Pelz – allgegenwärtig, aber schwer zu erkennen

Die kalte Jahreszeit bricht an –  und damit die Mantel-, Stiefel- und Mützenzeit. Seit Jahren ist dabei eine beunruhigende Beobachtung zu machen: Pelz ist salonfähig geworden. Wurden früher Pelzträger mit Farbbeuteln beworfen und beschimpft, ist es heute fast unmöglich, eine Jacke zu finden, an der kein Pelzkragen angebracht ist. Schlüsselanhänger aus Pelz, oft in verschiedensten Farben, hängen in jedem Euroshop, und auch der Fellbesatz an Stiefeln ist allgegenwärtig. Ist es den Menschen denn plötzlich egal, dass Tiere für ihre Kleidung sterben müssen? 

Nein – denn zumeist gehen die Käufer davon aus, dass sie Kunstpelz erwerben. Insbesondere im unteren Preissegment gehen Konsumenten davon aus, dass es sich nicht um echten Pelz handeln kann, da dieser immer noch als Luxusartikel gilt. Doch mittlerweile sind Pelze von Tieren, insbesondere von  Marderhunden, aufgrund der furchtbaren Haltungsbedingungen sogar günstiger als Kunstpelz. Für den Verbraucher ist es meist nicht ersichtlich, dass er da gerade Echtpelz erwirbt und damit Tierqual unterstützt. 

Mangelnde Deklarationspflicht von Pelzen

Wie kann das sein? Zum einen: Die unklare gesetzlich vorgeschriebene Auszeichnung von Echtpelz. So ist es nach EU-Textilgesetz nicht verpflichtend, Echtpelz explizit als solchen zu bezeichnen – vorgeschrieben ist lediglich die Kennzeichnung „beinhaltet nichttextile Teile tierischen Ursprungs“. Darunter fallen aber ebenso Leder, Federn, Knöpfe aus Knochen oder Horn. Hier ist dem Verbraucher also nicht geholfen. Die Textilverordnung greift auch nur dann, wenn mehr als 80 Prozent des Kleidungsstücks aus Textilien gefertigt ist, wozu Pelz nicht zählt. Das heißt, wenn eine Jacke zu mehr als 20 Prozent aus Pelz besteht, entfällt diese verpflichtende Textil-Kennzeichnung ganz. Da es im Pelzbereich nicht zwingend ist, die Produkte zu kennzeichnen, kann hier ganz legal nicht gekennzeichnet werden. Und auch jegliche Accessoires, Schuhe, Handtaschen und Schlüsselanhänger unterliegen erst gar nicht der Kennzeichnungspflicht. Kein Wunder also, dass viele Konsumenten unwissentlich Echtpelz an sich tragen. 

Aber die ungenauen Kennzeichnungsregeln sind nicht das einzige Problem. Eine Studie der „Fur Free Alliance“ in zehn Ländern Europas kam zu dem Ergebnis, dass 68 Prozent der getesteten Pelzware falsch ausgezeichnet war. Oft wurde Echtpelz als 100 Prozent Acryl deklariert, oft fehlte aber auch jegliche Etikettierung – insbesondere bei den günstigeren Produkten.  So können selbst tierliebe Menschen, die ein Kleidungsstück in dem Glauben kaufen, Kunstpelz in den Händen zu haben, unwissentlich das Tierelend auf Pelztierfarmen unterstützen. 

Das Leid der Pelztiere

Die Hälfte aller Pelze in Europa und den USA stammt aus dem asiatischen Raum, überwiegend aus China, und die chinesischen Pelztierfarmen müssen sich an keinerlei Vorschriften halten. 

Strannik Fox panthermedia.netIn Pelztierfarmen werden hochsensible Tiere wie Füchse, Nerze, Marderhunde, Chinchillas und Iltisse, allesamt mit komplexem Sozialverhalten, in winzigen Drahtgitterkäfigen gehalten. Nerze sind in freier Natur außerhalb der Paarungszeit normalerweise Einzelgänger. In Pelztierfarmen hingegen haben sie ihre Artgenossen ständig vor Augen und können sich in ihren extrem beengten Käfigen kaum zurückziehen. Dadurch entwickeln sie Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung, Kannibalismus oder stereotypes Laufen im Kreis. Auch bei Füchsen, die ebenfalls über ein sehr komplexes Sozialverhalten verfügen und meist in Familienverbänden leben, zeigen sich solche Störungen, da sie durch die Haltung in engen Käfigen zu einem völlig artfremden Verhalten gezwungen werden. Die Gitterkäfige, die meist aneinandergereiht in offenen Schuppen untergebracht sind, bieten den Tieren kaum Schutz vor Witterungseinflüssen. Im Sommer ist die Hitze für die Tiere nahezu unerträglich; vor allem Nerze würden sich dann eigentlich ins Wasser zurückziehen. So sterben in Pelzfarmen ungefähr zehn Prozent der Nerze an Überhitzung. Im Winter drohen zudem Erfrierungen. Am Ende ihres qualvollen Lebens, das zusätzlich von Parasitenbefall und epidemieartigen Infektionen geprägt ist, werden die Pelztiere durch Gift, Vergasung und Stromstöße getötet.

Auch Hunde und Katzen werden in Asien aufgrund ihres Pelzes brutal getötet und nach Europa importiert. Zwar ist der Handel mit Hunde- und Katzenfellen in der EU seit 2009 verboten, aber immer wieder werden Pelzbesätze von Hunden und Katzen im Handel gefunden, die falsch oder gar nicht deklariert waren. Um die Tierart des Pelzes zweifelsfrei festzustellen, muss man eine Genanalyse im Labor machen. Daher kann der Zoll Hunde- oder Katzenfell bei seinen stichprobenartigen Einfuhrkontrollen kaum identifizieren. 

Was kann ich tun?

Die bisherige vorgeschriebene Kennzeichnung hebt Pelz nicht deutlich genug hervor und die ohnehin dürftige Kennzeichnungspflicht greift für zahlreiche Produkte überhaupt nicht. Andererseits wird bei Großteilen der Produkte sogar noch gegen diese niedrigen Standards verstoßen und falsch deklariert. 

Daher können wir jedem, der absolut sicher sein will keinen Pelz zu tragen, nur empfehlen, generell keine Kleidung, Schuhe oder Accessoires zu kaufen, die eine Art Pelzbesatz haben. Nur so kann man sicher sein, dass man wirklich keinen Pelz trägt! 

Bitte klären Sie außerdem Ihr Umfeld über die Kennzeichnungslücken und die schreckliche Tierhaltung in der Pelzindustrie auf.

 

 

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