Artgerechte Tierhaltung: Degus - Ein Text der Deguhilfe West e.V.

Degus_DHW Angela Heider-Willms Bild: DHW Angela Heider-Willms Degus eindeutig zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Ihr nächster bekannter Verwandter ist das Meerschweinchen, mit dem sie einige Verhaltensweisen, aber nicht das Aussehen gemeinsam haben. Degus sehen am ehesten großen Mäusen oder Ratten ähnlich, sind aber nicht artverwandt mit ihnen. Ihre facettenreiche Persönlichkeit, das soziale Verhalten und die vogelähnliche Lautsprache zu beschreiben fällt noch viel schwerer, so dass es meistens auf einen Besuch hinausläuft, um sich „diese Tierchen“ mal anzusehen. Meistens ist es dann Liebe auf den ersten Blick, denn dem Charme von Degus kann kaum jemand widerstehen. Ihnen beim Fressen, Nagen, Zwitschern und Kuscheln mit den Artgenossen zuzusehen ist einfach eine Freude. Voraussetzung für so ein glückliches Deguleben ist selbstverständlich die artgerechte Haltung.

Niemals alleine

Degus_DHW Nadine PahlBild: DHW Nadine PahlDie Zufriedenheit der hochsozialen Tiere steht und fällt mit der Gesellschaft anderer Degus. Sie müssen mindestens zu zweit, noch besser in einer Gruppe von drei oder mehr Tieren gehalten werden. Hierbei sind gleichgeschlechtliche Gruppen die erste Wahl, zum einen um Nachwuchs der vermehrungsfreudigen Degus zu vermeiden und zum anderen, weil sich Männchen im Kampf um Weibchen schwer bis tödlich verletzen können. Dieses Verhalten lässt sich leider auch nicht durch eine Kastration unterbinden; ein einzelnes, kastriertes Männchen in einer Gruppe von Weibchen zu halten, ist dagegen eine gute Möglichkeit. Da die Tiere ein sehr ausgeprägtes Revierverhalten haben, kann es in Gruppen immer mal wieder zu Rangeleien kommen. Aus demselben Grund sollte man Degus niemals einfach zusammensetzen, sondern sich vorher gründlich über das Thema „Vergesellschaftung“ informieren.


Platz satt für die Vielnager

Degus im Laufteller_Sari Tanuhardja www.iveseen.netBild: Sari Tanuhardja www.iveseen.netDegus sind sehr aktiv und brauchen viel Platz, um ihren Bewegungsdrang ausleben zu können. Zwei bis drei Tiere sollten auf mindestens 100 x 50 x 100 cm untergebracht werden – je größer, desto besser. Dieser Raum sollte durch sogenannte Vollebenen optimal genutzt werden, um die Lauffläche der Tiere zu maximieren, das heißt, man setzt Ebenen ein, die genau so groß sind wie die Grundfläche des Käfigs und sägt nur ein kleines Loch hinein, damit die Tiere zwischen den Ebenen wechseln können. Ideal ist hierbei ein Abstand von 30 bis 40 cm zwischen den Ebenen.
Degus sind Nagetiere im wahrsten Sinne des Wortes – Plastik (bei Verschlucken lebensgefährlich!) und sogar dünner Draht stellt für ihre scharfen Zähne kein Hindernis dar. Daher scheiden Käfige aus diesem Material aus. Holzkanten bei selbstgebauten Käfigen sollten unbedingt mit Aluschienen gesichert werden. Die im gängigen Zoohandel erhältlichen Volieren und Terrarien sind meist entweder zu klein für die Deguhaltung, schwer zu reinigen, unzureichend belüftet oder nicht ausbruchsicher. Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann man sich auch einen eigenen Käfig bauen. Anregungen und Beispiele für den Käfigbau finden sich auf unserer Internetseite www.deguhilfe-west.de unter dem Punkt „Käfigbeispiele“.


Der richtige Standort

Der Gesundheit der Tiere zuliebe sollte der Käfig von Lärm, Zugluft, Zigarettenrauch und ständiger Sonneneinstrahlung abgeschirmt sein. Ein von der Sonne beschienenes Eckchen des Käfigs wird jedoch gerne und ausgiebig zum Sonnenbaden genutzt. Bei der Käfigeinrichtung gilt wie auch beim Käfig selbst: Vor den Zähnen eines Degus ist so gut wie nichts sicher. Gleichzeitig brauchen Degus aber auch die Möglichkeit, ihre ständig nachwachsenden Zähne und Krallen abzunutzen. Hier eignen sich beispielsweise Brücken aus Weidenholz, ungespritzte Äste (Achtung, manche Holzsorten sind giftig!) und Korkröhren. Für dauerhafte Einrichtungsgegenstände kann man sich im Baumarkt umsehen und aus Fliesen, Pflaster- und Weinsteinen, Tontöpfen und anderen nagefesten Materialien Schlupfwinkel und Klettermöglichkeiten konstruieren – letztere allerdings in Maßen. Degus können zwar ganz ordentlich springen, sind aber keine besonders guten Akrobaten.


Lauf, Degu, lauf!

Degus im Laufrad_DHW Angela Heider-Willms Bild: DHW Angela Heider-Willms Dem Bewegungsdrang eines Degus kann ein Käfig, wie groß auch immer, nie ganz gerecht werden. Zur Einrichtung des Käfigs sollte daher unbedingt ein Laufteller oder ein Laufrad gehören. Dieses muss mindestens einen Durchmesser von 30 cm und eine geschlossene Fläche vorweisen, um Rückenschäden und Verletzungen vorzubeugen. Inzwischen sollte klar sein, dass für Degus Räder aus Plastik tabu sind. Ein Rad aus unbehandeltem Holz ist eine Alternative, wird aber selbst von der nagefaulsten Degugruppe irgendwann in seine Einzelteile zerlegt. Daher sollte man das Rad mit einer Aluschiene gegen die fleißigen Zähnchen sichern.

Zusätzlich kann man überlegen, den Tieren Freilauf zu gewähren. Allerdings ist das nicht mit jeder Gruppe möglich; bei einigen birgt es das Risiko von starken Revierkämpfen (bis hin zum Gruppenzerfall) und bei anderen ist die Angst außerhalb des gewohnten Terrains einfach zu groß. Aber selbst wenn man sich für den Freilauf entscheidet, gilt es hier einiges zu beachten: Das Zimmer muss vorher natürlich degusicher gemacht werden. Angenagte Kabel können den Tieren im schlimmsten Fall einen tödlichen Elektroschock versetzen. Giftige Zimmerpflanzen und Wasserquellen müssen ebenfalls außer Reichweite gebracht werden – Degus können nicht schwimmen, hassen es, nass zu werden und erkälten sich schnell. Außerdem sollte man die Körperfülle eines Degus nie überschätzen. Trotz ihres eher rundlichen Aussehens kommen sie durch die engsten Zwischenräume. Sowohl Laufräder als auch Auslauf können und dürfen aber nie einen geräumigen Käfig ersetzen.


Pflege

Degus sind sehr saubere Tiere, die einen großen Teil des Tages mit der eigenen und gegenseitigen Fellpflege verbringen. Anders als Katzen oder Hunde putzen sie ihr Fell jedoch nicht mit der Zunge, sondern nehmen ausgiebige Bäder in Sand, der ihnen in einem Gefäß mit hohem Rand immer zur Verfügung stehen sollte. Es gibt spezielle Badegefäße im Handel, eine ausgediente Auflaufform oder ähnliches dient demselben Zweck. Als Sand kann Chinchillasand verwendet werden – Vogelsand ist wegen des Zusatzes von Anis oder Muschelsplittern ungeeignet. Da Degus zur Aufrechterhaltung des Gruppengeruchs in den Sand urinieren, muss er regelmäßig ausgetauscht werden. Degus orientieren sich an diesem gemeinsamen Geruch und legen im ganzen Käfig Urinmarkierungen an. Eine zu übertriebene Käfighygiene kann Stress und damit die gefürchteten Revierkämpfe auslösen. Daher sollten auf Degus keine menschlichen Hygienestandards angewandt werden. Pro Woche eine Etage zu reinigen, reicht völlig.
Bei der Einstreu sollte man nicht geizen, schließlich legen Degus in der freien Natur komplizierte unterirdische Bauten an und graben leidenschaftlich gerne. Handelsübliche, unparfümierte Kleintierstreu wird von den Tieren gut angenommen. Für Allergiker empfehlen sich auch Hanf-, Leinen- oder Baumwolleinstreu. Pellets sollten nicht benutzt werden. Degus lieben es, sich gemütliche Schlafnester zu bauen. Als Baumaterial kann man ihnen Heu, Stroh sowie Küchenrolle oder Toilettenpapier (unbedruckt und unparfümiert) anbieten.


Degumenü

Eine artgerechte Ernährung ist Voraussetzung für ein langes, gesundes Deguleben. Hauptbestandteil der Degunahrung ist Heu, welches ebenso wie frisches Trinkwasser täglich in ausreichender Menge angeboten werden muss. Auf dem Speiseplan stehen außerdem getrocknete Kräuter, Blätter, Blüten und Äste. Handelsübliche Degufuttermischungen sind leider meist ungeeignet. Unter www.hansemanns-team.de können jedoch zwei gut geeignete Mischungen bezogen werden. Alternativ kann das Futter auch selbst gemischt werden, hier muss man sich allerdings vorher gut informieren, damit es nicht zu Mangelerscheinungen kommt. Frischfutter ist ebenfalls unverzichtbar für eine gesunde Ernährung. Hierfür eignen sich diverse Salatsorten, Möhrengrün, Unkraut wie Löwenzahn, Blätter von Obstbäumen, Birken und Weiden, Kräuter wie Basilikum und Gemüsesorten wie Chicoree und Paprika.
Degus sind von Natur aus auf sehr karge und zuckerarme Kost eingestellt. Obst, melassehaltige Pellets oder Getreide gehören daher nicht in den Futternapf.


Mein Degu und ich

Degus_Sari Tanuhardja www.iveseen.netBild: Sari Tanuhardja www.iveseen.netZutrauliche Degus sind keine Seltenheit, man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass man sich hier keine Schmusetiere, sondern vor allem Beobachtungstiere ins Haus holt. Degus interagieren vorzugsweise miteinander und sehen den Menschen hauptsächlich als Futterquelle an. Ob sie zutraulich werden oder nicht ist vor allem eine Charaktersache. Es gibt Degus, die nach wenigen Wochen bereits auf der Schulter ihres Menschen herumlaufen, andere werden bis zu ihrem Tod nie wirklich Vertrauen fassen. Die angeborene Neugier der Tiere ist jedoch ein großer Vorteil und eine Eigenschaft, die sie sehr liebenswürdig macht.
Einmal pro Tag sollte ein schneller Gesundheitscheck vorgenommen werden: Sind die Augen klar? Das Fell glänzend? Die Zähne gelb-orange? Ist der Degu aktiv und lebhaft? Aufgeplustertes Fell kann ein Zeichen von Krankheit sein, muss es aber nicht zwangsläufig, denn Degus stellen auch ihr Fell auf, wenn ihnen kalt ist oder wenn sie dösen. Auch roter Urin ist nicht immer ein Alarmzeichen, sondern kann von roten Farbstoffen in der Nahrung (z.B. Rote Bete) verursacht werden. Bei Unsicherheiten sollte jedoch immer sofort ein Tierarzt zu Rate gezogen werden. Degus stehen in der Nahrungskette so weit unten, dass sie Krankheitssymptome sehr lange verstecken. Steht ein Tierarztbesuch an, und es muss ein Degu gefangen werden, darf er niemals am Schwanz festgehalten werden, denn er kann abreißen.

 

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