Eine Klinik für Streuner - Das "Centar za mesance" in Belgrad

MicaiHanaUnweit des Zentrums von Belgrad, im Stadtteil Krnjaca, befindet sich ein kleines unscheinbares Haus, das für viele Tierschützer in Belgrad zur wichtigsten Anlaufstelle geworden ist: Das „Centar za mesance“, das Kastrationszentrum von Belgrad. Seit 21 Jahren werden hier Straßentiere kostenlos kastriert und behandelt - das Zentrum leistet damit einen unschätzbar wertvollen Beitrag zur Verringerung der Streunerzahlen in Belgrad.

Seit vielen Jahren werden die Tierschützer des Zentrums vom ETN bei ihrer wichtigen Arbeit unterstützt. Ein liebevoller Umgang mit den Tieren und medizinische Betreuung auf höchstem Niveau sind für Jelena Jankovic, Leiterin des „Centar za mesance“, sehr wichtig, und das merkt man den Tieren an. Ob Straßenhund oder Langzeitpatient, jedes Tier wird hier mit derselben Fürsorge behandelt. Finanzielle Unterstützung von der Stadt Belgrad bekommt das Zentrum nicht, trotzdem können pro Jahr ca. 1000 Tiere kastriert werden. Das „Centar za mesance“ ist damit die wichtigste Tierschutzeinrichtung in Belgrad und einzigartig in ganz Serbien!

Die Situation der Straßentiere in Belgrad

DSC01237Seit dem Jahr 2006 gibt es ein Tierschutzgesetz in Serbien, das die Tötung von Streunern verbietet. Somit können Straßenhunde und-katzen von den Stadtverwaltungen nicht mehr (legal) getötet werden. Leider leisten viele Städte und Gemeinden darüber hinaus aber auch kaum etwas, um das Wachstum der Streunerpropulation einzudämmen.
In Belgrad gibt es schätzungsweise 15.000 herrenlose Hunde. Für die Population der Katzen gibt es keine verlässliche Schätzung, es dürften aber mindestens genauso viele Tiere sein. Ausgesetzte Hunde und Katzen vermehren sich unkontrolliert und verwildern, zusätzlich pflanzen sie sich mit freilaufenden Haushunden und -katzen fort. Denn wie in vielen osteuropäischen Ländern üblich lassen die Einwohner nicht nur ihre Katzen, sondern auch ihre Hunde tagsüber frei in der Stadt umherlaufen und die meisten dieser Tiere sind nicht kastriert, da sich die Menschen die OP nicht leisten können oder Vorurteile gegenüber Kastrationen bestehen. So wächst die Zahl der Straßentiere immer weiter, allein aus einem Katzenpaar könnten rein rechnerisch in 5 Jahren 13.000 Nachkommen entstehen (bei zweimaliger Fortpflanzung pro Jahr, mit durchschnittlich 3 überlebenden Jungtieren). Das Populationswachstum bei Straßenhunden verhält sich ähnlich.

Cikica 2   KopieViele Tierschützer in Belgrad haben sich dieser Problematik angenommen und betreuen einzelne Tiere oder Rudel, indem sie sie füttern und ggf. medizinisch versorgen; für eine Kastration fehlt aber in den meisten Fällen das Geld. Eine Kastration eines Hundes kostet in Belgrad durchschnittlich 100 Euro, bei einem Durchschnittsmonatsgehalt von 350 Euro kann sich das kaum jemand leisten.
Die Stadt Belgrad hat das Problem bereits erkannt und bietet in einem der städtischen Tierheime kostenlose Kastrationen an, um die Anzahl der Straßentiere unter Kontrolle zu bringen. Außerdem betreibt die Stadt mehrere Tierheime, deren Vermittlungszahlen für serbische Verhältnisse recht gut sind. Die Stadtverwaltung hat also bereits Anstrengungen unternommen, das Problem auf humane Weise zu lösen. Allerdings ist das Budget für das Kastrationsangebot begrenzt und viele Menschen haben keine Möglichkeit das abseits gelegene Tierheim mit ihrem Tier zu erreichen, da arme Bürger kein Auto besitzen und Busse die Mitnahme von Haustieren verweigern. So bleibt vielen Menschen, die ein Tier kastrieren lassen wollen nur die Suche nach einer anderen Möglichkeit – einzige Alternative ist hier das „Centar za mesance“.

Warum ist die Arbeit des Zentrums so wichtig?

Grafik KastrationenSeit Gründung des Kastrationszentrums im Jahr 1996 konnten bisher mehr als 16.000 Tiere kastriert werden, wobei die jährlichen Kastrationszahlen stetig steigen. Die kastrierten Tiere sind Streuner, die von Tierschützern betreut oder gefangen wurden, sowie Tiere aus Tierheimen oder privaten Auffangstationen. Durch die Kastration der Tiere wird somit nicht nur die Streunerzahl auf den Straßen Belgrads eingedämmt, sondern auch dafür gesorgt, dass sich Hunde und Katzen in Auffangstationen nicht weiter vermehren und nur noch kastriert vermittelt werden.

Wie wichtig Einrichtungen wie das Centar za mesance sind, zeigt ein Blick in eine 1990 erstellte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO, Guideline for Dog Population Management, Geneva 1990). Dort wird klar herausgestellt, dass einzig die Kastration von Straßentieren langfristig und nachhaltig zu einer Reduktion des Bestandes führt. Dabei ist es wichtig, dass ein Straßentier nach der Kastration wieder an seinen Ursprungsort verbracht wird („Neuter-and-Release“-Methode), damit es dort wieder seinen Platz im Rudel einnehmen kann. So werden stabile Hunderudel/Katzenkolonien geschaffen, die ein gutes Monitoring erlauben und es wird verhindert, dass andere unkastrierte Tiere den Platz des kastrierten Tieres einnehmen. Auch Besitzer- und Tierheimtiere müssen flächendeckend kastriert werden, um eine Zuwanderung von außen zu vermeiden.
All dies leistet das Centar za mesance in dem für die Tierschützer möglichen Umfang. Durch die seit Jahren kontinuierlich durchgeführten Kastrationen kann das Zentrum nachhaltig und tierschutzgerecht auf die Streunerpopulation in Belgrad einwirken und die Tierschützer vor Ort entlasten.

 

Grafik Centar


Da das Centar za mesance die einzige Einrichtung dieser Art in Serbien ist, ist ein Fortbestand des Zentrums dringend notwendig. Ohne das Centar könnten zahlreiche Tiere von privaten Tierschützern oder Tierheimen nicht mehr kastriert und somit auch nicht vermittelt werden. Da das Zentrum einen sehr guten Ruf hat und mittlerweile in ganz Belgrad und Umgebung bekannt ist, trägt es außerdem dazu bei eine höhere Akzeptanz für Kastrationen in der Bevölkerung zu schaffen. Kastrierte Straßentiere sind ruhiger, friedlicher und gesünder, denn Rangstreitigkeiten, Konkurrenzkämpfe und Revierverhalten nehmen ab. Auch die Gefahr an geschlechtsspezifischen Krankheiten oder Infektionskrankheiten zu erkranken nimmt ab. So fühlen sich die Anwohner weniger durch die Straßentiere gestört, womit auch die Ablehnung gegenüber den Tieren abnimmt.

3.dan IvaDa jedes kastrierte Tier mittels einer Tätowierung im Ohr markiert wird, können Anwohner schnell einordnen, welches Tier in ihrer Umgebung medizinisch versorgt wurde. Die Tatsache, dass jemand Zeit und Geld in diese Tiere investiert hat, gibt den Streunern in den Augen der Anwohner auch einen materiellen Wert. Das schützt die Tiere auch in gewissem Maße vor Vertreibung oder Misshandlungen.
Gleichzeitig erkennen die Menschen, die ihr Tier zwar kastrieren lassen möchten, aber medizinische Bedenken haben, dass der Kastrationseingriff für die Tiere kein großes Risiko birgt. Theoretische Erklärungen zu modernen OP-Methoden helfen beim Abbau solcher Vorurteile nicht weiter, vielmehr müssen die Menschen mit eigenen Augen gesunde, kastrierte Tiere sehen.

Jeder fängt klein an…

Krov zavrseni radoviDie Geschichte des Kastrationszentrums begann im Jahr 1996 in einer gemieteten Privatgarage, die lediglich Platz für 5 Hundeboxen bot und deren kleiner Nebenraum als OP-Saal genutzt wurde. Drei Tierschützerinnen aus Belgrad hatten das Zentrum damals gegründet, um einen Platz zu schaffen, an dem herrenlose Hunde und Katzen kostenlos kastriert werden konnten. So wurde das Zentrum schon in seinen Anfangszeiten schnell zur Anlaufstelle für viele Tierschützer aus Belgrad, die Futterstellen für streunende Hunde und Katzen betreuten. Spenden gab es nur wenige und einen festangestellten Tierarzt hatte das Zentrum damals wie heute nicht, aber von Anfang an zeigten sich viele Tierärzte bereit zu einer Kooperation. Heute kommen zwei Tierärzte mit jeweils einem Assistenten an zwei Tagen in der Woche ins Zentrum, um herrenlose Tiere zu kastrieren und zu behandeln. Die Tierärzte sind sehr gut ausgebildet und arbeiten bei der Kastration mit sehr kleinen Schnitten nach westeuropäischen Standards.

Jesen kod nas2Nachdem das Kastrationszentrum in den Anfangsjahren mehrmals umziehen musste, gelang es der Gründerin schließlich ein kleines Haus mit Garten im Stadtteil Krnjaca zu erwerben, wo das „Centar“ auch heute noch beherbergt ist. Dort gibt es neben einem OP-Raum und einem Raum für die postoperative Nachsorge auch einen Behandlungs- und Warteraum. Mit Hilfe des ETN konnte außerdem der kleine Garten als Außengelände für die Hunde hergerichtet werden. Das Dachgeschoss wurde vor wenigen Jahren ebenfalls mithilfe des ETN und dem Fund Hugo International verwaltet von der König-Baudoin-Stiftung ausgebaut, um mehr Platz für die Nachsorge operierter Katzen zu schaffen. Im Centar leben auch 6 Hunde und 3 Katzen, die nicht mehr vermittelt oder zurück auf die Straße gelassen werden können und die deshalb ihren Lebensabend dort Kastrationszentrum verbringen dürfen. Im Winter gesellen sich zu diesen Langzeitbewohnern auch immer wieder Streunerhunde und –katzen, die im Zentrum Schutz vor der erbarmungslosen Kälte suchen. Die Tiere werden von den Mitarbeitern der kleinen Klinik gefüttert und können es sich in den Hütten um das Gelände herum gemütlich machen.

Die guten Seelen des Zentrums

Operisanaekipa2Betreut werden die Vierbeiner hauptsächlich von Jelena Jankovic, einer Tierschützerin, die schon seit Gründung des Zentrums dabei ist. Frau Jankovic arbeitet täglich 10 bis 12 Stunden im Centar, füttert und versorgt die Tiere, übernimmt die Nachsorge nach einer OP, reinigt Boxen, stimmt OP-Termine ab, assistiert bei Operationen und regelt die Medikamenteneinkäufe. Neben Frau Jankovic hat das Centar noch 2 weitere Mitarbeiterinnen, die im Schichtbetrieb arbeiten und ebenfalls für Reinigung, Versorgung der Tiere, postoperative Nachsorge und Therapie der behandelten Tiere zuständig sind. Auch Publikumsverkehr wird von diesen Mitarbeiterinnen betreut. Der Umgang mit den Tieren im Kastrationszentrum ist trotz der harten Arbeit und teilweise aufkommenden Hektik sehr herzlich und die Tiere fassen durchweg schnell Vertrauen zu ihren Pflegern. Jeder Besucher und jeder Vierbeiner erkennt sofort, dass alle Mitarbeiter aus Tierliebe und Überzeugung für die Tiere im Centar arbeiten.

 

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