Es ist beschlossene Sache: Das neue Ökologische Jagdgesetz für NRW

DamhirschDüsseldorf, 29.04.2015. Es geht hoch her im Landtag: Die abschließende Fragerunde zum neuen Landesjagdgesetz steht an. Es gibt viel Lärm, die Gegner des Gesetzes agieren aufgeregt und torpedieren die Regierungskoalition. SPD und Grüne bleiben weitestgehend bei Ihrer Linie: Das Gesetz wird auch ohne die Stimmen aus CDU und FDP verabschiedet.

In den vergangenen Wochen hat der ETN immer wieder über die Entwicklungen rund um das Jagdgesetz berichtet. Der grüne Umweltminister Remmel hatte den Entwurf Ende 2014 in den Landtag eingebracht, anschließend wurde es im Umweltausschuss, in dem alle Parteien des Landtags vertreten sind, beraten und diskutiert. Dazu waren Experten aus allen relevanten Bereichen eingeladen. Die Beratungen wurden von lautstarken Protesten und massiver Lobbyarbeit seitens der Jäger begleitet, die ihre „Eigentumsrechte“ in Gefahr sahen. Dabei wurde immer wieder argumentiert, Jäger seien die wahren Tierschützer, die sich um die Hege des Wildes kümmerten. Dies sehen die UmweltschutzDemo 6verbände freilich ganz anders. Diese begrüßen den Entwurf grundsätzlich. Auch wenn er aus unserer Sicht an vielen Stellen nicht weit genug geht, so ist er doch ein ordentlicher Schritt in die richtige Richtung.

Am Ende nützten die Proteste wenig. Zwar wurden noch einige Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Entwurf vorgenommen. So wird nun doch keine Jagdsteuer eingeführt und die bedrohte Waldschnepfe ebenso in die Liste der jagdbaren Arten aufgenommen wie der Höckerschwan. Aber das war es dann auch schon fast mit dem Entgegenkommen.

 

Die wichtigsten Änderungen durch das neue Gesetz in Kürze:

  • Es dürfen nun weit weniger Arten als bisher gejagt werden. Zentral ist hier die Orientierung am Tierschutzgesetz: Tiere dürfen nur mit vernünftigem Grund getötet werden. Die Regierung definiert als solche Gründe zum Beispiel, wenn die Tiere als Nahrung dienen können, Seuchen verbreiten oder gefährdete Bestände bedrohen. Ein besonders strittiger Punkt war der Abschuss von Hauskatzen und -hunden. Dies ist ab Juli nicht mehr erlaubt – ein Erfolg für Tierschützer und eine Erleichterung für Tierhalter.
  • Besonders qualvolle Methoden wie die Jagd mit Hunden im Fuchs- oder Dachsbau oder das Aufstellen von Totschlagfallen, in denen schwer verletzte Tiere oft stundenlang leiden, sind künftig verboten. Einzig die Jagd im Kunstbau ist unter bestimmten Voraussetzungen und mit Genehmigung der Jagdbehörde möglich (auch dies ein Zugeständnis an die Lobbyarbeit der Jäger).
  • Die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren wird verboten.
  • Die Möglichkeiten zur Winterfütterung werden stark eingeschränkt. Somit wird verhindert, dass für die Jagd attraktives Wild künstlich in großer Zahl über den Winter gebracht wird. Nur Schwarzwild darf in Notzeiten gefüttert werden – eine Definition von „Not“ wird allerdings nicht vorgegeben.
  • Jäger müssen künftig einen Nachweis über Ihre Schießfertigkeit erbringen, wenn sie an einer sogenannten Bewegungsjagd teilnehmen wollen. Dabei wird Wild gezielt aufgescheucht und geschossen.

Fuchs SpielDer ETN begrüßt diese Verbesserung für den Natur-, Tier- und Artenschutz in Nordrhein-Westfalens Jagdgesetz und ist erfreut darüber, wie wenig dem doch enormen Druck auf die Landesregierung letztlich nachgegeben wurde. Denn die Jäger vertreten bei weitem nicht die Mitte der Gesellschaft, als die sie sich gern darstellen: Laut einer Forsa-Umfrage sind 84% der Bevölkerung für eine stärker ökologische Ausrichtung des Jagdgesetzes. Generell rücken Umweltschutzthemen immer mehr ins Bewusstsein der Menschen; ein gesellschaftliches Umdenken ist in vollem Gange. Dieser ökologisch aufgeschlossenen Grundstimmung wird endlich auch im Jagdgesetz Rechnung getragen.

Und selbst in den Reihen der Jäger gibt es Stimmen, die eine naturnahe Ausrichtung des Gesetzes begrüßen. Dies sei der Fairness halber nicht verschwiegen. Der Ökologische Jägerverband hat sich während der gesamten Debatte immer wieder positiv zum Gesetzentwurf geäußert. Der (konventionelle) Jagdverband in NRW ist natürlich weit weniger zufrieden mit dem Ergebnis und erwägt sogar eine Klage. Auf der Website heißt es wörtlich „Dies ist ein politisches Armutszeugnis und ruft nach gerichtlicher Überprüfung des Gesetzes.“

Der ETN wird die weitere Entwicklung verfolgen und darüber berichten.

Weitere Artikel zum Thema finden Sie auch hier:

Auf dem Prüfstand: Ein ökologisches Jagdgesetz für NRW (23.04.2015)

Ein Versuch mit Signalwirkung: Jagdverbot für Füchse in Luxemburg gestartet (01.04.2015)

Den Tieren eine Stimme geben – das Ökologische Jagdgesetz jetzt unterstützen (24.03.2015)

Der Wolf in Deutschland (Infoseite)

ETN begrüßt Entwurf zu neuem Jagdgesetz in NRW (19.09.2014)

Pressemitteilung: Tier- und Naturschutzverbände für Jagdreform (26.06.2014)

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