des weiblichen. Der Goldhamster wird ungefähr fünfzehn bis neunzehn Zentimeter groß und erreicht ein Gewicht von achtzig bis hundertsechzig Gramm. Er hat ein gutes Gehör und einen ausgezeichneten Geruchssinn.
In freier Wildbahn, der Hochebene von Aleppo, lebt der syrische Goldhamster auf Feldern, und gern gräbt er sich seinen Bau an den Feldrändern circa siebzig Zentimeter und mehr tief in die Erde. Der Bau besteht meist aus mehreren Kammern, mindestens eine dient der Vorratshaltung, eine andere wird als Schlaf- und Nistraum weich ausgepolstert. Hier verschläft das kleine Tier den ganzen Tag, erst nachts wird es aktiv und begibt sich in einer für ihn interessanten Umgebung auf Futtersuche; etwa neun Kilometer soll es dabei nächtlich umherwandern.

Goldhamster mit Jungtieren_Hamsterhilfe NRWAls Heimtier erwacht der syrische Goldhamster spätabends, oft zwischen 22:00 und 23:00 Uhr. Vorzeitiges Wecken führt zu Stress, Erkrankungen und Verhaltensstörungen wie beispielsweise Bissigkeit. Auch in menschlicher Obhut sollte das kleine Tier nun eine Umgebung vorfinden, die seinen Lauf-, Buddel- und Erlebnisbedürfnissen entspricht. Sein Gehege sollte mindestens 100 x 50 cm Grundfläche haben und ausreichend hoch (wenigstens zehn Zentimeter, besser mehr) eingestreut sein, dabei erhöhen verschiedene Einstreuarten das Buddelvergnügen. Ein bis zwei Hamsterhäuser oder ein Mehrkammerhaus werden zu seinem Bau mit Vorrats- und Schlafplatz. Interessant gestaltet wird das Gehege durch unterschiedliche Verstecke und Beschäftigungsmöglichkeiten wie beispielsweise Korktunnel und Weidenbrücken. Der Buddelfreudigkeit und der Fellpflege dient ein ausreichend großes Sandbad (z.B. 30 cm lang, 20 cm breit und 10 cm hoch) mit Chinchillasand. Auch in Gefangenschaft möchte der Hamster viele Kilometer laufen; dies wird durch ein ausreichend großes, sicher gestaltetes Laufrad (ab 27 cm Durchmesser, eine geschlossene Wand, ohne Schereneffekt) und gesicherten Auslauf in der Wohnung ermöglicht.

Goldhamster im Sandbad_Hamsterhilfe NRWEin syrischer Goldhamster ist kein Vegetarier. In seiner natürlichen Umgebung ernährt er sich von Getreide (z.B. Hirse, Gerste, Hafer und Roggen), von Grassamen und frischem Gras, von Kräutern und einigen Blüten sowie von Insekten und deren Larven. Das Futter in der Heimtierhaltung sollte dem in der Natur nachempfunden sein und keine Farb-, Konservierungsstoffe oder Zucker enthalten. Frisches Gras mit seinen wichtigen Vitaminen kann durch die Gabe von frischem grünem Gemüse wie Salatgurke, Brokkoli und ähnlichem ersetzt werden. Rotes Gemüse und Früchte (kein Steinobst) werden wegen des enthaltenen Fruchtzuckers nur in Maßen angeboten. Gammarus, Steppengrillen, Heuschrecken und Mehlwürmer sorgen auch getrocknet für das notwendige tierische Eiweiß.

Dsungarischer Zwerghamster und Campbell-Zwerghamster

Dsungarischer Zwerghamster_Hamsterhilfe NRWAuf den ersten Blick erinnert der Dsungarische Zwerghamster (Phodopus sungorus) an einen kleinen Buddha. Ausgewachsen ist er zwischen acht und zehn Zentimeter groß und wiegt in der Regel zwischen achtundzwanzig und fünfzig Gramm. Der ursprüngliche natürliche Lebensraum der Dsungarischen Zwerghamster sind die großen Steppen im nordöstlichen Kasachstan, im südwestlichen und südlichen Sibirien und dem angrenzenden China. Sein „Nachbar“, der Campbell-Zwerghamster (Phodopus campbelli) bewohnt die Steppen und Halbwüsten der Mongolei, des nordöstlichen Chinas, die Altairegion und die Gebirgsregion Daurien. Er ist ebenfalls ungefähr acht bis zehn Zentimeter groß. Das durchschnittliche Gewicht von Wildfängen liegt bei circa dreiundzwanzig Gramm. In der Heimtierhaltung ist ein Gewicht von ungefähr dreißig bis fünfzig Gramm als normal einzustufen. Leider ist der Campbell-Zwerghamster in Heimtierhaltung diabetesgefährdet.

Campbell-Zwerghamster_Hamsterhilfe NRWDer Bewegungsdrang beider Zwerghamsterarten ist groß, die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere laufen in der Natur viele Kilometer. Daher lieben sie es auch als Heimtier, in ihrem möglichst großen Gehege (mindestens 100 x 50 cm) herumzuflitzen, alles zu erkunden, über Wurzeln, Brücken sowie auf kleine Anhöhen zu klettern. Sie mögen ein sicheres Laufrad in angemessener Größe (25 - 27 cm im Durchmesser), buddeln gerne und benötigen zur Fellpflege ein Chinchillasandbad. Vogelsand ist für alle Hamsterarten ungeeignet, da er die Haut verletzt und das Fell schädigt. Wie in der Natur benötigen sie auch in ihrem Hamsterheim ausreichend Versteckmöglichkeiten aus natürlichen Materialien wie Korktunnel und Weidenbrücken. Die Einstreu sollte wenigstens zehn Zentimeter hoch sein. Die Hamster möchten sich auch als Heimtiere ein kuscheliges Nest bauen. Dazu benötigen sie ein oder zwei Häuser, am besten aus Holz. Zum Polstern mögen sie weiche, natürliche Materialien wie kleingeschnittenes Heu, kurze Hanf- oder Flachsfasern oder ungebleichten Zellstoff.

Campbell Zwerghamster_Hamsterhilfe NRWUnterschiedlich ist in der Natur - aufgrund des andersartigen Lebensraumes - der Tisch dieser beiden Arten gedeckt. Auf dem Speiseplan der wildlebenden Dsungarischen Zwerghamster stehen Kräuter, Sämereien, Wurzeln, Körner in geringen Mengen, fette Käferlarven und kleinere Insekten. Ein ausgewogenes Futter mit verschiedenen Kleinsämereien, Kräutern, einigen Körnern und Eiweißquellen wie Mehlwürmern oder Gammarus ist in der Heimtierhaltung Grundlage für eine artgerechte Ernährung. Der Lebensraum des Campbell-Zwerghamsters ist karger, seine Quellen für tierisches Eiweiß (Insekten und Käfer) sind geringer und enthalten weniger Fett; überwiegend ernährt er sich von Kräutern und Pflanzensämereien. Das Hauptfutter des Heimtieres sollte entsprechend ausgewogen sein. Beiden Arten sollte täglich frisches grünes Gemüse angeboten werden. Aufgrund des Fruchtzuckergehaltes sollte bei der Fütterung gänzlich auf Früchte verzichtet werden. Frisches Wasser in einem kleinen Napf muss immer zur Verfügung stehen (keine Trinkflasche).

Roborowski-Zwerghamster

Roborowski-Zwerghamster_Hamsterhilfe NRWDer Futterplan der kleinsten Zwerghamsterart in Menschenhaltung ist mit der Dsungaren-Fütterung vergleichbar. Der Roborowski-Zwerghamster (Phodopus roborovskii) bewohnt ursprünglich die Wüstensteppe Gobi und angrenzende Regionen. Er misst ausgewachsen zwischen fünfeinhalb und neun Zentimeter und wiegt dabei zwanzig bis fünfundzwanzig Gramm. In der Zucht gibt es Fellfärbungen, bei denen das Gesicht vollständig weiß ist. Dies gilt als Qualzucht, da diese Tiere häufig an einem Gendefekt, der „Dreherkrankheit“ leiden. Von Versteck zu Versteck huscht das scheue Tierchen viele Kilometer durch seinen natürlichen Lebensraum, der im Wesentlichen aus karg bewachsenem Sandboden besteht.
Hat ein Robo nicht die Möglichkeit, den verlassenen Bau eines anderen Tieres zu nutzen, gräbt er eine lange Röhre zu einer Nistkammer, die er weich polstert und gleichzeitig zur Vorratshaltung nutzt. Auch als Heimtier bleibt der Roborowski-Zwerghamster meist ein relativ scheues Beobachtungstier. Sein Gehege sollte eine Grundfläche von mindestens 100 x 45 cm haben; ein Drittel davon sollte mit mindestens fünf Zentimeter hoch eingestreutem Chinchillasand, der Rest mit wenigstens zehn Zentimeter Einstreu gefüllt sein. Viele Versteckmöglichkeiten aus natürlichen Materialien wie Holzröhren, Korktunnel, Keramikhöhlen und -häuschen gehören zur Einrichtung. Der Durchmesser seines sicheren Laufrads beträgt zwanzig Zentimeter. Zusätzlich benötigt er ein Holzhaus, in dem er sich ein weich gepolstertes Nest bauen kann. Zu- und Aufgänge im Gehege sollten eher flach gehalten werden, da der Roborowski-Zwerghamster zwar ein guter Läufer, aber ein schlechter Kletterer ist.

Chinesischer Streifenhamster

Chinesischer Streifenhamster_Hamsterhilfe NRWGute Kletterer hingegen sind die als Haustiere selteneren Chinesischen Streifenhamster (Cricetulus griseus), die zu den langschwänzigen Zwerghamstern gehören. Das natürliche Verbreitungsgebiet sind das Flachland und die Wälder Nordchinas sowie der südlichen Mongolei. Chinesische Streifenhamster werden neun bis dreizehn Zentimeter groß und wiegen zwischen dreißig und vierzig Gramm. Ihr Körper ist schmaler als der anderer Zwerghamsterarten; den längeren Schwanz können sie zum Ausbalancieren nutzen; er dient als Hilfe beim Klettern.

Sein Gehege mit einer Mindestgrundfläche von 100 x 45 cm sollte, neben genügend Einstreu (mindestens zehn Zentimeter) und Versteckmöglichkeiten, mehrere Ebenen sowie viele Klettermöglichkeiten aus natürlichen Materialien enthalten. Dafür eignen sich beispielsweise Birkenholzstämmchen, schräg gestellte Korkhalbröhren, Haselnussäste und Weidenbrücken. Selbstverständlich dürfen auch ein Holzhäuschen mit natürlichem Polstermaterial, ein Sandbad mit Chinchillasand zur Fellpflege und ein sicheres Laufrad mit einem Durchmesser von fünfundzwanzig Zentimetern nicht fehlen. Das Futter für den dämmerungs- und nachaktiven Einzelgänger besteht, wie in der Natur, aus Saaten und Samen, Kräutern und Gräsern sowie Insekten und ihren Larven. Er freut sich über eine hin und wieder gereichte Beere und über täglich angebotenes, grünes Gemüse. Meist ist es auf falsche Fütterung zurückzuführen, wenn der Chinesische Streifenhamster an Diabetes erkrankt. Selbstverständlich muss auch dem Chinesischen Streifenhamster stets ein mit frischem Wasser gefüllter Napf zur Verfügung stehen.

Allen Hamstern gemeinsam ist die Tätigkeit, die ihnen ihren Namen gibt. Sie sammeln auf ihren endlos langen Wanderungen das Futter in ihren Backentaschen und horten es in ihrem Bau. Alle sind sie zwar klein, aber nicht anspruchslos. Als Heimtier benötigen sie artgerechte Gehege, in die kein Salzleckstein, keine Hamsterwatte, keine Plastikeinrichtung und keine Trinkflasche gehören. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei zwei Jahren, beim Chinesischen Zwerghamster beträgt sie zwei bis vier Jahre.

 

Hedwig DresenTeddyhamster_Hamsterhilfe NRW
Hamsterhilfe NRW

www.hamsterhilfe-nrw.de

 

 

 

 

 

(Alle Bilder: Hamsterhilfe NRW)

 

Sehen Sie die eingebettete Bilder Galerie online bei:
http://etnev.de/tierschutz/artgerechte-tierhaltung/hamster#sigProId93b8089359

 

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