Offener Brief zur Versteigerung von Katzen und Hunden im Landkreis Leipzig

Update
Vom Veterinäramt des Landkreises Leipzig haben wir eine Antwort auf unseren offenen Brief vom 23. Juni erhalten:

Vielen Dank für Ihre Anfrage, gern komme ich Ihrer Bitte nach und schildere Ihnen unsere Gedanken und Bemühungen dazu.

1) Versteigerung von 12 Katzen und 2 Hunden
Richtig ist, dass wir am Dienstag versucht haben, Hunde und Katzen zu veräußern. Fälschlicherweise wurde immer wieder von einer Versteigerung gesprochen - für uns war nie die Höhe eines möglichen Kaufpreises entscheidend - einzig die Eignung des Übernehmers war und ist auch zukünftig unser Entscheidungskriterium.
Diese Tiere wurden dem vorherigen Halter fortgenommen, über mehrere Wochen von uns untergebracht, tierärztlich versorgt und gesund gepflegt. Am Dienstag waren 5 Katzen und 2 Hunde soweit wiederhergestellt, dass eine Veräußerung möglich war - für diese Tiere haben wir Tierhalter gesucht, die diesen Tieren ein (finales) Zuhause geben. Die anderen Tiere, die momentan noch nicht aus unserer Obhut entlassen werden können, haben wir selbstverständlich in den Pflegstellen belassen und am Dienstag mittels Fotos Interessenten gesucht, die die Tiere - nach deren vollständiger Genesung - übernehmen möchten.

2) Belastung der Tiere, Eignung der zukünftigen Tierhalter, Nachsorge
Auch hier kann ich Ihre Besorgnis verstehen. Selbstverständlich sind wir - Tierärzte und Veterinärassistenten, die nahezu täglich mit tierschutzrechtlichen Verstößen konfrontiert sind - uns der Verantwortung gegenüber diesen Tieren bewusst. Von daher hat ein Tierarzt erst Dienstag früh final entschieden, welche Tiere wirklich fit und stabil genug sind, um ihnen einen Ortswechsel zuzutrauen. Wir hatten einen kompletten Raum für die Katzen, in dem diese sich frei bewegen konnten und selbstverständlich auch Katzentoiletten, Rückzugsmöglichkeiten etc. Um die Tiere nicht zu überfordern, haben wir immer max. 2 Personen in den Raum gelassen, die Kontakt mit den Tieren aufnehmen konnten und von einer Tierärztin entsprechend befragt und beraten wurden. Nach jahrelangen Erfahrungen mit Tierhaltern aller Art fühle ich mich und auch meine Kollegen gut gerüstet, um über Beobachtungen und Gespräche die Beweggründe, Kenntnisse und Fähigkeiten von Menschen einschätzen zu können.
Um die Hunde mit der Menschenansammlung nicht zu überfordern, war eine Kollegin nahezu 2 Stunden mit diesen spazieren und wäre nur nach telefonsicher Aufforderung meinerseits gekommen, um mit Interessenten gemeinsam spazieren zu gehen - leider gab es niemanden, der Interesse hatte und die Hunde kennenlernen wollte.
Eine Nachsorge der Tiere ist schon durch unsere im Tierschutzgesetz festgeschriebenen Überwachungsbefugnisse gesichert. Damit können wir auch in dem Fall, dass sich Personen den freiwilligen Kontrollen (z.B. von Tierschutzvereinen) entziehen, die Kontrollen mittels Zwang durchsetzen - und erfahrungsgemäß sind dies die Haltungen, in denen am ehesten Beanstandungen zu erwarten sind.

Abschließend noch zwei Links lokaler Medien, über die Sie sich einen Eindruck verschaffen können: http://www.mdr.de/sachsen/leipzig/tierversteigerung-wurzen-100.html

http://www.lvz.de/Region/Wurzen/Hunde-und-Katzen-in-Wurzen-unterm-Hammer-Versteigerung-geplatzt

Ich hoffe, ich konnte Ihnen Ihre Bedenken nehmen und aufzeigen, dass wir uns der Verantwortung im Umgang mit eben diesen Tieren bewusst sind. Sollten Sie dennoch offene Fragen oder Bedenken haben, können Sie sich gern noch einmal an mich wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Claudia Preising

 

Hier der offene Brief des ETN e.V. vom 23.06.2017:

Landrat Henry Graichen
Landkreis Leipzig
Stauffenbergstr. 4, Haus 2
04552 Borna

Offener Brief: Versteigerung von Hunden und Katzen am 27. Juni 2017

Sehr geehrter Herr Graichen,

am 27. Juni 2017 führt Ihr Amt eine Versteigerung von 12 Katzen und zwei Hunden durch. Dass für die Tiere neue Zuhause gesucht werden sollen, da der ehemalige Besitzer sie nicht artgerecht versorgen und unterbringen kann, begrüßen wir. Die Tiere jedoch zu versteigern, ist aus Sicht des Tierwohls nicht der richtige Weg.

Die Tiere einfach an den Meistbietenden zu geben, ohne jegliche Prüfung wie dieser die Tiere halten wird oder ob er überhaupt fähig ist das Tier zu versorgen, ist aus Tierschutzsicht einfach nur fahrlässig. Insbesondere bei dieser im Verhältnis überschaubaren Anzahl an Tieren, muss eine Unterbringung in Tierheimen oder Pflegestellen über Tierschutzvereine doch möglich sein. Dort könnte insbesondere für die ängstlicheren oder älteren Tiere in Ruhe ein passendes Zuhause gesucht werden.

Durch die Versteigerung ist die Chance groß, dass den Tieren das gleiche Schicksal widerfährt wie zuvor bei ihrem ehemaligen Besitzer, was sicherlich auch nicht in Ihrem Sinn ist.

Tiere sind Lebewesen und sollten deshalb nicht einfach versteigert werden wie gefundene Handschuhe vom Bahnhof. Wir möchten Sie bitten, diese Tiere nicht einfach zu versteigern und auch in Zukunft in solchen Fällen zum Wohl der Tiere andere Wege zu wählen.

 

 

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