+++Update+++ Die Lage in der Ost-Ukraine wird immer schlimmer

Schon seit ein paar Wochen haben wir nichts mehr über unsere Partnertierheime in der Ost-Ukraine berichtet. Nicht, weil es nichts zu berichten gäbe, sondern weil wir lange Zeit keinen Kontakt mehr zu den Tierschützern herstellen konnten. Die Städte Lugansk und Donetsk und deren Umland sind von der Außenwelt abgeschnitten; kein Strom, kein Telefon, kein Internet.

Gestern konnte unsere Mitarbeiterin in Kiew dann endlich wieder Kontakt aufnehmen.

Die Nachrichten, die wir bekommen haben, sind schrecklich, deshalb möchte ich Ihnen die Situation in der Ost-Ukraine in diesem Newsletter gerne einmal persönlich schildern.

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Ich leite die Projekte des ETN in der Ukraine, unter anderem auch in Donetsk, Lugansk und Gorlovka. Ich habe die Menschen in der Ukraine als herzliche und offene Menschen kennengelernt, die sich über jeden freuen, der sich für ihr Schicksal interessiert. Sie lieben ihr Land und kämpfen für ihre Heimat und ihre Werte. Genauso kämpfen die Ukrainer, die sich dem Tierschutz verschrieben haben, für ihre Tiere: Bedingungslos und in jeder Situation.

Auch jetzt, in einer Zeit, in der der Bürgerkrieg weiter andauert, es nichts mehr zu essen und kaum Wasser gibt, verlassen die Tierschützer ihre Tiere nicht. Die Tierschützer in Lugansk, Donetsk, Stachanow und Gorlovka, die schon lange vom ETN unterstützt werden, stehen mit dem Rücken zur Wand.

In Lugansk ist die Situation besonders schlimm. Die Stadt ist fast vollständig zerstört, eine normale Wasserversorgung oder Zugang zu Lebensmitteln gibt es schon lange nicht mehr. Uns wird berichtet, dass zunehmend Straßenhunde erschossen werden, um sie zu essen, weil die Menschen, die noch in Lugansk geblieben sind, keinen anderen Ausweg mehr sehen. Über das Schicksal der Hunde im Tierheim „Give a paw“ wussten wir mehrere Tage lang gar nichts. Tierheimleiterin Irina ist vor einiger Zeit nach Kiew gereist, um ihre Familie in Sicherheit zu bringen, währenddessen sollten sich zwei in Lugansk gebliebene Mitarbeiter um die Hunde kümmern. Aber das Tierheim liegt am Stadtrand, einer besonders gefährlichen und stark umkämpften Zone, daher war nicht sicher, ob die Mitarbeiter es wirklich bis zum Tierheim schaffen würden. Auch Tierheimleiterin Irina konnte nach ihrer Rückkehr nicht ins Tierheim, niemand wurde in die Stadt hinein- oder aus ihr herausgelassen. In der letzten Woche gab es dann endlich einen Korridor für Hilfstransporte, und eine ehemalige Mitarbeiterin konnte die Tiere im „Give a paw“ kurzfristig versorgen. Ob die Tierheimleiterin es auch geschafft hat, bis zum Tierheim vorzudringen, wissen wir bisher nicht. Mindestens fünf Hunde sind bei den Gefechten erschossen worden, die restlichen Tiere im Tierheim leiden noch immer Hunger und Durst.

In Donetsk ist die Lage ähnlich. Der Krieg zwischen Separatisten und der ukrainischen Armee dauert weiter an, und die einst blühende Stadt geht langsam zugrunde. Das Tierheim „PIF“ hat derweil Glück im Unglück, da es mit Mitteln aus der Akhmetov-Stiftung und von den Spenden des ETN einen Futtervorrat ansammeln und auch einen Generator kaufen konnte, bevor die Stromversorgung vollends zusammenbrach. Außerdem gibt es noch eine Transportfirma, mit der unsere Mitarbeiterin Polina Medikamente von Kiew nach Donetsk schicken konnte. Vor einigen Tagen schlug eine Granate fünfhundert Meter neben dem Tierheim ein; trotzdem hat Tierheimleiterin Viktorija ihren Mut noch nicht verloren und kann am Telefon selbst jetzt noch lachen. Dem Durchhaltewillen der ukrainischen Tierschützer gebührt unsere ganze Bewunderung!

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Viktorija mit ETN-Spenden 

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Der Flughafen von Donetsk (Quelle: Sergey Thomas)

In Gorlovka hat sich die Lage mittlerweile drastisch verschlimmert. Obwohl das Tierheim von Gorlovka weit außerhalb liegt, haben die Separatisten ihr Lager nun in direkter Nähe aufgeschlagen, und die Tierschützer können das Tierheim nicht mehr verlassen. Sie können nicht mehr in die Stadt fahren, um Nahrungsmittel und Hundefutter zu besorgen und leben seit Tagen nur noch von Weizenschrot, der durch Ihre Spenden, liebe Leser, gekauft werden konnte. Kontakt haben wir nur zum Sohn der Tierheimleiterin, denn im Tierheim selbst gibt es keinen Strom und kein Telefon mehr. Die Tierschützer können nicht einmal um Hilfe rufen, ihr Kontakt zur Außenwelt ist völlig abgeschnitten. Lediglich aus den umliegenden Dörfern transportieren nette Anwohner manchmal Nahrung und Benzin für einen Generator an den Separatisten vorbei ins Tierheim.

Die kleine Stadt Stachanow in der Nähe von Lugansk ist mittlerweile völlig von Separatisten besetzt. Hundefutter kann man nicht mehr kaufen, und so haben die Tierschützer dort nun endgültig beschlossen, ihr kleines Tierheim aufzugeben. In den kommenden Tagen werden sie die noch im Tierheim verbliebenen Tiere mithilfe unserer Spenden nach Kiew transportieren und von dort weitervermitteln.

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Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell all unsere Projekte in diesen Städten auf einmal nebensächlich werden, und es plötzlich nur noch darum geht, das Überleben der Tierschützer und ihrer Schützlinge zu sichern. Kennt man die Menschen und Tiere, von denen täglich in den Nachrichten berichtet wird, bekommen die Meldungen über den Krieg eine ganz andere Dimension. Es ist lähmend, zu wissen, dass man nichts tun kann außer zu hoffen, dass unsere Kollegin Polina von Kiew aus einen Weg findet, unsere Spenden im Osten des Landes zu verteilen.

Bisher hat sie noch immer einen Weg gefunden, und auch wir, das Team des ETN e.V., werden weiterhin alles tun, was in unserer Macht steht, um den Menschen und Tieren in der Ost-Ukraine zu helfen. Doch dafür brauchen wir Ihre Hilfe!

Ihnen, liebe Spender, ist es zu verdanken, dass die meisten Tiere unserer Partnertierheime in Lugansk, Donetsk, Gorlovka, Stachanow und Pervomajsk noch leben. Die Menschen und Tiere in Gorlovka ernähren sich momentan einzig von dem Weizen, den wir ihnen durch Ihre Spenden schicken konnten; sie überleben nur durch Sie, liebe Leser!

Im Namen der Tierschützer und ihrer Tiere möchte ich Ihnen persönlich für Ihre Hilfe danken und Sie gleichzeitig bitten, nicht aufzugeben. Bitte helfen Sie den Menschen und Tieren in der Ost-Ukraine, weiterhin durchzuhalten und zu überleben!

Ihre
Julia Vasbender

Unser Spendenkonto:

Europäischer Tier- und Naturschutz e.V.
Kreissparkasse Köln

IBAN:    DE59 3705 0299 0007 0070 19
BIC:       COKSDE33XXX
Verwendungszweck: Notfallhilfe Ost-Ukraine

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