Insektensterben stoppen- was jeder tun kann!

Peter Bohot pixelio.deBild: Peter Bohot / pixelio.deHonig- und Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen gehören zu den Insekten, die die Hauptaufgabe der Blütenbestäubung übernehmen, sowohl bei Wildblumen und Bäumen als auch im landwirtschaftlichen Bereich. Doch in den letzten Jahren können die Insekten dieser Aufgabe immer weniger nachkommen, denn nicht nur die Anzahl der Honigbienen geht zurück, auch Wildbienen und andere wilde Bestäuber werden zunehmend seltener.

Grund für den Bestandseinbruch der Honigbiene innerhalb der letzten Jahre ist die Ausbreitung der Varroamilbe, ein Parasit aus Asien, der neben der Bienenbrut auch erwachsene Tiere befällt und binnen kurzer Zeit einen ganzen Stock auslöschen kann. Zudem belegen einige neuere wissenschaftliche Studien, was Imker schon lange vermuten: Der Einsatz bestimmter Pestizide, die beispielsweise die Wirkstoffgruppe der Neocotinoide enthalten, wirken sich schädigend auf das Nervensystem und die allgemeine Fitness der Bienenvölker aus. Doch die Nutzung von Pestiziden ist nicht der einzige Faktor im Bereich der Landwirtschaft, der sich negativ auf bestäubende Insekten auswirkt. Ein bedeutender Faktor ist der in den letzten Jahrzehnten stetig angewachsene Anteil an Monokulturen. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat eine Verarmung der pflanzlichen Artenvielfalt nach sich gezogen; viele Wildblumen, die früher allgegenwärtig waren, sind heute kaum noch zu finden. Im traditionellen Acker- und Getreideanbau haben Wildkräuter keinen Platz mehr, und im Bereich der Kulturpflanzen bieten nur Raps und Obstbäume regional ausreichend Pollen und Nektar. Nach deren Blüte bricht die Nahrungsversorgung der Insekten im Juni fast vollständig zusammen; die Folge ist Nahrungsmangel und eine stetige Schwächung von Honigbienen und wilden Insekten. Auch Wiesen und Weiden bieten heute kaum mehr Nahrung, da meist vor der Blüte gemäht wird, und die Flora der Grünflächen immer einseitiger wird. 

 

Wie kann ich Bestäuber fördern?

Nicht nur Landwirte können durch Grünstreifen, Untersaaten oder Flächenstilllegung Insekten zu mehr Nahrungspflanzen verhelfen, auch jeder privater Gartenbesitzer kann etwas zum Schutz von Biene und Co. beitragen. Nektar und Pollen müssen vom Frühjahr bis zum Herbst verfügbar sein, was sich durch den gezielten Anbau von Pflanzen mit verschiedenen Blühzeitpunkten erreichen lässt. 

Ascada pixelio.deBild: Ascada / pixelio.deIm Gemüsebeet kann man beispielsweise Gründüngungspflanzen (z.B. Phacelia, Buchweizen, Senf, Kleearten) nicht nur nach der Ernte, sondern auch vor der Aussaat oder als Zwischenfrucht anbauen. Das reichert den Boden mit Nährstoffen an und bietet Insekten über einen breiten Zeitraum Nahrung. Nicht nur schön anzusehen, sondern auch sehr nützlich ist es, wenn man einzelne Gemüse (z.B. Zwiebeln oder Möhren) auch einmal aufblühen lässt. Auch Kräuter kann man aufblühen lassen, sie werden besonders gerne von Insekten besucht. Da man sie dann nicht mehr verwenden kann, sollte der Bienenfreund also einfach ein paar Kräuter mehr aussäen. Im Blumenbeet gilt: Zuchtformen mit gefüllten Blüten (beispielsweise bei Narzissen oder Dahlien) enthalten keinen Nektar mehr, sie sind also schön anzusehen, für Bienen aber vollkommen nutzlos. 

Ein Garten mit möglichst vielen verschiedenen Stauden, Frühblühern und Sommerblumen bietet auch den teilweise sehr stark auf eine Pflanzenart spezialisierten Wildbienen Nahrung. Die bevorzugten Nahrungspflanzen wie beispielsweise Fetthenne oder Rainfarn sind dabei auf die Rüssellänge der Wildbienen abgestimmt. Schwebfliegen findet man hingegen häufig auf Doldenblütlern, Strohblumen oder Herbstastern, während Hummeln meist Blumen mit röhrenförmigen Blüten (z.B. Fingerhut, Enzian, Rittersporn und Lupinen) bevorzugen. 

Wer einen größeren Garten hat, der kann einzelne Ecken oder Flächen auch wild wachsen lassen. So wird sich auf einem vorher eher öden Rasenstück schnell eine Wildblumenwiese entwickeln; unter Umständen kann man dieser Entwicklung mit bienenfreundlichen Saatmischungen ein wenig auf die Sprünge helfen. Solche Wildblumenwiesen sollte man dann selbstverständlich auch nicht öfter als ein- oder zweimal im Jahr mähen. 

 

Keine Wüsten in Balkonkasten und Co. schaffen

Bernd Kasper pixelio.deBild: Bernd Kasper / pixelio.deBalkonkästen und Pflanzgefäße sind oft hübsch mit allerlei Zierblumen bepflanzt, bilden aber für bestäubende Insekten allzu oft bunte Wüsten. Denn die beliebtesten Balkonblumen wie Geranien, Fleißige Lieschen und Petunien haben wenig bis gar keinen Nektar. An Stelle dieser Balkonpflanzen kann man trockenheitsverträgliche, niedrig wachsende Gartenstauden, die Fächerblume, eine farbenprächtige Alternative zur Geranie, oder für Balkongefäße geeignete Sommerblumenmischungen verwenden.

Auch heimische Wildpflanzen eignen sich gut für Blumenkästen, wenn man einige Dinge beachtet. Da die mehrjährigen, winterfesten Pflanzen auch im Winter draußen stehen bleiben, sollten die Pflanzgefäße frostsicher sein und eine gute Drainage besitzen. Normale Blumenerde enthält oft hohe Torfanteile und ist daher für Wildstauden meist ungeeignet. Besser eignen sich eigene Mischungen aus Gartenerde, Grün- oder Rindenkompost und Sand. Über den Winter sollten Dauerbepflanzungen nicht austrocknen, also Gießen nicht vergessen! 

Bei der Pflanzenauswahl ist zu beachten, dass wärme- und trockenheitstolerante Wildpflanzen grundsätzlich besser mit den speziellen Bedingungen in Blumenkästen zurechtkommen. Für sonnige Standorte kann man beispielsweise die Kartäusernelke oder den Frühlingsthymian nehmen, für Pflanzkübel im Halbschatten eignen sich Rotes Seifenkraut, Katzenminze und die Knäuelglockenblume. 

Zahlreiche Tipps und Tricks sowie Listen mit Bepflanzungsvorschlägen finden sich auch unter www.bluehende-landschaft.de

 

Auch Insekten brauchen ein Zuhause

Insbesondere bei den Wildbienen ist neben Nahrungsknappheit auch das Fehlen geeigneter Nistmöglichkeiten verantwortlich für den Bestandrückgang vieler Arten. Mit einem Insektenhotel oder kleineren Einzelbehausungen kann man Wildbienen und anderen Insekten über diese Not hinweghelfen. 

Hummeln gründen in jedem Jahr einen neuen Staat; dazu macht sich die Königin im Frühjahr auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Wenn Sie den Hummeln bei ihrer Suche behilflich sein wollen, können Sie mit einfachen Mitteln ein Hummelhotel in Ihrem Garten errichten. Dazu benötigen Sie einen Tontopf (mindestens zwanzig Zentimeter Durchmesser) mit einem Loch im Boden, einen gewölbten Dachziegel und Holzwolle. Der Tontopf wird mit Holzwolle ausgestopft und so im Garten vergraben, dass er mit dem Boden nach oben ungefähr ein bis zwei Zentimeter aus der Erde herausragt. Damit es in das Einflugsloch nicht hineinregnet, wird ein gewölbter Dachziegel über den Topf gelegt. 

MEG pixelio.de kopieBild: MEG / pixelio.deMit ein wenig mehr Aufwand kann man auch für verschiedene Insektenarten ein komplettes Insektenhotel bauen. Wichtig beim Bau und bei der Anbringung eines Insektenhotels ist, dass es eine Rückwand und ein Dach besitzt und an einem regen- und windgeschützten, sonnigen Platz aufgestellt wird. Keinesfalls sollte man auf die Idee kommen, das Insektenhotel im Winter oder Frühjahr zu säubern und dabei verschlossene Löcher oder Stängel zu öffnen, denn dadurch würden überwinternde Insekten oder ihre Brut getötet. 

 

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