Artgerechte Tierhaltung: Frettchen

Verspielte Kobolde im Haus

Frettchen_Angelina Ströbel/pixelio.deBild: Angelina Ströbel/pixelio.deFrüher ausschließlich als Jagdgehilfen eingesetzt, sind Frettchen heutzutage beliebte Haustiere. Putzig anzusehen, wenn sie klein sind, können daraus Problemfälle werden, wenn sie erwachsen sind – zumindest dann, wenn die Tiere nicht artgerecht gehalten werden. Viele Frettchen werden dann grausam „entsorgt” oder zu Tierschutzfällen. Kerstin Wiedl, ETN-Mitglied und Expertin in Sachen „Problemfrettchen”, erklärt, was zu beachten ist, wenn man sich in diese ganz besonderen Tiere verliebt hat.

Bei guter Haltung und Pflege werden Frettchen im Durchschnitt acht bis zehn Jahre alt. Um glücklich mit den tagaktiven Tieren zusammenzuleben, müssen wichtige Regeln beachtet werden. Denn die Haltungsbedingungen von Frettchen, die zur Familie der Marderartigen gehören und damit Raubtiere sind, unterscheiden sich eklatant von denen anderer Haustiere. Werden die Tiere falsch gehalten oder gar gequält, können sie sich zu Beißern entwickeln. Es gilt also, sich vorab gründlich zu informieren - in Büchern, Zeitschriften oder dem Internet.


Gequält, geschunden, getötet

Frettchenwelpe_Vet-Archiv/pixelio.deBild: Vet-Archiv/pixelio.deDas Problem: Im Sommer werden unzählige Welpen gekauft – wenn sie klein und niedlich sind. Diese Tiere werden wieder abgegeben, sobald sie geschlechtsreif sind und nicht mehr niedlich, sondern anstrengend – und zudem Geld kosten. Denn Frettchen müssen kastriert werden! Ansonsten stinkt der Rüde und die Fähe stirbt. Denn Fähen bekommen die sog. Dauerranz, die meist tödlich endet, wenn nicht sofort operiert wird.

Wer im Frettchenschutz aktiv ist, weiß, wozu Menschen fähig sind. Frettchen werden unter grauenvollen Bedingungen gehalten, man fügt ihnen Schmerzen zu oder versucht, sie zu töten, sobald man ihrer überdrüssig ist. Lästig gewordene Frettchen werden an die Wand geworfen in der Hoffnung, dass sie dabei zu Tode kommen, andere einfach ausgesetzt, wohl wissend, dass sie nur eine kurze Zeit im Freien überleben können.

Zu Tausenden hocken Frettchen in winzigen, dunklen Käfigen, ohne Auslauf und Ansprache. Oft im Keller oder der Garage, wo sie ein grausames Schicksal erdulden. Aber auch Tiere, die ausschließlich im Käfig gehalten werden, das falsche Futter bekommen oder deren Bedürfnisse nicht beachtet werden, leiden unsäglich.


Wo bekommt man Frettchen?

Hat man sich für das Frettchen entschieden, sollte man eines der zahlreichen Tierheime oder einen Frettchenverein (Adressen im Internet) kontaktieren, die immer wieder Abgabetiere in ihren Auffangstationen haben, die dringend auf ein neues Zuhause warten. Gegen eine Abgabegebühr erhalten Sie geimpfte, gechippte und kastrierte Tiere sowie die Sicherheit, dass Ihnen bei Fragen und Problemen geholfen wird. Diese Tiere haben allesamt die schmerzliche Erfahrung machen müssen, ihr Zuhause zu verlieren, und manche leiden noch nach Jahren unter den Folgen.

Einige Zoohandlungen verkaufen im Frühsommer Frettchenwelpen. Da oft viel zu junge Welpen völlig überteuert angeboten werden, rate ich vom Kauf strikt ab. Auch Privatzüchter bieten Welpen an. Manche betreiben das sehr professionell und „produzieren” Welpen mit gewünschter Farbe auf Bestellung. Natürlich gibt es auch Züchter, die mit Herz und Verstand einen Wurf Welpen aufziehen und an ein ausgesuchtes Zuhause vermitteln. Es ist immer ratsam, sich bei einem Privatzüchter die Welpen anzusehen, sich ein Bild von der Unterbringung der Tiere zu machen und vor allem das Muttertier kennenzulernen, denn nur ein zutrauliches, gut gepflegtes und ernährtes Muttertier bringt tolle Welpen hervor.


Frettchen wollen beschäftigt werden

Mit Frettchen holt man sich kleine Kobolde ins Haus, die sehr verspielt sind, jede Menge Unsinn im Kopf haben und täglich mehrere Stunden Auslauf und Beschäftigung benötigen. Entsprechend sicher sollte das Umfeld gestaltet sein. Bücherregale, Mülleimer oder Blumentöpfe z. B. ziehen Frettchen geradezu magisch an. Wer also Wert auf eine noble Wohnungseinrichtung legt, der sollte den Frettchen einen eigenen Bereich zum Spielen überlassen – möglichst in   Reichweite von Menschen. Denn Frettchen sind Familientiere und am glücklichsten in der Nähe von Menschen. Allerdings sollte man vorsichtig sein, wenn kleine Kinder in der Familie leben. Die verspielten Frettchen lieben Fang- und Jagdspiele, wobei sie ihre Zähne einsetzen. Erst Kinder ab acht Jahren haben dafür die nötige Reife.


Einzelhaltung ist tabu!

Frettchen_Kai Tholen/pixelio.deBild: Kai Tholen/pixelio.deWichtigste Voraussetzung für potenzielle Halter: Frettchen dürfen NIE alleine gehalten werden. Ein Einzelhaltungstier ist einsam und wird Verhaltensstörungen aufweisen. Zwar sind Frettchen ausgesprochen menschenbezogen und werden das auch bleiben, selbst wenn sie mit mehreren Artgenossen zusammenleben, doch der Mensch kann den Kumpel nicht ersetzen. Es ist herzerwärmend zuzuschauen, wie Frettchen miteinander spielen, sich gegenseitig die Ohren putzen oder derart ineinander verknotet schlafen, dass man nicht mehr erkennen kann, wo das eine Tier anfängt und das andere aufhört.

Frettchen stinken! Dieses Vorurteil ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Wenn das Zuhause und die Katzentoiletten nicht peinlich sauber gehalten werden, dann stinken Frettchen in der Tat. Der Eigengeruch ist wie bei allen Wildtieren sehr intensiv. Diesen Geruch muss die menschliche Nase als angenehm empfinden, ansonsten sind Frettchen die falschen Haustiere.


Käfig oder Voliere?

Frettchen lassen sich sowohl in der Wohnung als auch im Außengehege halten. Am besten ist die kombinierte Haltung. Denn Frettchen, die viel draußen sind, sind natürlich robuster und widerstandsfähiger – und diese Haltung entspricht ihrem natürlichen Umfeld. Der Käfig sollte eine Fläche von mindestens 120 x 60 x 60 cm pro Tier und eine große Tür haben, damit er gut zu reinigen ist und die Frettchen bequem zu greifen sind. Am besten baut man zwei bis drei   Stockwerke und eine Treppe ein. Leider gibt es im Handel keine akzeptablen Frettchenkäfige, daher ist man auf handwerkliches Geschick angewiesen oder muss den Käfig von Fachleuten bauen lassen. Ein ausrangierter Schrank ist das optimale Gehäuse für einen Käfig. Gute Bauanleitungen findet man auch in allen Frettchenbüchern oder im Internet.

Ein Außengehege hat andere bauliche Anforderungen als ein Wohnungskäfig. Der große Unterschied ist, dass das Außengehege unbedingt eine isolierte Schlafbox benötigt sowie einen überdachten, wettergeschützten Bereich. Ein Schlafhaus ist bei Wohnungshaltung jedoch nicht immer zwingend notwendig. Meine Frettchen schlafen alle zusammen in einer Kiste mit Kleidung. Doch einige Tiere bestehen auf ihrem Schlafhaus. Dieses sollte die Mindestmaße von 35 x 35 x 30 cm und keinen zu kleinen Eingang besitzen. Futternäpfe aus Steingut und eine Nagertränke mit Kugelventil gehören dazu. Allerdings gibt es Frettchen, die nur aus Näpfen trinken!


Spielzeug und Pflege

Röhren, Katzenspielzeug oder eine Kiste mit Zeitungen sind für Frettchen tolle Spielzeuge. Eine Hängematte im Käfig ist ein Muss. Es empfiehlt sich, die Spielzeuge immer wieder auszutauschen, denn Frettchen lieben die Abwechslung. Es gilt unbedingt darauf zu achten, dass das Spielzeug kein Gummi oder Teile aufweist, die die Tiere abbeißen und verschlucken können – denn das bedeutet das Todesurteil für Frettchen.

Zur Ausstattung gehören auch eine Zecken- und eine Krallenzange sowie eine weiche Kurzhaarbürste. Frettchen haben übrigens ihre Losungsplätze im Käfig. Beim Freigang empfiehlt es sich, dort eine Katzentoilette mit ungebleichtem Katzenstreu hinzustellen.

Frettchen neigen durch die Züchtungen vermehrt zu bestimmten Krankheiten. Da sie erst sehr spät Krankheitssymptome zeigen, heißt es besonders aufmerksam den Tieren gegenüber zu sein. Eine jährliche Impfung durch einen Fachtierarzt wird empfohlen.


Wichtig: der richtige Speiseplan

Frettchen_Ali/pixelio.deBild: Ali/pixelio.deFrettchen sind Fleischfresser und benötigen deshalb unbedingt fleischliche Kost. Neben guten Fertigfutterangeboten, Nass- und Trockenfutter, kann man Muskelfleisch von Rind, Wild, Pferd und Geflügel anbieten. Innereien wie Leber, Nieren und Herz werden von manchen Frettchen sehr gern genommen. Eintagsküken sind eine ideale Futterquelle und decken alles ab, was ein Frettchen an Nährstoffen benötigt. Schweinefleisch hingegen ist tabu, da es die Aujezkysche   Krankheit auslösen kann, die tödlich verläuft. Zusätzlich zu den 80 % fleischlichem Futteranteil sollte man 20 % pflanzlichen Anteil anbieten, z.B. in Form von Gemüse- und Vollkornflocken, die unter das Futter gemischt werden. Eier (gekocht) oder etwas Obst sowie Babygläser oder Hüttenkäse mit Joghurt sind beliebte Leckereien. Je mehr Abwechslung auf dem Speiseplan, desto besser.

Dem typischen Bunkerverhalten beugt man am besten vor, indem man den Tieren ständig Trockenfutter anbietet. Es hat den Vorteil, dass es nicht schlecht werden kann und die Frettchen davon immer wieder kleine Mengen zu sich nehmen. Die oft empfohlene zweifache Fütterung am Tag fordert dagegen das Bunkerverhalten heraus.

Wer all diese Dinge beachtet, darf sich auf ein schönes, langes, wenn auch mitunter turbulentes Zusammenleben mit seinen Frettchen freuen. Man hat eben glückliche Kobolde im Haus!


Buchtipps:

Detailliertere Infos und viele Tipps zur Frettchenhaltung bieten u. a. die folgenden Bücher:

- Schwammer, Harald: Frettchen. Ulmer Verlag, 96 S., ISBN: 978-3-8001-5646-7, 17,90 Euro

- Ullrich, Martin: Quirlige Frettchen. Kosmos Ratgeber, 64 S., ISBN-10: 3-440-09068-X ISBN-13: 978-3-440-09068-8

 

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