Glyphosat: Der Streit ums Gift

Rainer Sturm pixelio.de2Rainer Sturm/pixelio.deEnde dieses Jahres wird die Entscheidung fallen, ob das Pestizid Glyphosat in der EU endlich verboten wird. Die Mitgliedsstaaten sind sich nicht einig und der Großteil der Landwirte hält daran fest, dass Glyphosat im Ackerbau unverzichtbar ist. Eine Entscheidung muss spätestens im Dezember her, denn dann läuft die Zulassung von Glyphosat aus.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat wird als Breitbandherbizid eingesetzt, das heißt es ist ein Pflanzenvernichtungsmittel. Es wirkt nicht spezifisch gegen bestimmte Pflanzenarten oder „Unkräuter“, sondern wird von allen Pflanzen gleichermaßen über die Blätter aufgenommen. Um Glyphosat auf Feldern einzusetzen, auf denen bereits Nutzpflanzen wachsen, werden vor allem in den USA daher Nutzpflanzen eingesetzt, die gentechnisch verändert sind. Diese Genpflanzen, wie beispielsweise Mais oder Soja, sind resistent gegen Glyphosat, wodurch das Mittel ganzjährig eingesetzt werden kann. In Europa werden glücklicherweise noch keine Gen-Pflanzen eingesetzt, trotzdem wird Glyphosat auch hier in der Landwirtschaft genutzt. Das Mittel wird dann auf dem Feld ausgebracht, bevor die eigentlichen Nutzpflanzen gesät werden, um Unkräuter schon im Vorfeld zu bekämpfen. Auch kurz nach der Saat kann noch Glyphosat gesprüht werden. In der Landwirtschaft werden in Deutschland jährlich mehr als 5.000 Tonnen des Unkrautmittels ausgebracht. Glyphosat kommt auch in privaten Gärten zum Einsatz, am häufigsten unter dem Namen RoudUp. Auf Gehwegen und Pflastern bietet es sich an, um Unkraut schnell und ohne lästiges Auskratzen loszuwerden.
Insgesamt ist Glyphosat also ein vielseitiges und praktisches Mittel zur Unkrautbekämpfung, wie es scheint. Doch kein Gift ohne Nebenwirkungen…

Risiken des Glyphosateinsatzes

Peter Freitag pixelio.dePeter Freitag/pixelio.deEs gibt verschiedene internationale Studien zur Gefahr von Glyphosat für Umwelt und Gesundheit. Da die Studien zu verschiedenen Ergebnissen kommen, konnte bisher nicht geklärt werden, wie gefährlich Glyphosat wirklich ist. Da es über ein Enzym wirkt, das nur bei Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen vorkommt, ging man bisher davon aus, dass Glyphosat nicht in die menschlichen Zellen aufgenommen werden kann. Trotzdem stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" ein. In der Provinz Chaco in Argentinien, wo gentechnisch verändertes Soja angebaut und massiv Glyphosat eingesetzt wird, verdreifachte sich die Krebsrate bei Kindern unter 15 Jahren zwischen 1990 und 2009. Vieles spricht dafür, dass die hohe Krebsrate in der Region mit dem Unkrautvernichter zusammen hängt. Auch Studien des BUND, die das Mittel bereits im Urin von Menschen nachgewiesen hat, geben Anlass zur Sorge. Letztlich ist das Risiko von Glyphosat noch nicht klar belegt, aber es gibt ernst zu nehmende Hinweise. Glyphosat findet sich mittlerweile in vielen Nahrungsmitteln, im Wasser und in der Umwelt - wir alle sind Versuchskaninchen und die Folgen nicht absehbar.

Was tut die Politik?

Ende Juni 2016 wurde die Zulassung von Glyphosat von der EU-Kommission um 18 Monate verlängert, danach muss neu geprüft werden. Zuvor hatte es in vier Abstimmungen keine Mehrheit der EU-Staaten für eine langjährige Zulassung gegeben. Ein klares Zeichen gegen Glyphosat und auch die Mehrheit der Deutschen spricht sich für ein Verbot des Mittels aus. Im Dezember 2017 muss nun erneut über die Zulassung des Pestitzids entschieden werden, denn dann läuft die befristete Zulassung aus. Im Oktober 2017 sollten die Mitgliedsstaaten noch einmal über die Glyphosat-Zulassung abstimmen, konnten sich aber wiederum nicht einigen. Allerdings hatte das EU-Parlament zuvor deutliche Signale gesetzt. Beschlossen wurde ein Verbot des Pestizids innerhalb der nächsten fünf Jahre – ein Beschluss, der zwar nicht für die Kommission bindend ist, aber große Signalwirkung hat. Anfang November sollte nun eine neue Abstimmung über die Zukunft des Pestizids in Europa entscheiden, jedoch ist auch diese Abstimmung ohne Ergebnis geblieben. 14 der 28 Mitgliedsstaaten stimmten für eine Verlängerung der Zulassung, neun stimmten dagegen, fünf enthielten sich- darunter auch Deutschland. Nun soll ein Vermittlungsverfahren zu einer endgültigen Entscheidung führen.

Während viele Landwirte Glyphosat weiter nutzen möchten, ist es im Privatbereich denkbar einfach ein Zeichen gegen das Pestizid zu setzen: Verzichten Sie einfach auf den Einsatz von RoundUp und Co! Auch das sogenannte Unkraut seinen Nutzen und sieht meistens auch noch schön aus.

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